Ex-ZHAWler Raphael Tobler, Gründer der Bewertungsplattform Eduwo, blickt auf viele schwierige Entscheidungen zurück. Im Gespräch mit dem Brainstorm Magazin erzählt er, weshalb es aus seiner Sicht keine Fehlentscheide gibt und welche Rolle der Schlaf beim Treffen seiner Entscheidungen spielt.  

Vom Koch über Hotelmanager bis zum Startup-Gründer: Der Lebenslauf von Raphael Tobler klingt beinahe hollywoodreif. Sein Werdegang ist das Ergebnis unzähliger Entscheidungen. «Je riskanter die Entscheidung, desto besser die Geschichte», ist sich der 31-Jährige sicher.  
Raphael geht lieber den steinigen Weg, bequem ist ihm zu langweilig. So überrascht es auch wenig, dass er sich nach der Sekundarschule für die anstrengende Lehre als Koch im damaligen Hotel Claridge Tiefenau in Zürich entscheidet. «Alle haben mir geraten, lieber eine KV-Lehre zu machen. Das war mir aber zu sehr 08/15. Ich suchte eine körperliche Herausforderung», erklärt Raphael. Schon immer habe er sein eigenes Ding durchgezogen. «Hat mir jemand gesagt, ich solle es nicht machen, wollte ich es nur noch mehr.» 

Von Zürich über Dortmund nach Lausanne 

Nach der Ausbildung zieht es den BVB-Fan nach Deutschland. «Auch von dieser Entscheidung haben mir anfangs alle abgeraten. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht einmal eine Wohnung dort.» Dennoch verbringt er in Dortmund schlussendlich zwei Jahre, holt an den Vormittagen sein Fachabitur (entspricht der Berufsmatur in der Schweiz) nach und arbeitet daneben Vollzeit als Koch. In Dortmund will er auch sein Studium beginnen, so der Plan. Da man für das Studium jedoch Französisch können musste, entschliesst sich der damals 20-Jährige, für ein halbes Jahr nach Lausanne zu gehen. «Eigentlich habe ich Französisch immer gehasst und es hat sich angefühlt, als würde ich mich mit dem Aufenthalt in Lausanne selbst bestrafen.» Aus dem geplanten halben Jahr wurden eineinhalb Jahre. «Schlussendlich hat es mir doch sehr gut gefallen – von 365 Tagen waren wir an 350 Tagen nach der Arbeit im Ausgang», witzelt er. 

Von der Hotelfachschule über die ZHAW zum Bürgenstock 

Immer viele Ideen haben und stets Optionen offenhalten: Das ist sein Credo. «Ich hatte nie Angst vor einer Entscheidung, da ich immer einen Plan B hatte. Das hat mir sehr geholfen», sagt Raphael. Einer seiner Pläne war es, in der Hotelbranche Fuss zu fassen. Deshalb habe er sich bewusst für die zweijährige Ausbildung an der Hotelfachschule in Zürich entschieden, um anschliessend Betriebsökonomie an der ZHAW zu studieren. Anfänglich habe er sich auf das Studentenleben gefreut. «Nach ein paar Monaten habe ich aber gemerkt, dass das Studium aufgrund meines Vorwissens relativ leicht zu bewältigen war. Deshalb habe ich neben dem Vollzeitstudium wieder angefangen zu arbeiten», erzählt er. In der Hotelabteilung des Staatsfonds Katar mit Sitz in Zürich absolviert Raphael neben dem Studium sein Wunschpraktikum. «Ich durfte das Bürgenstock-Resort mitentwickeln. Das war eine grosse Sache», freut er sich noch heute. 

Aus der «Pausenplatz-Idee» wird ein Start-up 

Nach drei Jahren bei der Katara Hospitality AG trifft Raphael seine bisher schwierigste Entscheidung, wie er rückblickend sagt. Er gibt seinen gut bezahlten Job auf und gründet gemeinsam mit drei Mitstudenten im Sommer 2016 das Start-Up Eduwo, eine Bewertungsplattform, die bildungsinteressierten Personen hilft, die passende Aus- oder Weiterbildung zu finden.  
Ein gewagter Schritt, da er sich damit in einem bisher unbekannten Bereich bewegt. Aber: die Idee – «eine Pausenplatz-Idee», wie er selbst sagt – funktioniert. 

Einfach einmal lange darüber schlafen 

Bis heute bereut Raphael keine der Entscheidungen, würde alles nochmals genau gleich machen. «Für mich gibt es keine Fehlentscheide. Alle meine Entscheidungen, ob bewusst getroffen oder nicht, haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Schliesslich entstehen die spannendsten Geschichten immer auf der Basis schwerer Entscheidungen.»  

Raphael Tobler macht keine halben Sachen. Das beweist sein eindrücklicher Lebenslauf, den er mit nur 31 Jahren bereits vorweisen kann. Habe er sich erst einmal entschieden, gebe es auch kein Zurück. «Ich konnte immer auf die Unterstützung meiner Familie und der engsten Freunde zählen», erinnert sich Raphael. Trotz vieler Gegenstimmen, die ihn in seinen Entscheidungen beeinflussen wollten, habe er immer auch auf sein Bauchgefühl gehört. Sein Tipp: «Einmal lange darüber schlafen und an sich selbst glauben, das ist das Wichtigste.» 

Bildurheber: Raphael Tobler