Sprache ist allgegenwärtig im Leben von Alice Sager– im Studium, im Job, in der Freizeit. In Letzterer paukt sie Deutsch mit Flüchtlingen. Warum sie das macht und was Philip Maloney damit zu tun hat, erzählt Alice bei einem Besuch im Pfadihaus in Lenzburg.

Es ist Dienstagabend, 20 nach Sieben, in einem schlecht beleuchteten und etwas chaotischen Raum im Pfadihaus in Lenzburg. Alice Sager sitzt an einem grossen Holztisch, darauf Arbeitsblätter, Stifte und Kartenspiele. Neben ihr sitzt Medhanie, 32 Jahre alt, geflüchtet aus Eritrea. Seit zwei Jahren ist er in der Schweiz. Alice hilft ihm bei seinen Deutsch-Hausaufgaben. Rund um den Tisch büffeln weitere Flüchtlinge, unterstützt von jungen Pfadileuten und anderen Freiwilligen, wie zum Beispiel Alice.

Die 25-Jährige studiert Journalismus und Organisationskommunikation an der ZHAW im fünften Semester. Ihr Praktikum absolvierte sie beim Radio Kanal K in Aarau. Das Radiohandwerk fasziniert die kommunikative Alice schon lange: «Ich finde es grossartig, was nur durch Ton, alles ausgedrückt werden kann.» Für das Journalismus- Studium entschied sich die gelernte Kauffrau jedoch nicht nur aufgrund ihres Interesses am Radio. Sie wolle als Journalistin etwas bewirken, etwas weitergeben.

 

Sprache begleitet Alice Sager auch neben dem Studium: Sie absolvierte ein Praktikum beim Radio Kanal K.

 

Etwas weitergeben möchte Alice nun den Flüchtlingen. Die Integration möchte sie ihnen so gut es geht erleichtern. Aus diesem Grund entschied sich die Schweizerin mit finnischen Wurzeln für den Deutschtreff. Diesen hat ein Freund von Alice, der selbst Eritreer ist und als Kind in die Schweiz kam, mit zwei Kollegen Anfang 2016 gegründet. Jeden Dienstag- und Donnerstagabend treffen sich junge Helfer mit Flüchtlingen jeglichen Alters im Pfadihaus und lernen quasi im Einzelunterricht mit ihnen Deutsch. «Die Sprache zu beherrschen ist für Flüchtlinge in der Schweiz etwas vom Wichtigsten. Sich bewerben, eine Wohnung suchen – überall brauchen sie Deutschkenntnisse», erklärt Alice ihre Motivation.

Es wird jedoch nicht nur gebüffelt. Auch die Gemeinschaft spielt eine zentrale Rolle im Deutschtreff. Es wird gespielt, gemeinsam gekocht, geplaudert und ausgegangen. Denn neben der Sprache ist auch ein soziales Umfeld entscheidend für die Integration. Für Alice ist diese Gemeinschaft Gold wert: «Klar ist es manchmal anstrengend, mit den Flüchtlingen zu lernen. Man braucht viel Geduld. Jedoch lerne ich sie bei dieser Gelegenheit auch von einer ganz anderen Seite kennen. Ich führe oft sehr lange Gespräche mit ihnen, in welchen sie mir zum Beispiel vom Krieg erzählen und so viel von sich preisgeben. Sie geben mir mit ihrer Herzlichkeit und Dankbarkeit unglaublich viel zurück.»

 

Jeden Dienstag und Donnerstag treffen sich junge
Helfer im Pfadihaus in Lenzburg, um mit Flüchtlingen Deutsch zu pauken.

 

Ihr Engagement im Deutschtreff ist für Alice zeitaufwändig. Mindestens einmal pro Woche ist sie im Pfadihaus anzutreffen. Trotzdem pflegt die Aargauerin neben dem Studium noch weitere Hobbys. «Hörspiele sind eine grosse Leidenschaft von mir», erzählt Alice lächelnd. Ihr Favorit: der Privatdetektiv Philip Maloney. Alices Faszination für Hörspiele ist ähnlich zu begründen wie jene fürs Radio. «Durch verstellte Stimmen, Akzente, Geräusche und Melodien werden ganz eigene Welten kreiert. Es ist verblüffend, wie viel Emotionen nur durch Töne transportiert werden können», schwärmt sie. Vor ihrem Praktikum beim Radio hat sie selbst einen Hörspielsprecherkurs in München absolviert. In diesem habe sie viel über ihre Stimme und wie sie damit arbeiten kann erfahren. Neben Studium, Deutschtreff und Hörspielen versucht Alice beim Schwimmen oder Yoga abzuschalten.

Medhanie arbeitet inzwischen konzentriert an seinen Vokabular-Aufgaben. Hin und wieder fragt er Alice etwas und sie erklärt und umschreibt geduldig. Alice ist ein kommunikativer Mensch, neugierig und begeisterungsfähig. Und man merkt: Was sie tut, das tut sie mit Leidenschaft.

 

Bildurheber: Corina Oertli, Philipp Lustenberger