Michelle Ischi, Studentin in Wirtschaftsrecht im letzten Semester, lancierte im Herbst 2019 den «Women Doing Business» Event. Lange wurde darüber gesprochen. Erst als sie es selber in die Hand nahm, wurde es umgesetzt. Im Mai wird er schon zum zweiten Mal ausgetragen.

Erzähl mal ein bisschen vom Women Doing Business Event im Herbst!
Wir hatten drei Referentinnen, die von ihrem Werdegang und ihrer Erfahrung als Frauen in Führungspositionen bei Mobility, Deloitte und Bär & Karrer erzählten. Sie beschrieben auch ihren Alltag als Mutter, die 100 Prozent in einer Führungsposition arbeitet. Im Anschluss gab es eine Fragerunde für die rund 60 Teilnehmer*innen und einen Apéro fürs Networking.

Wie entstand die Idee für diesen Event?
Ausschlaggebend war mein Besuch an der «Langen Nacht der Karriere». Ich erkundigte mich dort bei einer Frau aus dem HR, wie man sich für ein Bewerbungsgespräch anziehen soll, so dass man kompetent wirkt. Ich schlug einen adretten Rock vor. Die Reaktion war ein schockierender Gesichtsausdruck und die Antwort: «Wir wollen nur Ihre Kompetenzen sehen, nicht ihre schönen Beine.» Da fragte ich mich, ob das wirklich falsch verstanden werden könnte. Ob man es so versteht, dass Frauen mit dem Tragen von Röcken sich mit dem Äusseren in höhere Positionen schmuggeln wollen oder von einem – nicht vorhandenen – Kompetenzmangel ablenken wollten. Und wegen dieser Fehlinterpretation müssen wir Frauen uns vermännlichen, um Karriere machen zu können?

Für die Karriere auf das Tragen von Röcken verzichten? Nicht mit Michelle.

Wie kam es dann zur Umsetzung?
Unter den Studienräten haben wir kurz nach meinem Erlebnis an der «Langen Nacht der Karriere» immer wieder von dieser Idee geredet. Aber es wurde immer wieder zur Seite gelegt. Irgendwann sagte ich mir «gut, dann nehme ich es eben selber in die Hand, wenn niemand die Idee ernst genug nimmt». Dann habe ich mit dem Generalsekretär des VSZHAW, Aleks Simic, und in Kooperation mit zwei Mitarbeitenden vom Absolvententag diesen Event organisiert.

Was ist das Ziel des Events?
Frauen sollen sich eine Führungsposition zutrauen. Dass dies leider immer noch nicht der Fall ist, merkte ich einmal mehr im Unterricht, als wir gefragt wurden, was wir werden wollten. Da sagte eine Mitstudentin, sie würde gerne mal eine leitende Funktion haben, hat aber sofort angefügt, dass das als Frau ja eh nicht realistisch sei. Am «Women Doing Business» Event sollen genau solche Frauen aus echten Erfahrungen zu hören bekommen, dass es möglich ist und auch wie es möglich ist. Es muss dann im Kopf einfach «klick» machen.

War der Event erfolgreich?
Ja, das Feedback war von den Besuchern und den Referentinnen super! Wir wurden noch am Event gefragt: «Macht ihr das im nächsten Jahr wieder?» Das machen wir und zwar sogar semesterweise!

Was war dein Highlight?
Für mich war das Highlight, dass die Referentinnen von so namhaften Unternehmen an diesen Event kamen. Vor allem aber wie sie auftraten: Sie haben sich schon auf der Bühne mit den Vornamen vorgestellt und waren sehr offen gegenüber allen Fragen. Auch am Apéro haben Sie mit allen Duzis gemacht und mit allen «pläuderlet».

Was für neue Ideen für den Event hast du?
Wir würden gerne in Zukunft den Event so gestalten, dass sich auch mehr Männer angesprochen fühlen. Wir hatten nur vereinzelte Männer im Publikum, dabei wären die Präsentationen auch für Männer spannend, weil es auch allgemeine Berufstipps zu Karriere und Berufseinstieg gibt. Es ist auch nicht ausgeschlossen, als Referentinnen Frauen einzuladen, die ihr eigenes Business aufgetan haben, statt in einem Grossunternehmen zu arbeiten.

Wo siehst du dich in deiner Karriere?
Ich möchte finanziell unabhängig sein und Vollzeit arbeiten. Wichtig ist mir auch, dass ich von meiner Arbeit das Ergebnis sehe, sei es eine Präsentation oder ein Event. Es macht sehr viel Spass, mit anderen Leuten ein Projekt auf die Beine zu stellen.

Wann und wo ist der nächste Event?
Der nächste Event ist Ende Semester, also im Mai und wieder im Gebäude SW der ZHAW. Ein Datum haben wir noch nicht festgelegt. Halte Ausschau nach unseren Mail und Newsettern, um es nicht zu verpassen oder informiere dich dann über die Webseite vom Absolvententag!

Bildurheber: Alyssia Kugler

Michelle ist bereit, um den nächsten Women Doing Business Event zu organisieren.

Alyssia Kugler

Alyssia Kugler

Co-Chefleiterin, Autorin

Ich schreibe fürs Brainstorm, weil ich hier wertvolle Erfahrungen machen kann. In der Leitung des Brainstorm von 2018 bis 2020 möchte ich sicherstellen, dass auch andere Studierende wertvolle Erfahrungen machen können. Ich wünsche mir, dass das Brainstorm grösser, bekannter und angesehener wird.