Unser Glück ist zur Hälfte von den Genen bestimmt. Die andere Hälfte haben wir selbst in der Hand. Glück lässt sich überraschend einfach konsumieren.

Wenn wir an Konsum denken, denken viele von uns ans Essen, an Drogen oder an Social Media. Oder an den irrsinnigen Konsum der neuesten und hipsten Gadgets. Apple-Store-Camper lassen grüssen. Wir können aber noch etwas anderes konsumieren: Glück. Damit ist nicht das sogenannte Zufallsglück oder auf Englisch «luck» gemeint, sondern die langfristige, stille Variante der inneren Zufriedenheit. Das Lebensglück, auf Englisch «happiness».

Dieses Lebensglück setzt sich aus drei Teilen zusammen: Unseren Genen, den äusseren Umständen und von uns beabsichtigten Tätigkeiten. Untersuchungen der russischen Psychologie-Professorin Sonja Lyubomirsky an eineiigen Zwillingen – also Menschen mit fast identischem Genmaterial – haben ergeben, dass unser Glücklichsein zur Hälfte von den Genen bestimmt wird. Sie nennt das den genetischen «Set-Point». Er bedeutet, dass sich jeder Mensch in einem gewissen Bereich des Glücklichseins bewegt. Dieser Bereich ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Fünfzig Prozent unseres Gemütszustands sind also genetisch bedingt. Weitere zehn Prozent machen äussere Umstände aus: Job, finanzielle Lage, Gesundheit, sozialer Status. Woraus bestehen die restlichen vierzig Prozent? Lyubomirskys Theorie geht davon aus, dass dies von uns beabsichtigte Tätigkeiten sind. Also Dinge, welche wir selbst bewusst tun können. Die Frage ist nur: Wie?

Die richtigen Hormone machen glücklich

Doch bevor diese Frage beantwortet werden kann, muss geklärt werden, wie Glück überhaupt funktioniert. Im Grunde ist Glück nichts anderes als ein chemischer Vorgang in unserem Körper. Diesen bestimmen eine Vielzahl von hormonproduzierenden Zellen. Aus unterschiedlichen Gründen – Gründen, die uns potenziell glücklich machen – werden in diesen Zellen verschiedene sogenannte Botenstoffe, umgangssprachlich Glückshormone, freigesetzt, welche von den Zellen in unser Blut übergehen. Durch die Blutbahnen werden die Hormone bis zu ihren Rezeptoren transportiert, binden sich an diese und entfalten dort ihre Wirkung. Als Glückshormone werden vorwiegend die Botenstoffe Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Endorphin bezeichnet. Alle diese Glückshormone, insbesondere Noradrenalin, werden durch Bewegung, also Sporttreiben, ausgeschüttet.

Noradrenalin wirkt motivierend, erregend und leistungssteigernd. Es ist aber auch bekannt als Stresshormon und wird deswegen von einem anderen Glückshormon, dem Serotonin, gedämpft. Noradrenalin kann neben dem Sport auch in Form von Nahrung zu sich genommen werden: In Mineralwasser, genauer im darin enthaltenen Magnesium, in Vitamin C, also in Zitrusfrüchten wie Orangen oder Zitronen, in Sanddornbeeren, Kiwi, Paprika oder Brokkoli steckt eine Menge Noradrenalin.

Dopamin ist dafür verantwortlich, dass wir Gefühle der Freude und des Glücks empfinden können. Dieser Neurotransmitter wird ausgeschüttet durch angenehme Erfahrungen, Vorfreude und Kooperation. Auch in neuen Situationen, oder wenn wir uns selbst belohnen, wird Dopamin freigesetzt.

Endorphine sind bekannt als körpereigenes Schmerzmittel. Sie werden ausgeschüttet einerseits durch einen Schock, welcher bei einem Unfall dafür sorgt, dass wir zu Beginn keine Schmerzen empfinden. Endorphine werden auch freigesetzt durch Freude und beim Sex. Sie wirken sowohl leistungssteigernd als auch beruhigend.

Bleibt noch das Serotonin. Dieses Glückshormon wird wie Noradrenalin durch Sonnenlicht und Sport ausgeschüttet. Es gibt jedoch auch eine Reihe von Lebensmitteln, die förderlich für die körpereigene Serotoninproduktion sind. Es sind sämtliche Lebensmittel, welche die Aminosäure Tryptophan enthalten. Und diese Aminosäure ist in einigen Lebensmitteln enthalten: Parmesan, Emmentaler, Magerquark, Walnüsse, Cashewkerne, Erdnüsse, Haselnüsse, Sojabohnen, Pilze, Erbsen, Datteln, Feigen, Kiwi, Pflaumen, Äpfel, Pfirsiche, Ananas, Bananen, Avocados, Tomaten, Haferflocken, Reis, Hirse und Quinoa. Die Liste ist lang und sie ist nicht abschliessend. Wie wirkt Serotonin? Einerseits dämpft es Hormone, die Stress auslösen, wie das Noradrenalin. Andererseits wirkt es entspannend, beruhigend, schlaffördernd, schmerzhemmend und motivationsfördernd

In so manchem Obst und Gemüse stecken Glückshormone.

