Im Drama «Kindeswohl» muss Richterin Fiona Maye über die Bluttransfusion für einen minderjährigen Jungen entscheiden. Er und seine Familie sind Mitglieder der Zeugen Jehovas und verweigern den lebensrettenden Eingriff. Ein Film, der zeigt, dass nicht alles in Richtig oder Falsch eingeteilt werden kann. 

Fiona Maye (Emma Thompson) ist Richterin am obersten Gericht in London, ein Talent am Klavier und total überarbeitet. Jeden Tag muss sie folgenschwere Entscheidungen treffen, die dann von den Medien und der Öffentlichkeit regelrecht zerfleischt werden. Auf ihren Mann Jack (Stanley Tucci) kann sie stets zählen, weshalb sie aus allen Wolken fällt, als dieser ihr sagt, er möchte eine Affäre haben. In diesem Moment erreicht Fiona ein wichtiger Anruf: Der 17-jährige Adam (Fionn Whitehead) hat Leukämie und verweigert die einzige Möglichkeit, sein Leben zu retten: eine Bluttransfusion. 

Adam sowie seine Eltern sind tiefgläubige Zeugen Jehovas, was ihnen verbieten, Blut von anderen Menschen mit dem eigenen zu vermischen. Das Spital macht deutlich, dass Adam einen qualvollen Tod stirbt, wenn er nicht sofort behandelt wird. 

Die Entscheidung 

Beim Gerichtstermin kann Fiona nicht sofort ein Urteil fällen, denn es ist nicht klar, ob der Junge von seinen Eltern beeinflusst wird, oder ob er diese Entscheidung selbst getroffen hat. Sie besucht Adam im Krankenhaus, um sich selbst ein Bild von ihm zu machen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb, jedoch macht er seine persönliche Einstellung sehr deutlich: «Das Gesetz ist ein Esel», «Bluttransfusionen sind unrecht», «Gott hat gesagt, Blut soll man nicht mischen». 

Das Kindeswohl geht vor, deshalb ordnet die Richterin eine Bluttransfusion an, entgegen den religiösen Ansichten der Familie. Damit ist der Fall eigentlich abgeschlossen. Doch plötzlich ruft Adam sie auf dem Handy an und schreibt ihr Briefe. Als er Fiona eines Tages folgt und sie ihn daraufhin nach Hause schickt, küsst Adam Fiona zum Abschied auf den Mund. 

Einige Zeit danach erkrankt Adam erneut schwer. Doch dieses Mal ist etwas Entscheidendes anders: Adam ist 18 Jahre und darf somit selbst über sein Leben entscheiden – und wählt den Tod.  

Kein Richtig oder Falsch 

Richterin Fiona Maye muss zwischen Glaube und Vernunft ein Urteil fällen. Obwohl Adam sagt, dass der Tod allein seine Entscheidung sei und ihn niemand davon abhalten könne, kann er diese Entscheidung zu Beginn eben doch nicht selbst treffen, da er noch minderjährig ist. Fiona entscheidet den Fall Adam mit der gesetzlichen Vernunft und denkt, sie würde das Richtige tun. Doch in den Monaten nach ihrer Entscheidung erkennt sie, dass die Vernunft gegen den Glauben nichts ausrichten kann. Adam ist erneut krank und will für seinen Glauben sterben.  

«Kindeswohl» regt zum Nachdenken an. Was würde man selbst in Fionas Situation tun? Welches Urteil würde man fällen? Der Film zeigt, dass die Richterin ihre Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen fällt mit dem Ziel, das Wohl von Adam sicherzustellen. Es kommt auch die Frage auf, wie sehr eine Richterin, die unbefangen und unparteiisch sein muss, Gefühle zeigen darf. Auch sie empfindet etwas für Adam, aber es wird nicht klar, ob sie sich verliebt oder ob sie ihn als Sohn, den sie nie hatte, ins Herz schliesst. Man kann hier definitiv nicht von Richtig oder Falsch sprechen, aber das soll jeder für sich selbst entscheiden. 

Bildurheberin: Mayra Viejo