«Nur in der Dunkelheit kannst Du die Sterne sehen», sagte Martin Luther King Junior einst. 51 Jahre später trifft dieses Zitat mehr zu als je zuvor. Unsere Welt wird von Lichtern überflutet. Schaut man sich den Globus aus dem Weltall an, wird einem klar, wie hell unser Planet wirklich ist.

Die steigende Anzahl künstlicher Lichtquellen führt zur sogenannten Lichtverschmutzung. Lichtverschmutzung, auch Lichtsmog genannt, bezeichnet die konstante Abwesenheit von völliger Dunkelheit. Doch was sind die Folgen der zunehmenden Lichtemissionen?

Europa aus dem Weltall (Bildurheber: Pixabay)

Unser Körper braucht die Dunkelheit

Die absolute Dunkelheit ist heute nur noch schwer zu finden. Das Licht der Städte wird über 100 Kilometer weit gestreut und von der Atmosphäre reflektiert. Somit ist selbst in abgelegen Orten ein Schleier von Licht am Horizont zu sehen. Dieser Lichtschleier hört sich zwar harmlos an, bringt jedoch eine Vielzahl von Problemen mit sich.

Der Verlust der kompletten Dunkelheit bringt unsere Ökosysteme und unsere Gesundheit aus der Balance. Wie so viele Lebewesen sind auch wir auf unsere inneren Uhren und den damit verbundenen Schlaf-Wach-Rhythmus angewiesen, um zu funktionieren. Zu viel Licht bringt diese Uhr jedoch aus dem Gleichgewicht. Unsere Körper produzieren weniger vom Schlafhormon Melatonin und folglich nimmt unsere Schlafqualität ab. Ein schlechter Schlaf kann die Gesundheit schädigen und zu abnehmender Lebensqualität führen.

Flora & Fauna gerät ausser Balance

Doch die Lichtverschmutzung ist nicht nur für uns schädlich. Auch die Flora und Fauna unseres Planeten gerät aus der Balance. Tiere, welche sich an den Sternen orientieren, haben zunehmend Schwierigkeiten, diese überhaupt noch zu sehen. Dadurch wird ihr natürliches Migrationsverhalten gestört.

Der Lichtsmog führt auch zu einer Veränderung in der Räuber- und Beute-Dynamik. Raubtieren ist es immer weniger möglich, die Dunkelheit als Vorteil für ein Anschleichmanöver zu nutzen. Somit fehlt ihnen oft das Überraschungsmoment, welches für eine erfolgreiche Jagd erforderlich ist. Aber auch Beutetieren, welche die nächtliche Dunkelheit als Versteck nützen, fällt es zunehmend schwer, diese noch zu finden.

Auch Pflanzen leiden unter dem künstlichen Licht. Samen brauchen Dunkelperioden, um zu keimen, was bei ständiger Beleuchtung nicht möglich ist. Eine Verlängerung der Tageslichtzeit wirkt sich auch negativ auf die Blüten- und Fruchtbildung aus.

Das Licht wird zum Konflikt

Der Kruger Nationalpark in Südafrika zählt mit seinen zwei Millionen Hektaren Fläche zu den grössten Wildnis-Parks der Welt. Über dreitausend verschiedene Tier- und Pflanzenarten bewohnen den Park, welcher die Grösse von Israel hat.

Der Sternenhimmel dort ist vermutlich einer der schönsten. Die Milchstrasse ist glasklar und die Sterne funkeln, soweit das Auge reicht. Doch der Schein trügt. Auch mitten im afrikanischen Busch bedeckt ein heller Schleier den Horizont. Grund dafür sind die unzähligen Lichter ausserhalb des Reservats. Denn das Land, welches den Park umkreist, ist die Heimat von über drei Millionen Menschen.

Das Ökosystems des Parks wird durch die Lichter gestört. Beutetiere finden nur erschwert den nötigen Schutz in der nächtlichen Dunkelheit. Vögel verirren sich im Lichtermeer und nachtaktive Tiere müssen ihren gesamten Tag-Nacht-Rhythmus den Bedingungen anpassen.

Der Sternenhimmel in den Schweizer Bergen (Riederalp)

Doch warum wollen die Menschen dort so viele Lichter, wenn sie wissen, dass es dem Ökosystem schadet?

Licht bedeutet Sicherheit. Seit der Installation von riesigen Scheinwerfern in den umliegenden Dörfern ist die Vergewaltigungsrate um ganze 80 Prozent gesunken. Auch Verbrechen anderer Art sind stark zurückgegangen. Es handelt sich hier also um einen Mensch-Natur-Konflikt. Und wie bei so vielen solcher Konflikte siegt der Mensch. Selbst Schirme, welche den Park etwas vor den Scheinwerfern schützen könnten, werden von den Bewohnern nicht akzeptiert. Die Angst vor steigender Gewalt ist einfach zu gross.

Einfach mal abschalten

Die Abschirmung von Lichtquellen ist eine Möglichkeit, die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Den Lichtemissionen liegt ein extrem hoher Energieverbrauch zu Grunde. Die vielen Lichter schaden also nicht nur der Natur, sondern auch den weltweiten Energieressourcen. Um in beiden Problemfeldern Abhilfe zu schaffen, ist es deshalb zu empfehlen, so wenig Licht wie nur möglich brennen zu lassen. Dies gilt nicht nur für Einzelkonsumenten, sondern vor allem auch für öffentliche Lichtinstallationen. Brennende Lichter nehmen mit der wachsenden Bevölkerung zu und die Tendenz ist steigend. Mit sparsamem Umgang von Lichtquellen können die Auswirkungen von Lichtverschmutzung etwas eingedämmt werden. Momentan sieht die Zukunft für unseren Nachthimmel jedoch nicht gerade blendend aus.

 

Bildurheberin: Laura Gutknecht

Laura Gutknecht

Laura Gutknecht

Autorin und Fotografin

Meine Leidenschaft ist die Fotografie. Das Brainstorm ermöglicht es mir, mich kreativ zu verwirklichen und durch meine Bilder und Texte Geschichten zu erzählen. Meine Beiträge sollen berühren, inspirieren und visuell ansprechen.

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