Strenge Vorschriften der ZHAW hatten die Durchführung der beliebten Winterthurer Frackwoche gefährdet. Heute konnten die Beteiligten bei den Verhandlungen eine gemeinsame Lösung finden. Die Studierenden können aufatmen: Auch nächstes Jahr darf vor sechs Uhr abends angestossen werden.

Jedes Jahr im Mai macht Winterthur eine Reise zurück in der Zeit: Herren im Frack und Frauen in bunten Biedermeier-Kleidern machen während dreieinhalb Tagen die Altstadt unsicher. Mit Musik, Speis und besonders viel Trank feiern die ausgelassenen Studierenden normalerweise ihren technischen Abschluss an der ZHAW.

Kehrtwende der Hochschule 

In den vergangenen Wochen hat sich die fast hundertjährige Tradition durch neue Vorschriften der Hochschule stark bedroht gesehen: Ein Bierverbot bis 18 Uhr und ein Lärm-Höchstwert von 65 Dezibel sorgten für grosse Empörung in den Reihen der Studierenden. Schliesslich sei der Bier-Ausschank die Haupteinnahmequelle der Frackwoche, wie Präsident des Frackwochen-Organisationskomitees Mario Windler gegenüber dem Brainstorm Magazin zu bedenken gibt. Er fügt an: «Ausserdem ist nur schon die Strasse am Technikum lauter als 65 Dezibel.»

Ab heute hat die Frackwoche wieder allen Grund zum Feiern: Bei den Verhandlungen konnten sich das OK der Frackwoche, die Studierendenorganisation VSZHAW und die Hochschule selbst auf einen Kompromiss einigen: Das Bierverbot ist grösstenteils aufgehoben worden und auch mit dem Lärm nimmt es die ZHAW nicht so streng wie angekündigt.

Die neuen Spielregeln

Bis 18 Uhr dürfen die Absolventen nur im Freien auf Ihre Erfolge anstossen: In allen Räumlichkeiten der ZHAW herrscht während dieser Sperrzeit ein striktes Alkoholverbot. Dieser Vorschlag der Frackwoche ist auf Seiten der ZHAW auf grossen Gefallen gestossen: «Damit wird sichergestellt, dass der Unterricht im Technikum plangemäss durchgeführt werden kann, was uns sehr wichtig ist», erklärt Thomas Järmann, Leiter Lehre der School of Engineering an der ZHAW.

Die neue Regelung basiere auf grossem Vertrauen gegenüber den Studierenden, sagt Leandro Huber, Präsident der Studierendenorganisation VSZHAW: «Ich bin mir sicher, dass die Absolventen die Regeln respektieren werden, damit die Frackwoche auch zukünftig stattfinden kann». Mit dem Verantwortungsbewusstsein, das die ZHAW mit den neuen Richtlinien von den Studierenden erwartet, nähert sich die Frackwoche wieder ihrem Ursprung im Jahr 1925 an: Mit Bart und Frack stellten die damals noch viel jüngeren Absolventen klar, dass sie nun ganz in der Erwachsenenwelt angekommen sind.

Und was die 65 Dezibel angeht: Zu Beginn der nächsten Frackwoche wird die Stadtpolizei vor Ort Messungen der Lärmemissionen durchführen. Erst danach werde ein verbindlicher Höchstwert festgelegt. «Vermutlich werden wir unseren Schallpegel mit einem zusätzlichen Dezibel-Messgerät permanent kontrollieren», verrät OK-Präsident Mario Windler. Die Partymusik werde zudem ins Zelt verlegt: «Auf Musik ausserhalb der Festzelte werden wir komplett verzichten, um die Anwohner so gut wie möglich vor dem Lärm zu schützen.»

Erleichterung auf allen Seiten

Mario Windler ist froh, dass er nun endlich mit der Planung loslegen kann. «Ich bin mir sicher, dass es gut kommt, auch wenn die nächste Frackwoche etwas anders wird als bisher.»

Auch Leandro Huber zeigt sich gegenüber dem Brainstorm Magazin positiv gestimmt: «Die ZHAW hat uns Studierenden schlussendlich doch noch bewiesen, dass wir auf ihren Rückhalt zählen können.» Die Frackwoche sei zudem eine wichtige Tradition in Winterthur und solle unbedingt aufrechterhalten werden.

Thomas Järmann von der ZHAW betont, dass schlussendlich die Innovation des Technikums im Vordergrund stehe: «Es war notwendig, einmal strikt durchzugreifen, da es bei uns nicht nur ums Trinken gehen soll. Wir möchten den Absolventen jedoch auch eine Chance geben, die Verantwortung selbst zu tragen». Die Weiterführung der Tradition lässt auch ihn nicht kalt: «Am Ende der Frackwoche 2018 hoffe ich, in Frieden mit den Organisatoren in strahlendem Sonnenschein ein kühles Bier zu trinken – vor 18 Uhr natürlich.»

Quelle Titelbild: Nicole Hasler