«Taxi?» – «Taxi to Havana?!» Wir wurden begrüsst von schwüler Abendluft und einer Horde aufdringlicher Taxifahrer, die uns allesamt ins Zentrum von Kubas Hauptstadt «La Habana» schaffen wollten. Doch wir brauchten kein Taxi. Der Gastgeber unseres Casa Particular – die kubanische Art von Airbnb – würde uns abholen.

Wir brauchten doch ein Taxi, denn Carlos war nicht am Flughafen, er hatte meine E-Mail nicht erhalten. Übernachten konnten wir dann doch bei Carlos, mitten im belebten «Centro Habana». Schlafen konnten wir wegen des Lärms nicht wirklich gut und um exakt vier Uhr früh waren wir hellwach – herzlichen Dank Jetlag.

Farbige Häuser säumen den Malécon, die Küste Havannas.

 

Havanna – die verruchte Stadt aus den Fünfzigern

Nach einem reichhaltigen und wie wir später feststellten sehr typischen kubanischen Frühstück aus Brot, Butter, Schinken und Käse (jamón y queso), Spiegeleiern, frischer Ananas, Mango und Bananen, schlenderten wir erst einmal am Malécon, der Küste Havannas, entlang in die Altstadt «La Habana Vieja». Den Boulevard Obispo hatten wir uns etwas breiter, die allgemeine Situation etwas weniger chaotisch und die Menschen etwas freundlicher vorgestellt, vielleicht waren aber auch einfach unsere Erwartungen zu hoch. Schliesslich gilt Havanna als eine in den Fünfzigerjahren stehengebliebene Stadt, die von Charme nur so strotzt. In den Fünfzigerjahren stehengeblieben ist sie tatsächlich, den Charme fanden wir zugegebenermassen trotz alten Autos und alten Häusern am ersten Tag noch nicht.

 

Auf dem Weg in Havannas Altstadt La Habana Vieja.

 

An unserem zweiten Tag gingen wir darum am Malécon entlang in die andere Richtung, in die Richtung «Vedado», dem sogenannt neuen Teil von Havanna. Nachdem wir mit unseren am Vortag illegal erworbenen Wifi-Karten an einem Hotspot kurz unsere Nachrichten checkten, marschierten wir durch die halbe Stadt bis zum Revolutionsplatz, wo uns Che und Cienfuegos entgegenblickten. Weil wir dann vom Militär verscheucht wurden und den Charme der Stadt noch immer nicht gefunden hatten, beschlossen wir, mit einem postkartengerechten Oldtimer-Cabriolet-Taxi zum Playa Marianao zu fahren – direkt durch den vergleichsweise reichen Stadtteil Miramar. Den «Eingang» zum Strand zu finden war eine kleine Herausforderung und als wir ihn endlich entdeckten, wussten wir auch wieso: Das Ufer glich mehr einer Müllhalde als einem Traumstrand. So machten wir uns ziemlich enttäuscht auf den Rückweg, vorbei an einer toten Katze, die wie ein Fellteppich auf dem Trottoir lag. Wir tauften den Tag «El gato muerto» und waren längst nicht mehr schockiert, als wir ins nicht minder verruchte «Centro Habana» zurückkehrten.

 

Auch Havannas neuerer Stadtteil Vedado ist ziemlich heruntergekommen.

 

Wir waren nicht unglücklich, als wir am nächsten Morgen von einem Taxi colectivo, das uns Carlos organisiert hatte, abgeholt und ins Tal von Viñales chauffiert wurden. Die knapp dreistündige Fahrt an sich war ein Erlebnis: Auf der Autobahn verkehrten Oldtimer, mit Menschen beladene Camiones, Fahrräder, Kutschen, Reiter, Fussgänger, Anhalter und Zwiebelverkäufer.

Bilder: Corina Oertli