Auf Fleisch und ständig neue Kleider zu verzichten geht leichter, als man denkt. Perfekte Lösungen gibt es zwar nicht. Doch viel ist schon mit einfachen Mitteln machbar.

Plastik im Meer, verschmutzte Luft und Tiere in Massenhaltung: Das sind uns allen bekannte Phänomene. Und es ist nun auch kein Geheimnis mehr, dass diese Phänomene Folgen unseres massiven und ungesättigten Konsums sind.

Über die höhere Bepreisung bestimmter Güter, die einen besonders grossen CO2-Ausstoss verursachen, wurde schon viel diskutiert. Fleisch und Flugreisen sind spätestens seit diesem Jahr zum Sündenbock in der Klimadiskussion geworden. Trotzdem, und trotz vieler Studien, die belegen, dass es sich dabei um entscheidende Faktoren handelt, beharren nach wie vor viele darauf, in die Ferien zu fliegen und Fleisch auf dem Teller zu haben. Genauso, wie die Modeindustrie zwecks Profit nicht von sehr kurzlebigen Trends abweichen möchte.

Allgegenwärtiges Fleisch

Über die ethischen Aspekte unserer Konsumsucht lässt sich viel diskutieren. Schliesslich sind wir alle irgendwie abhängig von Jobs, die uns der Kapitalismus kreiert und die direkt oder indirekt vom Konsum abhängen.

Man kann diskutieren. Oder man macht es einfach, das mit dem Verzicht. Vor etwa acht Jahren wurde mir zum Beispiel bewusst, dass sich plötzlich in den banalsten Lebensmitteln oder Snacks Fleisch eingeschlichen hatte. Salate sind beispielsweise schon seit längerem kaum mehr ohne die obligatorischen Putenbruststreifen zu haben. Diverse Snacks werden mit Schinken oder Speck garniert. Für den kleinen Fleischhunger zwischendurch gibt es sogar Beef-Jerky aus dem Selecta-Automaten.

Obwohl ich gerne Fleisch esse, fühlte ich mich von der schieren Masse an Fleisch abgestossen und startete zunächst einen Versuch, vegetarisch zu leben. Aus dem Versuch ist ein Dauerzustand geworden. Und aus dem Dauerzustand entstand eine gesündere Ernährung und viel höheres Mass an Kreativität beim Kochen. Auch andere haben diese Entdeckung gemacht, und so ist Vegetarismus heute schon fast Schnee von gestern. Vegan ist das neue vegetarisch, und das neue Fleisch ist eigentlich gar keines, sondern aus Pflanzen hergestellt.

Beyond Burger

Highlight: – Schmeckt wirklich wie Fleisch – auf Erbsenproteinbasis ohne Gentechnik

Lowlight: Enthält schädliche Stoffe wie z.B. Mineralölbestandteile

Fazit: Genauso, wie man nicht jeden Tag Rindfleischburger verdrücken würde, isst man auch vegetarische Burger nicht in rauen Mengen sondern als gelegentlichen Leckerbissen. Leider schwanken aber Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit, wie Tests zeigen. Gerade der sehr beliebte Beyond Burger ist mit gesundheitsschädlichen Mineralölbestandteilen belastet und muss zudem aus den USA hertransportiert werden. Der Markt ist aber erst gerade am Entstehen. Und egal ob Beyond Burger oder andere Fleischersatzprodukte – wenn dich als Vegetarier oder Veganer die Fleischeslust überkommt, gibt es mittlerweile schon verschiedenste leckere Produkte, um die Lust zu stillen.

4 von 5 Happy Cows

Lieber Second Hand als Fast Fashion

Neben meinem kulinarischen Konsum stellte ich auch immer mehr meinen Kleiderkonsum in Frage. Früher durchwühlte ich stundenlang die Sale-Abteilung bei H&M und freute mich über Schnäppchen, egal ob schlechte Qualität oder «made in Bangladesh», Hauptsache trendy. Mittlerweile sind die Skandale über miese Produktionsbedingungen von Billigkleidung kein Geheimnis mehr. So kamen mir die Machenschaften der Mode-Industrie immer absurder vor – und mein eigenes Konsumverhalten auch. Ich kaufte nicht, weil ich etwas brauchte, sondern weil es billig war.

Der tiefe Preis von Billigkleidung lügt

Ein Bild, das Gebäude, draußen, rot enthält. Seit Jahren breiten sich die Billigketten in Innenstädten und Einkaufszentren aus. Die Regale füllen sich alle zwei Monate mit komplett neuen Kleidern, wenn nicht sogar jeden Monat. Beim Anblick der übervollen Kleiderständer fragte ich mich immer öfter: Wer soll das alles kaufen? Wer soll das alles überhaupt tragen? Und noch viel wichtiger: Wer bezahlt den Preis für Billigware?

Den wahren Preis für billige Kleidung bezahlen nicht wir, sondern die Näher*innen in Entwicklungsländern.

