Da, wo vor ein paar Stunden noch Knie waren, sind nur noch Schmerzen, der Rücken zieht in jeder Position. Auch die Sonne zeigt keine Gnade und brennt mir gnadenlos auf den Helm, während der Baum, den ich mir als nächsten Meilenstein gesetzthabe, einfach nicht näher kommen will. 

An praktisch jedem freien Tag finde ich mich irgendwann in dieser Situation wieder. Wieso tue ich mir das an? Ein Einblick in das Leben eines jungen Paares, dessen Freizeit meist auf zwei Rädern stattfindet – das Leben von meinem Freund und mir. 

Fahrrad gefahren bin ich schon immer gerne, aber erst vor zwei Jahren habe ich mir das erste Rennrad gekauft. Aus der spontanen Idee, einen Triathlon absolvieren zu wollen, wurde ein Hobby, welches heute meinen Alltag und meine Freizeit bestimmt. 

Die ersten kurzen Fahrten mit meinem Rennrad, einem Koga Miyata aus den 90ern, waren sehr gewöhnungsbedürftig, aber ich blieb dran. Schon bald hatte ich das erste ehrgeizige Projekt vor mir: von Lenzburg nach Montreux in einem Tag. 200 Kilometer und viele Höhenmeter mit dem Fahrrad, ganz allein und ohne das Wissen und Werkzeug, schon bei einem banalen Defekt wie einem Platten, meinen fahrbaren Untersatz reparieren zu können. 

Die Fahrt war lang und anstrengend, aber nach rund dreizehn Stunden habe ich wohlbehalten mein Ziel erreicht. Der Beginn der Fahrt war sehr angenehm, da ich die Strasse und die Umgebung noch kannte und es auch noch angenehm kühl war. Aber je weiter weg ich radelte und je wärmer es wurde, desto anstrengender und zermürbender wurde die Reise. Dennoch habe ich es geschafft und heute sind die Schmerzen vergessen, aber der Stolz bleibt.

Auch heute sind immer wieder ähnliche Reisen angesagt, um den Bodensee in einem Tag oder vom Boden- an den Genfersee in einer Woche. Und trotzdem ist es immer wieder genau gleich. Auf den ersten Kilometern ist man noch kalt, dann wird man warm, motiviert und freut sich richtig, bevor sich die ersten Zeichen der Strapazen bemerkbar machen und das Durchhaltevermögen auf den Prüfstand gestellt wird.

Auch auf dem Sofa zu Hause ist das Fahrradfahren nicht vergessen. An den Wänden hängen Postkarten von vergangenen Reisen, in einer Ecke stehen zwei Rennräder und das Equipment ist allzeit bereit.

Wie wir trotzdem die Freude an diesem Sport nicht verlieren

Wir können es selbst nicht genau erklären, aber es gibt einige Antwortmöglichkeiten. Radfahren macht trotz Schmerzen und Anstrengung Spass, besonders, weil man mit dem Rennrad in kurzer Zeit weite Distanzen zurücklegen kann. Man entdeckt schöne Orte, welche mit dem Auto nur schlecht erreichbar sind. Auf dem Rad tut man seinem Körper etwas Gutes und man ist an der frischen Luft. Ein entscheidender Punkt sind die Glücksgefühle, welche man trotz der Anstrengung hat, sobald man es geschafft und auch den letzten Hügel erfolgreich bezwungen hat, obwohl man selber nicht mehr daran geglaubt hat.

Zuhause angekommen, wenn man das GPS-Gerät ausschaltet und die vollbrachte Tat auf dem bequemen Sofa anschaut und einem der Stolz langsam erfüllt, das ist und bleibt der schönste Moment.

Jakob Karin

Jakob Karin

Autorin

Ich schreibe fürs Brainstorm, damit ich die Leser über Themen informieren und begeistern kann, welche ihnen vorher noch unbekannt waren.