Schokolade und Geld als Glücksbringer?

Es ist Zeit, einen Mythos aufzudecken. Den Mythos, dass Schokolade glücklich machen soll. Eines kann vorweggenommen werden: Schokolade macht nicht glücklich. Aber der Reihe nach. In Schokolade steckt Kakao. Kakao besteht unter anderem aus Tryptophan und Salsolinol, und diese fördern die Produktion von Serotonin in unserem Gehirn. Jedoch hat die Sache einen Haken: Um so viel Tryptophan und Salsolinol in Form von Schokolade zu sich zu nehmen, um durch das Serotonin tatsächlich glücklich zu werden, müsste man in sehr kurzer Zeit mehrere Kilos der süssen Versuchung vertilgen – wobei es für den stimmungsaufhellenden Effekt weniger Schokolade braucht, je mehr Kakao in dieser steckt, also je dunkler sie ist.

Und was ist eigentlich mit Geld? Macht Geld glücklich? Die Beantwortung dieser Frage verlangt einen kleinen Exkurs: Der amerikanische Psychologe Tim Kasser unterscheidet zwischen extrinsischen und intrinsischen Werten oder Zielen. Extrinsische Ziele fokussieren auf etwas Äusseres wie Anerkennung, Geld und Status. Intrinsische Ziele hingegen sind in sich selbst zufriedenstellend. Persönliches Wachstum, tiefe Freundschaften, das Gefühl von Gemeinschaft. Kassers jahrelange Forschung hat gezeigt, dass Menschen, die eher intrinsische Ziele verfolgen, grundsätzlich zufriedener sind als jene, die eher extrinsische Ziele verfolgen.

Nun zurück zum Geld: Dieses ist gemäss Kasser als extrinsischer Wert zu klassifizieren. Kasser hat in einer Studie herausgefunden, dass die Menschen in Amerika heute doppelt so reich sind wie noch vor fünfzig Jahren. Glücklicher als vor fünfzig Jahren sind sie jedoch nicht. Doch ist die Sache mit dem Geld und dem Glücklichsein auch immer eine Frage der Perspektive. Wenn ein Obdachloser dank Geld etwas zu Essen und ein Dach über dem Kopf erhält, wird ihn das ziemlich sicher glücklicher machen. Wenn sich ein Millionär mit einer Villa und drei Autos noch einen Sportwagen kauft, hat dies hingegen kaum einen positiven Effekt auf seine Zufriedenheit. Im Gegenteil, er ist in der hedonistischen Tretmühle gefangen.

Lachen ist gesund und macht glücklich

Neben all dem Genannten gibt es eine weitere, ganz einfache Methode: Lachen. Normalerweise sind wir in dem Moment, in dem wir lachen, schon glücklich. Lachen ist also eine Folge des Glücklichseins. Das Ganze funktioniert aber auch umgekehrt. Die deutsche Motivationstrainerin Vera Birkenbihl erklärt das anschaulich: Beim Lächeln drückt ein Muskel in unserer Wange auf einen Nerv. Dieser leitet die Information, dass wir lächeln, an unser Gehirn weiter und dieses produziert Glückshormone. Der Trick funktioniert, wenn wir wütend, traurig oder schlecht gelaunt sind. Sechzig Sekunden ununterbrochen breit grinsen wird unsere Stimmung heben. Andererseits können wir ihn aber auch präventiv anwenden, indem wir täglich fünf Minuten lang vor uns hinlächeln.

Studien haben ausserdem gezeigt, dass Menschen, die regelmässig aufschreiben, was sie haben und wofür sie dankbar sind, glücklicher werden. Und gemäss Lyubomirsky sind gute Taten gegenüber anderen Menschen am effektivsten, um nachhaltig glücklicher zu werden. Jemandem bei den Hausaufgaben helfen, die Türe aufhalten, zuhören. Oder einfach ein Lächeln schenken. Indem wir zum Glück unserer Mitmenschen beitragen, steigern wir auch unser eigenes Wohlbefinden.

Wie können wir also Glück konsumieren? Alles, was es braucht, ist der richtige Mix aus Hormonen. Man nehme eine halbe Stunde Sport in der aufgehenden Sonne und ein Müesli aus Haferflocken und Datteln zum Zmorge, ein paar Nüsse zum Znüni, zum Zmittag Pouletbrust mit Reis und Erbsen, eine Pflaume zum Zvieri und einen lustigen Abend mit Freunden zum Znacht. Dazu Dinge, die uns Freude bereiten, Dinge, auf die wir uns freuen können, neue Dinge und eine gute Tat pro Tag. Und fertig ist das Glücksrezept.

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