Denn mal ehrlich: Glauben wir wirklich, dass bei einem sehr niedrigen Kaufpreis, in dem der Rohstoffpreis, der Preis für Ladenmiete, Verkäufer, Marketing und weiteres enthalten sind, noch ein wirklich fairer Preis an die Näher*innen gehen kann? Mann muss nicht lange recherchieren oder besonders viel Hintergrundwissen haben, um diese Frage beantworten zu können.

Vom Kauf zum Tausch

Schliesslich entdeckte ich Second-Hand für mich. Durch die unglaubliche Menge an Klamotten, die sich im Umlauf befinden, hat sich hier ein grosser Markt gebildet. Die Zeiten der siffigen und stinkigen Second-Hand-Läden ist vorbei. Genauso wie es normale Läden für alle Geschmäcker gibt, gibt es für jeden Stil und Geldbeutel Gebrauchtmode. Noch spassiger als Läden finde ich mittlerweile Kleidertauschbörsen. Die Idee ist, dass man selbst Kleider, die man nicht mehr braucht, abgibt und dafür andere mitnehmen kann. Eine super Möglichkeit also, um Fehlkäufe loszuwerden, von denen man sich seit Jahren nicht trennen wollte, weil man auf den einen Anlass wartet, der nie kommt. Findet man nur ein tolles, passendes Kleidungsstück bei so einer Tauschbörse, ist der «Verlust» des eigenen Schrankhüters sofort vergessen. Ich habe schon einige grossartige und ausgefallene Kleidungsstücke bei solchen Börsen herausgefischt. Und im Gegenzug habe ich mich das ein oder andere Mal überwinden können, Kleider aus meinem Schrank abzugeben.

Second Hand Kleidung

Highlight:

  • Man findet jede Marke.
  • Die Sachen sind bereits gewaschen und frei von Chemie.
  • Die Sachen gehen nicht mehr ein.

Lowlight:

  • Man benötigt mehr Zeit.
  • Irgendjemand muss auch diese Kleidungsstücke zuerst mal neu kaufen.

Fazit: Second-Hand-Mode bietet auch Leuten mit kleinem Budget die Möglichkeit, hochwertige Kleidung kaufen zu können. Und wer es sich leisten kann, kann seinen Kleiderschrank gewinnbringend ausmisten. Leider liegt genau da die Krux. Denn ohne viele Erstkäufer von Mode gibt es auch keine vollen Regale in Second-Hand-Läden. Kritiker sagen auch, dass der rege Second-Hand-Markt wiederum den Konsum befeuert. Auch hier macht es also Sinn, im richtigen Mass zu shoppen.

3 von 5 T-Shirts

Bildurheberin: Shanna Camilleri on Unsplash

Neverending Wohlstand?

Nun ja, ein bisschen Second-Hand-Mode hier und ein wenig Fake-Chicken da macht meinen CO2- Fussabdruck noch lange nicht perfekt. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass sich aufgrund der ökologischen Krise unser Lebensstil ändern muss. Während die Klimastreiks weiter und weiter gehen, kann die Politik noch immer keine Lösung präsentieren. Man kann diese Krisenstimmung als pessimistisch betrachten und daraus eine «Ich lass mir doch mein Schnitzel nicht verbieten»-Haltung entwickeln, so wie es teilweise der Tenor der rechts-bürgerlichen Parteien ist. Diese Haltung empfinde ich aber als ziemlich naiv und dumm. Dumm nämlich deshalb, da die negativen Folgen unserer Konsumindustrie bekannt und wissenschaftlich belegt sind. Sich diesen Tatsachen nicht zu stellen, zeugt einfach von Ignoranz, und von Angst vor Veränderung oder davor, Wählerstimmen zu verlieren. Wollen wir das ändern, können wir aber nicht nur predigen, sondern müssen auch selbst etwas tun.

Drohnenfeuerwerk

Highlight: 3D-Effekte Stinkt nicht und garantiert ohne Feinstaub

Lowlight: Nur Ergänzung zum klassischen Feuerwerk – aber dafür können die Drohnen nichts

Fazit: Feuerwerk stösst Feinstaub und CO2 aus, abgesehen vom vielen anderen Müll, den Feuerwerksraketen verursachen. Beim ZüriFäscht gab es dafür eine Drohnenshow zu sehen, die jedes Feuerwerk in den Schatten gestellt und keinen Feinstaub in die Luft geblasen hat. Leider gab’s in Zürich beides – Drohnenshow und Feuerwerk. Und Flugshows. Und Einweggeschirr. Und gaaaaanz viel Müll. Ein Anfang in Richtung eines nachhaltigen Spektakels war es, aber die Ökobilanz des ZüriFäschts ist definitiv verbesserungsfähig.

5 von 5 Leuchtdrohnen

Bildurheberin: Stefanie Zeller

Steffi Zeller

Steffi Zeller

Autorin

Ich schreibe für Brainstorm, weil wo sonst kriegt man die Veröffentlichungs-Garantie für seine Texte gleich bei der ersten Redaktionssitzung?