Nicht nur die Studierendenzahl der ZHAW steigt, sondern auch ihr Platzbedarf. Zwei fertiggestellte Grossprojekte im Winterthurer Sulzer-Areal sollen diesen im kommenden Jahr entschärfen. Doch auch an anderen Orten entstehen neue Gebäude.

Die ZHAW-Angehörigen sehen sich seit Jahren mit einem akuten Platzmangel konfrontiert. Immer mehr Studierende drängen an die ZHAW, insgesamt waren mit dem Beginn des Herbstsemesters 2018 rund 13 200 Personen an der grössten Fachhochschule im Kanton immatrikuliert. Den grössten Zulauf hat nach wie vor das Departement W, wo jährlich 1700 Studierende neu starten.

Um der immer grösser werdenden Studierendenzahl und gleichzeitig auch ihrem Forschungsauftrag gerecht zu werden, befindet sich die ZHAW flächenmässig auf Expansionskurs. Doch wo können sich Studierende bald über mehr Platz freuen? Und an welchem Standort planen die Verantwortlichen bereits den Ausbau von Übermorgen? Eine Übersicht.


Die Bauingenieure ziehen ein Haus weiter

Derzeit mit Abstand am fleissigsten gebaut wird klar in Winterthur, wo fünf der acht Departemente der ZHAW sowie das Rektorat angesiedelt sind. Die engen Platzverhältnisse an den Standorten Technikum, Sulzer-Areal und St. Georgen-Platz werden 2020 nun schrittweise etwas entschärft: Hinter dem bisherigen Campus des Departements A im Sulzer-Areal mietet sich der Kanton Zürich in ein weiteres Gebäude direkt am Bahngleis ein, indem ab dem Frühlingssemester 2020 der Studiengang Bauingenieurwesen zuhause ist. Neben Räumen für die Vorlesungen sowie Gruppenarbeiten und Arbeitsplätzen entsteht im Neubau der ehemaligen Halle 141 auch eine grossräumige Werkhalle für die Labors.


Grösstes Ausbildungszentrum in der Schweiz

Etwas weiter vorne in Richtung Hauptbahnhof entsteht derzeit in der Nähe der Hochschulbibliothek die neue Heimat der Gesundheitsstudierenden. Auch hier mietet sich die ZHAW auf rund 25 000 Quadratmetern Nutzfläche ein. Das «Haus Adeline Favre», wie der Neubau heisst, beinhaltet damit künftig das landesweit grösste Ausbildungszentrum für Berufe in den Bereichen Pflege, Ergo- und Physiotherapie sowie Geburtshilfe, Gesundheits­förderung und Prävention. Sobald die Mitarbeitenden und Studierenden mit Beginn des Herbstsemesters 2020 umgezogen sind, wird das bisher genutzte Gebäude an der Technikumstrasse in Gehdistanz zur School of Engineering frei. Nutzniesser davon sind die Tech-Studis, deren Platznot damit zumindest vorübergehend etwas abnimmt.

 

Das Haus Adeline-Favre soll den Gesundheitsstudierenden künftig zusätzlichen Platz bieten. Copyright: ©pool Architekten Zürich


Ein Lichtblick mit guter Aussicht

Eine wahre Geduldsprobe ist immer noch der Neubau von Teilen des Technikum-Campus. Nach dem ursprünglichen Plan sollten die modernisierten und neu gebauten Gebäude auf dem Areal praktisch schon stehen, wegen der Finanzkrise und dem daraus resultierenden engeren kantonalen Finanzkorsett wurde der Projektwettbewerb aber vertagt. Der vergangene November war deshalb ein Lichtblick: Die Jury präsentierte das Siegerprojekt «Belo Horizonte».

Der Name spielt nicht nur auf die brasilianische Millionenmetropole an, sondern bietet den Studierenden tatsächlich eine schönere Aussicht. Denn an jenem Ort, wo heute die Bibliothek und Mensa stehen, soll bis 2026 ein Park entstehen, indem künftig Grünflächen mit Zugang zur Eulach statt altehrwürdige Betongebäude ein Blickfang sein werden. Dafür wird der Bau abgerissen. Auf der gegenüberliegenden Seite werden auch das bisherige Laborgebäude und die Condecta-Container dahinter verschwinden, in der heute unter anderem der Techshop untergebracht ist. Auf der frei gewordenen Fläche entsteht ein deutlich grösserer Neubau, der sich bis nach hinten zur Eulach erstreckt. Insgesamt verfügt die School of Engineering damit nach Abschluss der Bauarbeiten über 35 000 Quadratmeter nutzbare Fläche, was ein Drittel mehr als heute ist. Nach aktuellen Schätzungen wird die Erweiterung des Technikum 180 bis 220 Millionen Franken kosten.

 

 

Tür an Tür mit IBM und Swisscom

Eine reine räumliche Konzentration findet beim St. Georgen-Platz statt. Anfang Jahr hat sich die School of Management and Law auf sechs Stockwerken im «Roten Turm» direkt am Bahngleis eingemietet und verlässt dafür bis Ende 2019 das Gebäude an der Stadthausstrasse gleich neben der Altstadt. Damit wird die breite Verstreuung der verschiedenen Gebäude etwas kleiner und die Wirtschaftsstudierenden können künftig neben bekannten nationalen und internationalen Firmen wie IBM, AXA oder Swisscom in die Schule gehen.


Ruhiges Wädenswil und Zürich

Etwas ruhiger zu und her geht es derzeit in Wädenswil. Um- oder Ausbauten sind nicht im Gange, bei zwei Projekten läuft allerdings die Planungsphase. Bis 2023 soll auf dem Campus Reidbach ein neues Laborgebäude für das Department N entstehen. Daneben wird im Laufe dieses Jahres die Fassade des Hauptgebäudes auf dem Campus Grüental saniert, das dem Kanton Zürich gehört. Ganz ruhig ist es in der Stadt Zürich, wo die ZHAW auf dem Toni-Areal derzeit keine Ausbau- oder Umbauprojekte verfolgt.