Micha Neumair wurde vergangenen Herbst zum designierten Präsidenten des VSZHAW gewählt. Im Interview erzählt der Wirtschaftsinformatik-Student von seinen Zielen als Präsident, von neuen Projekten des VSZHAW und was er von Vorurteilen gegenüber seinem Departement hält. 

Du wurdest im Herbst zum designierten Präsidenten gewählt und bist ab dem Frühlingssemester im Amt? 

Micha Neumair: Genau. Ich bin im Herbst als designiertes Präsidium in den Vorstand gewählt worden, damit der Übergang von meinem Vorgänger Leandro zu mir reibungslos funktioniert. Im Februar werde ich dann zum neuen Präsidenten gewählt. Das wird so gehandhabt, um zu gewährleisten, dass die gewählte Person das Amt wie auch den Job ausführen kann und umgekehrt. 

Wie kamst du dazu, dich als Präsident zur Verfügung zu stellen? 

Ich habe im Sommer 2017 angefangen, als Eventleiter für den VSZHAW zu arbeiten. Ich war schon vor dem Studium immer mal wieder im Eventbereich tätig. In der Kantonsschule habe ich zum Beispiel Bälle organisiert. Deshalb wusste ich schon vorher, dass ich einmal in diesem Bereich arbeiten möchte und das Studium bietet eine sehr gute Gelegenheit, das zu tun.  

Wie ging es weiter? 

Anfang 2018 habe ich dann die Möglichkeit erhalten, mich in der Hochschulversammlung zu engagieren.  Dies ist ein Gremium der ZHAW, wo Studierende, Angestellte und Dozierende vertreten sind und miteinander Anliegen diskutieren, Anträge formulieren und somit Veränderungen bewirken. Ich habe auf hochschulpolitischer Ebene Blut geleckt und schnell gemerkt, dass mich das sehr interessiert. In Gesprächen mit meinem Vorgänger Leandro hat sich dann immer mehr herauskristallisiert, dass ich ein möglicher Nachfolger sein könnte. 

Wie viel arbeitest du als Präsident? 

Das Präsidium ist eine 60-Prozent-Stelle. Die Arbeit ist grundsätzlich gut mit dem Studium vereinbar. Auch weil ich dann arbeiten kann, wenn ich Zeit habe. Es ist völlig normal, dass ich auch einmal an einem Wochenende oder Abend arbeite, was ich sehr schätze. 

Wie lange bleibst du im Amt? 

Ich habe mir schon Gedanken dazu gemacht. Ich denke, dass ich das bis zum Ende meines Studiums machen möchte, also noch zwei Jahre. 

Und was sind deine Ziele für den VSZHAW? 

Ein Punkt, der mir sehr am Herzen liegt, ist, dass wir uns näher an die Studierenden bewegen. Das kann mithilfe von Events geschehen, wo Studierende sehen, dass da etwas im Gang ist und dass wir noch ganz viele andere Sachen für sie tun. Ein weiterer Punkt ist, dass wir die Studiengangs-Vertreterinnen und -Vertreter in Zukunft noch besser in ihrer Rolle als Sprachrohr für die Studierenden einbeziehen. 

Du hast die Events angesprochen. Studentenpartys finden immer unter der Woche statt. Für Teilzeitstudierende und Studierende von ausserhalb ist es schwierig, daran teilzunehmen, wenn man am nächsten Tag arbeiten muss oder nicht mehr nach Hause kommt. 

Man muss differenzieren zwischen Studentenpartys und Events, die an den Departementen stattfinden. Ein Event muss nicht unbedingt eine Party sein. Es kann auch ein Filmscreening sein, eine Podiumsdiskussion oder eine Lesung. Es kann wirklich in verschiedene Richtungen gehen und diese Events müssen nicht zwingend am späten Abend stattfinden. Aber es ist schon so, dass Teilzeitstudierende – auch meine Klassenkameraden – selten an solche Partys gehen, weil sie am nächsten Tag arbeiten müssen. Das ist auch völlig in Ordnung so. Man kann es nicht allen recht machen, aber wir organisieren auch noch andere Events, die sie dann vielleicht besuchen. Oftmals ist es so, dass Studierende an den Wochenenden gar nicht in Winterthur sind. Deshalb finden die meisten Events unter der Woche statt. 

Was sind die grössten Baustellen des VSZHAW im Moment? 

Baustellen klingt so negativ. Ich rede lieber von Projekten. Ein Punkt ist sicher der Studierendenrat. Dieser wurde neu organisiert und hat seit diesem Jahr 30 bis 40 Vertreter. Da lernen wir laufend dazu und sehen, was geht und was man noch anpassen kann. Außerdem sind wir von der ZHAW-Hochschulentwicklung angefragt worden, gemeinsam mit ihnen Ringseminare zum Thema Transformativ zu organisieren. In dieser Vortragsreihe geht es darum, die strategischen Ziele der Hochschulentwicklung zu beleuchten und um die Frage, wohin sich die Lehre entwickelt. Das ist etwas, das uns Studierende alle betrifft. 

Du studierst Wirtschaftsinformatik. Was sagst du zu den Vorurteilendie manche Studierende gegenüber Wirtschaftsstudenten haben? Ein gängiges Klischee ist ja, das Wirtschaftsstudenten geldversessene und polohemdtragende Möchtegern-Topmanager von morgen sind. 

Ich glaube, Vorurteile haben immer eine gewisse Wahrheit an sich. Aber ich glaube auch, Vorurteile sind dazu da, widerlegt zu werden. Ich kenne viele Leute in meinem Studiengang und auch am Departement W allgemein, die überhaupt nicht so sind. Man sollte allen Studierenden eine Chance geben und sich nicht von Vorurteilen leiten lassen. 

Bleibt neben dem Studium und dem Präsidium auch noch Zeit für Aktivitäten ausserhalb der ZHAW? 

Mit dem Teilzeitstudium und der Arbeit als Präsident, wo vieles auch am Abend läuft, muss man sich die Freizeit gut einplanen Ich versuche aber beispielsweise, mir den Montagabend freizuhalten. Und ich schaue auch, dass ich an einem Tag am Wochenende Zeit für mich habe. Da gehe ich dann wandern oder im Winter Ski fahren. 

Stichwort Skifahren: Du bist auch noch Skilehrer. Was reizt dich daran? 

Früher bin ich Skirennen gefahren. Ich war im Kader des Ostschweizer Skiverbandes, habe mich dann aber doch dafür entschieden, die normale Kanti zu besuchen. Das Skifahren wollte ich aber nicht ganz aufgeben und bin deshalb Skilehrer geworden. Leider habe ich immer weniger Zeit dafür. Aber wenn es zeitlich aufgeht, dann bin ich sehr gerne noch als Skilehrer tätig. Ich finde es schön, auch einmal etwas ganz Anderes zu machen und – im Vergleich zu meiner Arbeit als Präsident, wo ich es mit Gleichaltrigen zu tun habe – mit Kindern zu arbeiten.