Lena Schwarz leitete zwei Jahre das Brainstorm Magazin alleine und hat in dieser Zeit viele wegweisende Entscheidungen treffen müssen. Sie war definitiv mit Herzblut dabei und schmiedet im Kopf bis heute noch an Zukunftsplänen für das Brainstorm-Online. In diesem Interview bekommen wir einen Einblick in ihre Erfahrungen als Chefredakteurin, ihre Zukunftsvisionen fürs Brainstorm und in ihre Liebesbeziehung, die seit dem Brainstorm hält.

Erzähl von deiner Zeit beim Brainstorm und was du dort für Änderungen bewirkt hast.
In meiner Zeit als Redaktionsleiterin des Brainstorm Magazins war mir besonders wichtig, dass die Magazine nicht nur produziert, sondern auch von den Studierenden gelesen werden. Da ich aber nicht jede Ausgabe an allen Departementen verteilen konnte und einige Telefonate ernüchternd waren – «Ah, ja, in unserem Postraum befindet sich schon länger eine Kartonschachtel…» –, kam ich zum Schluss, dass eine statt zwei Printausgaben pro Semester wohl reichen würden – auch aus Umweltschutzgründen.

Die dadurch gewonnen Ressourcen – Zeit und Geld – setzen wir ein, um das Magazin den Studierenden noch näher zu bringen: Die Idee von Brainstorm Online war geboren. Der eigentliche Anstoss für die Online-Seite war dann eine Hiobs-Botschaft seitens der ZHAW-Spitze: Die School of Engineering (Dept. T, ehemals Technikum) sollte von Winterthur nach Dübendorf wegziehen. Als Studierendenmagazin sahen wir uns gezwungen, dies einzuordnen, nachzufragen, die Sicht der Studierenden aufzuzeigen; doch uns fehlten die kommunikativen Mittel. Wir besuchten die Podiumsdiskussion, führten Interviews und publizierten sechs schöne Seiten im Printmagazin. Erschienen ist der Artikel im März 2015 – kurze Zeit, nachdem klar war, dass der Wegzug keine Option mehr darstellt. Ich beantragte, dass das Brainstorm online gehen muss. Auf dem Titelblatt der nächsten Ausgabe war dann auch zu lesen: «NEU – Wir sind online: www.brainstorm.vszhaw.ch». Dazwischen lagen einige Monate intensiver Arbeit.

Warum wolltest du die Aufgabe der Redaktionsleitung übernehmen?
Aus meiner Sicht war es wichtig, dass die Studierenden über ein Kommunikationsmittel verfügen. Das Brainstorm erfüllt diese Aufgabe, indem es etwa Transparenz über die Tätigkeiten des VSZHAW schafft, der auch über die Semesterbeiträge aller Studierenden finanziert ist. Zudem ist die ZHAW eine grosse Institution mit acht Departementen an drei Standorten. Es schien mir nötig, dass die Studierenden Bescheid wissen, was an den anderen Departementen läuft. Auch schien es eine einmalige Chance, zu lernen, wie ein Magazin produziert wird – von der ersten Idee bis zum gedruckten Heft.

Was hast du dabei gelernt?
Mir war anfangs nicht bewusst, was ich alles lernen würde: Eine Redaktion zu führen, heisst etwa, verbindliche Deadlines zu setzen. Der Drucktermin musste strikt eingehalten werden, da wir uns mit Inseraten finanzierten, welche zu einem festgelegten Zeitpunkt zu erscheinen hatten. Ich akquirierte Inseratekunden, plante den Seitenspiegel des Magazins, sprach mich mit der Layouterin ab und gab schliesslich den Druckauftrag.

Einmal bin ich stark ins Schwitzen gekommen, da die Magazine nicht geliefert wurden. Die Nachfrage ergab, dass diese in einem Zwischenlager irgendwo in Deutschland lagen; offenbar stand im Kleingedruckten, dass sich die Lieferung verzögern darf, wenn das Gesamtgewicht eine gewisse Marke übertrifft. Das passierte zum ersten Mal, da wir erstmals ein Magazin mit über dreissig Seiten produziert hatten und die Lieferung nun einige Kilos schwerer war. Ich lernte folglich auch, mich auf Unvorhersehbares einzustellen – und Ruhe zu bewahren.

Schliesslich habe ich mir beigebracht, wie eine Online-Seite mit WordPress aufgesetzt wird – und wie schnell Kosten gespart werden können. Das Design kostete 40 Franken, alles andere erledigte ich selbst – so sparten wir mit dem Brainstorm-Online, die Reduktion der Auflage und den Verzicht auf den einzelnen Magazinversand auf einen Schlag rund 20’000 Franken.

