Sie sind Menschen wie du und ich, mit nur einem Unterschied: Sie treffen aussergewöhnliche Entscheidungen. Von Basejumpen über jung Mami werden zu Graffiti sprayen – diesen vier Charakterköpfen wird es bestimmt nie langweilig im Leben.

Der Basejumper

Florian (30) ist Kunststudent an der ZHAW, Designer und Basejumper. In seiner Freizeit stürzt er sich von Bergwänden und Hochhäusern. Ob er dabei Angst hat, erzählt er im Interview.

Warum hast du angefangen mit Basejump?
Ich hatte schon immer das Bedürfnis, von hohen Sachen zu springen. Das gibt mir einen Ausgleich im Leben. Ausserdem fühle ich mich dabei richtig lebendig. Es ist das intensivste Gefühl, das ich kenne. Gerade die ersten paar Sekunden im freien Fall nach dem Sprung – das ist pure Freiheit.

Wie gehst du mit der Angst um?
Es ist für mich nicht die Angst vor dem Tod, sondern die ultimative Lebendigkeit. Basejumpen ist eine Passion, die mich mit Lebensfreude und Energie füllt. Klar kann man dabei sterben. Aber das tut man sowieso mal.

Was lehrt einen das Springen?
Ich bin der Meinung, dass man seinen Charakter am besten formen kann, wenn man sich seinen Ängsten stellt. Dadurch wächst man und das ist die Hauptsache.

Was bedeutet dir der Extremsport?
Es hilft mir, mich zu fokussieren. Dabei kann ich mich wieder neu fassen – so sehe ich das Leben aus einem anderen Blickwinkel.

Die junge Mutter

Alice (25) ist Schauspielerin und wurde mit 22 Mutter. Die ehemalige MTV-Moderatorin dachte im ersten Moment, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr: «OMG, wie schaffe ich das?!» Doch nun würde sie den Kleinen nie wieder hergeben – auch wenn er ihr Leben ganz schön auf den Kopf gestellt hat.

Mit Anfang 20 hast du dich entschieden, Mami zu werden – warum?
Ich wollte schon immer Kinder haben, jedoch war es zeitlich nicht so geplant, dass ich während meines Studiums schwanger werde. Ich dachte mir: «Wann ist schon der richtige Zeitpunkt?». Eine Woche nachdem ich mein Diplom erhielt, kam dann mein Sohn auf die Welt. Also eigentlich doch perfektes Timing.

Findest du es richtig, wie du dich entschieden hast?
Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Zwar gibt es Momente, in denen ich sehr erschöpft bin und mir denke, dass ich es vor dem Kind viel mehr hätte geniessen sollen. Denn da war ich viel freier. Aber vielleicht denke ich das rückblickend auch – dass ich diese einmalige Zeit jetzt bewusster hätte wahrnehmen sollen.

Was ist das verrückteste Erlebnis, das du bisher in der Mutterschaft erlebt hast?
Meine 20-minütige Blitzgeburt. Glücklicherweise habe ich es knapp noch ins Spital geschafft. In der Schwangerschaft hört man nur Horrorstorys über die endlosen Wehen – das war bei mir definitiv nicht der Fall.

Bauch oder Kopf?
Ich war immer ein Bauchmensch, aber als Mutter habe ich gelernt, eine gesunde Bauch-Kopf-Balance zu haben.

Wirst du manchmal für deinen Entscheid kritisiert?
Meine Familie unterstützt mich immer bei meinen Entscheidungen und solange das so ist, spielt die Meinung anderer keine Rolle. Gesellschaftlich werden Mütter aber oft kritisiert – da wünschte ich mir mehr Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung.

Der späte Student

René (37) hat sich mit 33 entschieden, nochmals zu studieren. Warum sich jemand dann noch für einen Karrierewechsel interessiert, erzählt er im Interview.

Bereust du manchmal, was du tust?
Das kommt vor. Jedoch kommt es häufiger vor, dass ich bereue, wenn ich etwas nicht getan habe.

