Ein Ausschluss wegen ungenügenden Noten ist für Studierende bitter. Besonders gross ist der Ärger, wenn aus eigener Sicht die Prüfung ungerecht bewertet wurde. Doch gegen die Exmatrikulation können sich Betroffene auf drei Arten wehren.

Romina ist verzweifelt. Sie hat zum zweiten Mal das Modul «Deutsch 1» nicht bestanden. Dadurch wird sie nun vom Studium ausgeschlossen, obwohl sie in allen anderen Fächern genügende Noten hat. Als sie ihre Deutschprüfung während der Einsichtnahme durchblättert, ist sie den Tränen nahe. Der Dozent hat Romina für eine Aufgabe nur wenige Punkte gegeben. Sie ist mit der Bewertung nicht einverstanden und hakt beim Modulverantwortlichen nach – doch auch er bleibt hart.

Jedes Jahr kommt es an Hochschulen wie der ZHAW zu Fällen, in denen sich die betroffenen Studierenden ungerecht bewertet fühlen. Lässt sich keine Lösung mit dem Dozenten finden, gibt es für Beschwerden verschiedene Möglichkeiten.

Wiedererwägungsgesuch und Rekurs

Die einfachste Variante ist das sogenannte Wiedererwägungsgesuch. Einige Departemente der ZHAW haben Vorgaben, wie und bis wann das Gesuch an die Studiengangleitung einzureichen ist. Dem Studierenden entstehen dadurch keine Kosten. Die Verantwortlichen schauen sich dann in der Regel die Prüfung nochmals an und beantworten daraufhin das Wiedererwägungsgesuch. «Allerdings ist die ZHAW rechtlich nicht verpflichtet, auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten und dieses zu prüfen», sagt Susann Edelmann vom Rechtsdienst der ZHAW.

Um einen Entscheid anzufechten, ist ein Rekurs notwendig. Dieser enthält neben einem konkreten Antrag auch eine Begründung sowie den der Entscheid der ZHAW. Alle Dokumente sind per Post an die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen einzureichen. Die Frist von 30 Tagen (inklusive Feiertage und Wochenenden) für einen Rekurs beginnt zu laufen, sobald der Brief mit dem definitiven Zeugnis beim Studierenden eintrifft. Als Stichtag für die Eingabe zählt das Datum des Poststempels.

Zu beachten ist, dass ein eingereichtes Wiedererwägungsgesuch die Rekursfrist von 30 Tagen nicht verlängert. Der Stichtag bleibt gleich – ein später eingereichter Antrag ist nicht mehr möglich. Entscheidet man sich rechtzeitig für diesen Schritt, beginnt die Maschinerie zu laufen. Die Kosten bei einem negativen Bescheid liegen dann aber meistens zwischen 500 und 1000 Franken. «In Ausnahmefällen können diese auch höher sein», sagt Edelmann. Zieht der Studierende den Rekurs vor dem definitiven Entscheid zurück, entfallen in der Regel die Kosten.

17 Prozent Erfolgschance

Der letzte Strohhalm auf dem Rechtsweg ist das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich. In der Regel kann man dort alle negativen Entscheide der Rekurskommission anfechten. Entscheidet das Verwaltungsgericht gleich wie die Vorinstanzen, muss jedoch der Studierende die Gerichtskosten tragen. «Eine Entschädigung für die entstandenen Aufwände steht der ZHAW nur zu, wenn ein Verfahren mutwillig, leichtsinnig oder zum Trotz geführt wurde», sagt Edelmann.

2015 sind bei der Rekurskommission 130 Beschwerden gegen Entscheide der Universität Zürich und der Zürcher Fachhochschulen eingegangen. 59 von ihnen zogen die Betroffenen vorzeitig zurück, nur gerade 12 von den restlichen 71 Beschwerden hiess die Rekurskommission oder das Verwaltungsgericht gut.