Worauf bist du stolz?
Dass ich für die Redakteure und Redakteurinnen immerhin einen symbolischen Lohn einführen konnte. Ich verstand nämlich nicht, weshalb Studierende, die an einer VSZHAW-Party hinter der Bar standen, zwanzig Franken verdienen und wir Journalisten gratis arbeiten sollten. Ein Artikel entsteht nicht einfach so, sondern ist tagelange Arbeit. Ich lobbyierte für unsere Autoren und konnte ausmachen, dass jeder Artikel mit zwanzig Franken vergütet wird. Das ist zwar nicht viel und entspricht niemals dem zeitlichen Aufwand, aber immerhin ist dies eine Wertschätzung und eine Anerkennung. Es ist nämlich ein Trugschluss, dass die Publikation Lohn genug ist. Journalismus ist Arbeit – und die sollte bezahlt sein! Mich freut sehr, dass ich nun auf Brainstorm Online lese, dass die Autoren nun sogar dreissig Franken pro Artikel verdienen.

Was für ein Engagement würdest du in Zukunft beim Brainstorm oder allgemein in der Studi-Kultur wünschen?
Mehr Besucher und Anerkennung für die Türmli Bar in Winterthur. Ich bin wahnsinnig erfreut, wie es derzeit in der Türmli-Bar läuft. Für mich stellt die Türmli-Bar – ehemals die Brainstorm-Bar des VSZHAW – genau das dar, was ich mir unter Studierendenkultur in einer Stadt wünsche. Die Bar wird bereits sehr rege von Studierenden des Departements T besucht und sie ist insbesondere für Austauschstudierende wertvoll geworden. Es wäre aber sehr schön, wenn auch Studierende anderer Departemente den gar nicht so weiten Weg an die Technikumstrasse 36 finden würden. Für die Renovation der Türmli-Bar und das Programm wird aber noch mehr Geld benötigt. Ich wünsche mir, dass insbesondere der frühere Betreiber der Bar, der VSZHAW, welcher über viele Gelder verfügt, erkennt, wie viel hier ehrenamtlich geleistet wird und mithilft, die Bar weiterzuentwickeln.

Ein weiterer Wunsch ist für mich teilweise bereits in Erfüllung gegangen: Mit dem Brainstorm-Online steht nun ein lebhaftes Kommunikationsorgan für den Austausch über die Departementsgrenzen hinaus da. Ich erhoffe mir, dass künftig nicht mehr nur einseitig kommuniziert wird, sondern dass darüber ein reger Austausch stattfindet – als Plattform für Studierende der ZHAW. Darüber könnte etwa die Wohnungs- und WG-Suche koordiniert werden, Veranstaltungen könnten beworben werden oder gemeinsame, departementsübergreifende Projekte könnten lanciert werden. Ich sehe in der ZHAW grosses Potential und glaube, dass es für die Gesellschaft fruchtbar wäre, wenn sich etwa Informatik-Studierende mit Journalismus-Studierenden und Wirtschafts-Studierenden verbinden, um etwa eine solche Plattform zu gestalten – und auf diese beim gemeinsamen Bier in unserer Studierendenbar, der Türmli-Bar, anzustossen.

Eine kleine Anmerkung…
Mit dem Brainstorm-Magazin hat übrigens meine Liebesgeschichte begonnen. Mein Freund und ich waren beide Autoren für das Magazin und kannten uns flüchtig vom Studium, aber auch, weil wir uns durch gemeinsame Kollegen im Albani getroffen hatten. An der Redaktionssitzung im September 2013 kamen wir ins Gespräch und planten, an der Türmli-Party fürs Magazin zum Thema Sex eine Umfrage durchzuführen. Wir schrieben und trafen uns, um den Artikel zu planen. Die Türmli-Party im Oktober verliessen wir schliesslich als Paar, aber ohne Umfrage – das Thema schien doch zu privat für die Befragten.

Titelbild: zVg

Alyssia Kugler

Alyssia Kugler

Autorin

Ich schreibe fürs Brainstorm, weil ich hier wertvolle Erfahrungen machen kann. In der Leitung des Brainstorm von 2018 bis 2020 möchte ich sicherstellen, dass auch andere Studierende wertvolle Erfahrungen machen können. Ich wünsche mir, dass das Brainstorm grösser, bekannter und angesehener wird.