«Kolumbien? Viel zu gefährlich!», warnten mich viele vor meiner Reise durch das südamerikanische Land. In Erinnerung bleiben nach vier Wochen aber nicht wie von allen befürchtet Drogen und Gewalt, sondern die eindrucksvolle Geschichte, die wunderschöne Natur und vor allem herzliche Menschen.

Von Santa Marta fliegen wir einige Tage später für eine Woche nach Cali. Santiago de Cali, wie die Stadt im Südwesten Kolumbiens eigentlich richtig heisst, empfängt uns mit einem deutlich kühleren Klima als noch an der karibisch geprägten Nordküste. Wie die Bewohner sich warm halten, wird bereits am ersten Abend klar: Zusammen mit unserer etwa gleichaltrigen Hostelbetreiberin und ihrem Cousin gehen wir in eine Salsabar und wagen uns als hüftsteife Europäer auf die Tanzfläche. Das Erstaunliche: Jeder Mann tanzt mit jeder Frau – Alter und Beziehungsstatus scheinen die Kolumbianer da scheinbar nicht einzuschränken.

Auch beim Alkoholkonsum stehen die Menschen den Europäern in nichts nach: Bei Festivitäten steht immer eine Flasche Likör bereit. Besonders beliebt zu sein scheint Ron Viejo de Caldas. Mich als Bierliebhaber erinnert der Rum nach der ersten Kostprobe an Jägermeister oder tschechischen Becherovka… Wie die flaschenweise hineingeschütteten Liköre bezahlt wurden, bleibt dem Europäer allerdings noch lange ein Rätsel. Denn ein Stückpreis von umgerechnet zehn Franken ist schliesslich kein Pappenstiel, wenn man bedenkt, dass immer noch viele Kolumbianer nicht mal zwei Dollar pro Arbeitsstunde verdienen.

Weniger strengeren Kontrollen sei Dank: Pablo Escobar posiert 1981 mit seinem Sohn vor dem Weissen Haus in Washington.


Kriminelle erhalten ihr Eigentum zurück

Mit dem Flugzeug geht es schliesslich zur letzten Destination Medellín – dem ehemaligen Zuhause von Pablo Escobar und seinem Drogenkartell. Einige Zeitungen berichteten im letzten Jahr von einem regelrechten Hype, den die Netflix-Serie Narcos ausgelöst hatte. Mit jeder Staffel strömen scheinbar noch mehr Touristen nach Medellín und wollen die Lebensgeschichte von «El Patrón» hautnah erleben – das war natürlich auch bei uns nicht anders. Schaut man sich die Stadt genauer an, ist sie tatsächlich ein einzig grosses Pablo-Museum. Neben Expositionen über die dunkelsten Jahre von Medellín locken auch unzählige geführte Touren, die alle die wahre Geschichte des Drogenbarons versprechen.

 

Bildurheber: Dominic Bleisch