Wie bist du darauf gekommen, nochmal zu studieren?
Da haben viele Faktoren zusammengespielt: Ich war lange Zeit in der IT tätig und hatte mit der Zeit Lust, etwas anderes zu probieren. Journalismus, vor allem der im Radio, hat mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Als mir dann ein Freund von seinem gerade abgeschlossenen Journalismus-Studium erzählte, hat es mich einfach gepackt.

Wer inspiriert dich?
Eine meiner Inspirationen ist der blinde Daniel Kish, der mir und anderen Blinden zeigt, wie wichtig es ist, seine eigenen Grenzen zu setzen und zu sprengen. Eine andere Inspiration ist Ryan Clark, Sänger der Band Demon Hunter. Ich mag seine Art, wie er über sein Leben nachdenkt und wie er zum Glauben steht. Auch wenn ich seinen Ansichten oft widerspreche, ist er für mich ein exzellentes Beispiel gelebter Integrität.

Welches ist die beste Entscheidung, die du je getroffen hast?
Gibt es eine «beste Entscheidung»? Definitiv aber solche, die Überwindung und Kraft kosten.

Die Sprayerin

Marina* (22) studiert Kommunikation an der ZHAW und machte früher oft Graffiti. Damit wollte sie die Wände verschönern – gesprayt hat sie aus ästhetischen Gründen. Kriminell für die Kunst, doch irgendwann wurde ihr das Risiko zu gross.

Welches war dein verrücktestes Erlebnis beim Sprayen?
Eine erfolglose Flucht vor der Polizei mit anschliessenden zwei Wochen U-Haft.

Wie bist du überhaupt darauf gekommen, Graffitis zu machen?
Schon als Kind zeichnete ich gerne, in der Schule kritzelte ich alle Hefte voll. Graffiti war eine neue kreative Herausforderung, die ich meistern wollte. Erst musst du überhaupt mit dem «Handwerk», dem Sprühen, zurechtkommen und dann arbeitest du dich von einfachen Blocks zu komplexeren Styles vor. Ein spannender Lernprozess, durch den ich viele inspirierende Leute kennenlernen durfte.

Bauch oder Kopf?
Im Nachhinein war wahrscheinlich nicht viel Kopf dabei.

Findest du richtig, was du tust?
Ich konnte lange nicht verstehen, weshalb das Sprühen auf manchen Wänden illegal ist. Werbeplakate werden uns ja auch ungefragt aufgedrängt. Die Kunst im öffentlichen Raum hingegen sehe ich als eine Bereicherung an und freue mich immer, ihr zu begegnen. Aus gesellschaftlicher Sicht ist es natürlich nicht richtig, fremdes Eigentum zu besprühen, jedoch haben viele Bewegungen mit illegalen Aktionen begonnen.

Wirst du manchmal für deine Entscheidungen kritisiert?
Meine Eltern waren anfangs überhaupt nicht begeistert und haben immer gescherzt, dass irgendwann die Polizei vor der Tür stehe. Als sie dann tatsächlich vor der Tür stand, haben wenigstens die Scherze aufgehört. Davon abgesehen hat mich Kritik immer angespornt, denn ich wollte mich dann umso mehr beweisen.

Sprayen ist eher männerdominiert – wie war es für dich als Frau?
Schlimmer als Kritik finde ich unehrliches Lob, womit manche Frauen in der Szene zu kämpfen haben. So entsteht ein Teufelskreis: Von den Frauen wird weniger erwartet, sie werden also schneller gelobt. Durch das Lob denken sie, sie müssen sich nicht mehr ins Zeug legen und bleiben auf einem tieferen Niveau.

Was wünscht du dir für die Gesellschaft?
Graffiti ist ein Schritt weg von elitärer Kunst, die nur für einen Bruchteil der Gesellschaft zugänglich ist. Pieces oder Murals auf Fassaden ermöglichen auch Leuten, die sich keinen Museumsbesuch leisten können, mal in ihrem Alltagstrott stehen zu bleiben und Kunst zu bewundern oder sich damit auseinanderzusetzen. Deshalb liegt es mir sehr am Herzen, dass Graffiti mehr Akzeptanz erfährt.

 

* Name geändert

Bildurheber: Florian Kong (Titelbild und Bild Basejumper), Alice Bauer (Bild Mutter und Kind)