Wir ratterten über einen Hügel und auf der anderen Seite war sie, die atemberaubende Landschaft des Viñales-Tals: rot-braune Erde, saftig-grüne Palmen und scheinbar friedlich schlummernde Mogotes. Bei der Fahrt durch das Städtchen Viñales fühlte ich mich wie in der Filmkulisse eines ein bisschen modernen Westerns. Farbige, einstöckige Häuser säumten die Strassen, allesamt mit Veranda und zwei Schaukelstühlen darauf. Es begegneten uns Ochsenpfluge und Fahrradfahrer, die sich von Pferdekutschen ziehen liessen. In den Gärten gackerten Hühner und angeseilte Pferde grasten und überall streunten Hunde herum.

 

Die einstöckigen Häuser mit Verandas sind typisch für das Städtchen Viñales.

 

Ochsenpfluge sind in Viñales keine Seltenheit.

 

Valle de Viñales – der wilde Westen Kubas

Unsere Gastgeberin Madaysi, die uns Carlos vermittelte, begrüsste uns freudig und mit frischem Mangosaft. Auf einer Karte in ihrem Esszimmer zeigte sie uns alles Sehenswerte des Tals und wir planten unsere nächsten zweieinhalb Tage. Zum Start wanderten wir aus dem Städtchen hinaus, zurück auf den Hügel, wo wir herkamen, und zum Hotel «Los Jazmines». Von da aus genossen wir zu einem frischen Piña Colada die wunderbare Aussicht über das Tal.

Wir waren uns einig, hier gefiel es uns besser als in Havanna, wenn auch das Schlafen in einem Zimmer ohne Glas im Fensterrahmen gewöhnungsbedürftig war.

Vom Gockel in unserem Garten wurden wir am nächsten Morgen geweckt, von Madaysis herzhaftem Frühstück mit jamón y queso bereit für den Tag gemacht. Um Punkt zehn wurden wir von einem lässigen Typen auf dem Töff abgeholt. Im schnellen Schritttempo knatterte er durch die ganze Stadt, wir eilten ihm hinterher, bis wir mit einem von uns tropfenden Sonnencreme-Mückenspray-Schweiss-Gemisch bei einer kleinen Ranch ankamen. Ohne wirkliche Instruktion kletterten wir auf unsere Pferde und ehe unser ziemlich demotivierter Guide das Kommando geben konnte, gingen sie auch schon los – durch die wunderbare Natur des Viñales-Tals.

 

Auf dem Pferd lässt sich das Tal mit seinen Kaffee-, Honig- und Tabakplantagen wunderbar erkunden.

 

Wir machten unseren ersten Halt auf einer Kaffeeplantage, wo auch original-kubanischer Kaffeebohnen-Honig und Rum produziert wurde. Nach einer kurzen Führung mit Honig- und Rum-Degustation ritten wir weiter zu einer Tabakplantage, wo wir natürlich eine echte kubanische Zigarre rauchten und den halben Wasser-Vorrat der kleinen Bar tranken, während unser Guide mit einem etwa dreijährigen Cowboy spielte. Weiter ging es mit den Pferden durch üppige Wälder, knietiefes Wasser und steile Felsen. Nachdem wir auf einer Lichtung Halt machen wollten und mein Pferd kurz ausriss, zwängten wir uns durch eine beängstigend enge, stockfinstere Höhle, die einst vom Wasser geformt wurde. Zurück am Tageslicht ritten wir zu unserem letzten Halt, einem kleinen See, in welchem wir dann schwimmen konnten, hiess es. Das «Don’t swim in this area – dangerous»-Schild hielt uns dann aber davon ab.

 

Bilder: Corina Oertli