Die ZHAW ist durch die Coronakrise gezwungen, auf ein reines Online-Studium umzustellen. Nicht überall klappt das gleich gut – und Fragezeichen bleiben bestehen.

Der Zutritt zum Campus ist Studierenden verboten. Ob mit oder ohne Campuscard: Rein kommen momentan nur die Angestellten. Was sonst höchstens am Wochenende zwecks Partyprävention gilt, ist aktuell Dauerzustand – zwecks Infektionsprävention. Das Coronavirus stellt gerade in der ganzen Welt den Alltag auf den Kopf. Die ZHAW ist dabei keine Ausnahme.

Seit dieser Woche bleiben die Vorlesungs- und Unterrichtssäle an den drei Standorten Winterthur, Zürich und Wädenswil gemäss Anordnung des Bundes, der am letzten Freitag die bestehenden Massnahmen verschärft und am Montag die «ausserordentliche Lage» ausgerufen hat, leer. Die Regelung gilt gemäss Kommunikation des Rektorats bis mindestens Ende Mai. Im laufenden Semester wird somit an der ZHAW definitiv kein Präsenzunterricht mehr stattfinden.

Vorbereitung auf Onlinestudium

Die Hochschule hat deshalb diese Woche für alle Studiengänge einen Studiumsunterbruch bis nächsten Montag, 22. März, beschlossen. Die Zeit sei nötig zur Neuorientierung. «Alle ZHAW-Departemente arbeiten mit Hochdruck an Lösungen, um den Unterricht ab dem 23. März kontaktlos durchführen zu können», sagt Manuel Martin von der Kommunikationsabteilung der ZHAW.

Die ZHAW setze sich schon seit längerem mit dem Thema Digitalisierung des Lernens auseinander, so Martin. Trotzdem hat die rasant verlaufende Gesundheitskrise auch die Hochschule auf dem falschen Fuss erwischt. «Eine sofortige vollständige Umstellung ist unrealistisch, auch aufgrund der Praxisorientierung», räumt Martin ein.

Problematisch sei der Verzicht auf Präsenzveranstaltungen vor allem dort, wo die Inhalte sich nur schwierig schriftlich vermitteln lassen. Im Studiengang Architektur, zum Beispiel, wo Modelle im Zentrum stehen, oder am Departement Gesundheit, wo sich vieles um Patienten dreht, sei die Umstellung «eine Herausfoderung». «Sie wird sicher nicht in allen Teilen vollumfänglich möglich sein», sagt Martin. Ob die betroffenen Module wegfallen oder zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden müssen, entscheiden die jeweiligen Studienleitungen.

Fragezeichen Semesterprüfungen

Davon, dass Studiengänge das Semester ganz abbrechen oder zumindest für längere Zeit pausieren müssen – wie es zum Beispiel an der ZHdK teilweise der Fall ist – geht man momentan bei der ZHAW nicht aus. Trotzdem erscheint der pünktliche Semesterabschluss noch bei weitem nicht gesichert. Die grosse Ungewisse bleiben die Semesterendprüfungen.

Im Bereich der gymnasialen und der Berufsmaturitätsbildung wurden anstehende Prüfungen bereits auf unbestimmte Zeit verschoben, wie der Kanton Zürich gestern kommunizierte. Sollte sich die Krise bis Juni hinziehen, dürfte auch der ZHAW nichts anderes übrigbleiben.

Angekündigt ist bereits eine mögliche Verschiebung der Prüfungen auf August. Ob noch weitere Optionen geprüft werden, und dazu, wie die Hochschule damit umgehen würde, sollte das Versammlungsverbot zum Semesterende oder gar darüber hinaus noch bestehen, könne man momentan allerdings noch nichts sagen, so Martin.

Auch Micha Neumair, Präsident des Studierendenverbandes VSZHAW, sieht beim Semesterabschluss noch Fragezeichen. «Kann garantiert werden, dass bis Ende August alle Abschlussklassen ihren Abschluss machen können? Und wann sollen nicht bestandene Prüfungen wiederholt werden? Diese Fragen sind bis jetzt noch ungeklärt. Es wäre wichtig, den Studierenden da Sicherheit geben zu können.» Neumair zeigt allerdings auch Verständnis für die schwierige Lage der Hochschulleitung: «Sie haben im Moment natürlich keinen einfachen Job mit dieser erzwungen rasanten Umstellung auf Onlineunterricht und der Aufrechterhaltung des Betriebes. Es braucht in der momentanen Extremsituation einfach Verständnis und Geduld auf allen Seiten.»

Kein Freizeitangebot mehr

Auch von der Coronapandemie betroffen ist das soziale Leben rund um die ZHAW. Die Türmlibar in Winterthur macht mindestens bis Mitte April dicht, der Studitreff in Wädenswil bleibt für den Rest des Semesters geschlossen. Die Anlässe des VSZHAW sind ebenfalls bis Ende Semester abgesagt. Stattdessen hat auch der Studierendenverband auf Notfallbetrieb umgestellt mit einem Hilfsangebot gemeinsam mit der Studentenvereinigung FHV Turania, das freiwillige Helfer an Privatpersonen oder Institutionen wie Altersheime vermittelt, die Unterstützung benötigen.

Ebenfalls ins Wasser fallen könnte die diesjährige Frackwoche der Absolventinnen und Absolventen am Departement T. Die Delegierten des Trägervereins des Traditionsanlasses haben zwar noch nicht alle Hoffnung aufgegeben und haben gestern für eine Weiterführung der Planung entschieden. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint es allerdings wahrscheinlich, dass das Fehlen von Bärten, Biedermeierkleidern und Bierhumpen auf dem Technikums-Campus sich neben die verschobene Fussball-Europameisterschaft, geschlossene Gastrobetriebe und Heimunterricht einreihen wird als weitere Erinnerung an ein Jahr, in dem für einmal alles anders ist.

Du willst in den Coronazeiten helfen?

Hier gelangst du zum Hilfsprojekt vom VSZHAW und FHV Turania.