Im kalten Winterthurer Nebelwinter verlangt die Psyche nach Comfortfood. Auf dem Vorplatz des Coop City trotzen drei Essenstände der Kälte. Acht bis zehn Franken pro Teller. Lohnt es sich? Wir unterziehen drei Menus dem Test.
«Über d’Gass» – Pasta, Spaghetti und Penne

«Ein Teller Pasta entspannt, macht satt und Kohlenhydrate machen gute Laune.» So lautet das Motto von «über d’Gass». Im Innern des Busses steht Ruedi Spycher. Gross, bärtig, mit dickem Bauch, begrüsst er seine Kunden laut und herzlich. Hätte der Samichlaus einen EssENSstand, so würde es wohl zu- und hergehen. 

Zehn Franken kostet ein Teller Pasta, Spaghetti oder Penne. Am besten ist die Gorgonzola-Penne. Der Pasta-Samichlaus ist grosszügig mit der Sauce-zu-Pasta-Ratio. Der Wohlfühl-Faktor ist riesig. Die Sauce ist rahmig und sämig und schmeckt richtig dekadent. Für den Transport zur Schule packt Herr Spycher den Plastikteller in etwas Alufolie ein und überreicht es in einem Plastiksack. Umweltfreundlich ist das nicht, das Essen bleibt aber warm und alles bleibt im Teller. 

Teller Gorgonzola-Penne – warm, sämig, herrlich! 

Wer einen Foodblog führt oder seine Instagram-Follower gerne mit #foodporn beehrt, muss etwas Aufwand betreiben, um die Penne zu inszenieren. Sollte es essenziell sein: Mit Spiegelreflex, Tischtuch und ein paar Verrenkungen kriegt man es hin. Weiterer Kritikpunkt: Ausser der Hunger ist riesig, ist die Portion fast nicht besiegbar. Der Koma-Faktor setzt etwa fünf Minuten nach dem letzten Bissen ein. Der Nachmittag nach Gorgonzola-Penne ist ein wohliger. Aber wach und aufmerksam ist er nicht. 

Dosa Indian Food Express  ReisBox mit dreierlei Currys 

Beim Dosa Indian Food Express gibt es verschiedenes indisches Essen zu kaufen. Ideal für über den Mittag sind die Curry-Boxen. Für uns Vegis empfiehlt sich die Reis-Box mit dreierlei Currys.  

Praktischer geht’s nicht: die Take-away-Box mit scharfem Inhalt 

Eine kleine, praktische Box beherbergt das Curry. Einfacher ist Essen nicht zu transportieren. Auf die Frage «es bitzeli scharf?» sollte nur mit Ja antworten, wer abgehärtet ist. Ausgepackt lädt das Curry mit farbenfrohem Gemüse zum Reinschaufeln ein. Sobald es mal umgerührt ist, verliert es die Ästhetik. Instagrammer, macht das Foto vor dem Reinbeissen! Der Curry-Reis ist solide und genügend scharf, um im Winter richtig einzuheizen. Gut, nicht umwerfend. Mit dem Preis von acht Franken ist dieses Menu aber auch eine günstige Option. Der Wohlfühlfaktor ist durchschnittlich. Dafür bleibt die komatöse Verdauungsphase aus und der Nachmittag kann gestärkt und gewärmt angegangen werden.  

Yosry Badawy – Ägyptisches Brot mit Tameya 

Im Gegensatz zu den anderen Ständen ist der ägyptische schlicht, fast karg. Beim Warten auf das Essen bekommt man ein Stück warmes, frisches Brot. Für dieses Brot alleine würde sich eine Reise nach Ägypten lohnen. 

«Tameya», das ist ägyptischer Falafel, kostet zehn Franken. Sein Rezept verrät der Koch natürlich nicht, sagt aber, er mische verschiedene Kräuter und Gemüse unter die Kichererbsen. Das Resultat, serviert im Brot mit Tahini-Sauce und etwas Gemüse, ist der beste Falafel weitum.  

Frisch, saftig, exotisch – ägyptischer Falafel ist DER Falafel 

Das Tameya beinhaltet normalerweise Rucola. Nicht jedermanns Fall, aber wer es mag, wird die Kombination mit den würzigen Falafelbällchen lieben. Die Tahini-Sauce macht das Ganze saftig und das Brot. Das Brot ist genial. Für Instagram eignet sich Tameya dafür weniger. Sich beim Reinbeissen fotografieren zu lassen macht sich aber sicher gut für die Story. Der Transport hingegen ist mühsam: Weil die Brottasche so vollgepackt wird, lässt sich die Box nicht schliessen. In der Schule angekommen ist das Essen also nicht mehr heiss. Das tut dem Wohlfühlfaktor etwas Abbruch. Auch ist die Portion eigentlich etwas zu gross. Dementsprechend setzt das Food-Koma umgehend ein. Es ist aber einigermassen schnell überwunden. Am besten also Tameya in einer langen Mittagspause essen. 

Bildurheber: Ursina Ingold