In der neuen Komödie «Die Känguru-Chroniken» hält das kommunistische, schnapspralinenfutternde Känguru das Leben des Kleinkünstlers Marc-Uwe mächtig auf Trab. Gemeinsam machen sie Berlin unsicher und versuchen, den Immobilienhai Jörg Dwigs davon abzuhalten, ihre Wohnsiedlung mit einem übertriebenen Europa-Tower zu ersetzen.

Schon mal ein Känguru gesehen? Selbstverständlich? Ich wette mit dir, so eins wie dieses hier hast du noch nie in deinem ganzen Leben gesehen. Es ist nämlich ein kommunistisches, geiziges und äusserst besserwisserisches Känguru, das laufend Schnapspralinen in sich hineinfuttert, Worte verdreht und sich mit Leuten anlegt, mit denen man sich nicht anlegen sollte.

Ungleiche Freunde

Die ganze Geschichte, die übrigens auf einer absolut wahren Begebenheit beruht (nicht), beginnt an dem Tag, als sich das Känguru kurzerhand beim mässig erfolgreichen Kleinkünstler Marc-Uwe Kling einquartiert. Als Mensch mit Migränehintergrund findet Marc-Uwe es gar nicht toll, dass das Känguru ihn von da an immer vor 12 Uhr mittags aus dem Bett scheucht.

Bildurheber: Cineman, Cinergy AG

 

Zusammen machen sie Berlin unsicher: Im Park kickt das mannshohe Känguru einen beissenden Hund in hohem Bogen davon, wobei es meint: «Französische Bulldogen fliegen nicht so gut.» Bevor jetzt Tierschützer laut werden – der Hund wurde nicht verletzt! Allerdings hatten seine Besitzer, eine Neonazi-Schlägertruppe, etwas gegen den Hundeflug und verprügelten dafür den unschuldigen Marc-Uwe. Die Polizei lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten, denn die will das Beuteltier verhaften. Das Känguru hält jedoch nicht viel von Uniformierten: «Ein Idiot in Uniform ist immer noch ein Idiot.»

Die Wohnsiedlung der ungleichen Freunde beherbergt auch Hertas Kneipe. Dort treffen sich Marc-Uwe, das Känguru und die Mitglieder des Asozialen Netzwerks, um Anti-Terror-Anschläge zu besprechen. Mit von der Partie sind Maria und ihr Sohn Jesus, die beiden Türken Otto-Von und Friedrich-Willhelm und die schrullige Kneipenbesitzerin Herta. Gemeinsam wollen sie verhindern, dass der Immobilienhai Jörg Dwigs einen übertrieben grossen Europa-Tower, der nur so nebenbei wie ein Penis mit Hoden aussieht, neben ihre Wohnsiedlung hinstellt. Wird es ihnen gelingen?

Phänomenale Sprachwitze

Fans der Känguru-Chroniken werden dem Film vermutlich eher kritisch gegenüberstehen. Zu Recht und auch zu Unrecht. Der Film ist eine Art Best-of der lustigsten Gags und Zankereien aus den (Hör-)Büchern. Inhaltlich ist somit nichts neu; die Sprachwitze sind vertraut, die meisten Namen und Personen ebenfalls. Sehr schade finde ich, dass Marc-Uwe Kling auf der Leinwand nicht sich selbst spielt, sondern vom Schauspieler Dimitrij Schaad verkörpert wird. Dafür, und das ist fast das Wichtigste, leiht er seine Stimme dem dickköpfigen Känguru. Diese Stimme bei Wortverdrehungen wie «Stück mal ‘n Rück» anstelle von «Rück mal n’ Stück» zu hören, ist einfach genial. Solche Sprachwitze machen die Bücher und den Film denn auch zu etwas Besonderem. Und welcher Film kann noch dazu von sich behaupten, ein sprechendes Känguru in der Hauptrolle zu haben? Eben. Gebt dem Beuteltier eine Chance und setzt den Film bloss nicht auf eure Not-to-do-Liste.

Titelbild Bildurheber: Screenshot Youtube / X Verleih AG

Mayra Viejo

Mayra Viejo

Autorin

Ein Magazin wie Brainstorm gehört für mich einfach zum Studentenalltag dazu. Ich freue mich, den Lesern mit meinen Texten ein wenig Ablenkung zu verschaffen.