ZHAW-Alumni und Stiftungsrat Ancillo Canepa feierte letztes Jahr sein zehn-jähriges Jubiläum als Verwaltungsrat beim FC Zürich. Davor arbeitete der sehr ehrgeizige Mann 30 Jahre lang beim internationalen Prüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young.

«Für mich gibt es keine Trennung zwischen Privat- und Berufsleben», sagt der sehr präsente und charismatische Mann neben mir bestimmt. Ich sitze im Büro von Ancillo Canepa, ehemaliger ZHAW-Student, nahe beim Zürcher Paradeplatz.

Studiert man den Lebenslauf des 62-jährigen Zürchers, wird klar, dass er sich wohl nie Sorgen um seine Work-Life-Balance gemacht hat. Aufgewachsen in Rüti im Zürcher Oberland, begann er in der gleichen Gemeinde seine Lehre als Kaufmann. In der Maschinenfabrik Rüti lernte der damals 18-Jährige seine zukünftige Frau Heliane Mayer kennen. Ihre erste Verabredung hatten die beiden 1972 im Stadion Letzigrund – Chiasso gegen den FCZ.

Stört dich etwas, dann ändere es, sofort. «In all den Jahren machte ich nie etwas, dass mir gegen den Strich ging.»

Ein Jahr später wurde geheiratet und fast zeitgleich begann Ancillo Canepa sein Betriebswirtschaftsstudium an der damaligen HWV Höhere Wirtschafts- und Verwaltungsschule. Die HWV war früher eigenständig, wurde aber 1998 in die ZHAW eingegliedert. Nach dem dreijährigen Studium erhielt er sein Diplom als eidgenössischer Wirtschaftsprüfer und stieg 1976 ins internationale Prüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young ein. Aus der Idee nur drei Jahre zu bleiben wurden 30 und die Verantwortung über 1000 Mitarbeiter. Bekannt wurde Canepa vor allem durch seinen viel beachteten 3000-seitigen Untersuchungsbericht zum Niedergang der Swissair.

Kurz darauf folgte ein beachtliches Angebot mit noch mehr Verantwortung – Canepa lehnte ab. Er folgte seinem Bauchentscheid, in den Verwaltungsrat vom FCZ einzusteigen. Nur ein Jahr später wurde Ancillo Canepa Präsident des Fussballclubs. Es scheint als hätte der 62-Jährige in seiner Laufbahn keine einzige Pause gemacht: «Ist der Beruf der Richtige, dann braucht man keine Auszeit.» Klare Worte.

Ancillo Canepa lebt nach einer wichtigen Philosophie: Stört dich etwas, dann ändere es, sofort. «In all den Jahren machte ich nie etwas, dass mir gegen den Strich ging.»

Klar müsse man auch mal Gras fressen, aber man soll immer sein Ziel verfolgen und auf dieses hinarbeiten. «Change Management» ist sein wichtigstes Werkzeug, was sich mit der Frage beschäftigt: «Bin ich mit dem, was ich mache zufrieden?» Wenn die Antwort Nein ist, dann ändere deine Arbeit, dein Umfeld oder deine Einstellung.

«Integrität ist das wichtigste Gut.»

Seine Frau bezeichnet ihn als sehr impulsiv. Er haue gerne mal auf den Tisch und werde laut. Gleichzeitig wird er von seinen engsten Freunden und ehemaligen Geschäftspartnern aber als sehr integer wahrgenommen. Diese Charaktereigenschaft freut ihn besonders: «Integrität ist das wichtigste Gut.»

Das harte Arbeiten hat sich scheinbar gelohnt, die Familie Canepa taucht in der Liste der reichsten Schweizer der «Bilanz» mit einem geschätzten Vermögen von 100 bis 200 Millionen Franken auf.

Sein Rat an heutige ZHAW-Studenten: «Lernt Französisch – das habe ich während meines Studiums verpasst.»