Kultur in Winterthur, Teil 1

Während dem Corona-Lockdown stand die Kulturszene still. Die übrige Kultur, die nicht durch die Schliessung der Lokale blockiert wurde, wurde in der Folge vom Social Distancing der Gar ausgemacht so auch in Winterthur. In einer dreiteiligen Serie über Kultur in Zeiten von Corona erzählen drei Winterthurer Kulturschaffende von ihrem Beruf und wie sie sich in der Lockdown-Phase zurechtfanden. Im Teil eins der Rückblick-Reihe erzählt Florian Sommer, wie er den Lockdown erlebt hat.

Florian Sommer, was machst du im Kulturbereich?
Ich bin Musiker und verdiene damit einen Teil meines Lebensunterhaltes. Zusätzlich arbeite ich als Gitarrenlehrer, als Barkeeper im Salzhaus und schreibe ehrenamtlich noch fürs «Negativ White», das ist ein Musikmagazin mit Reviews über Musikalben oder Konzerte. All das kann ich jetzt nicht mehr.

Und was tust du?
Seit Kurzem kann ich Fernunterricht geben. Aber das ist ganz neu und erst in der Probephase. Ausserdem helfe ich auf einem Bauernhof in Winti mit, übe viel mehr auf der Gitarre und schreibe Songs. Sonst bin ich arbeitslos und geniesse manchmal einfach die Sonne. Mit Kurzarbeit und meinem Ersparten komme ich gerade so über die Runden.

Wo siehst du aktuell die Schwierigkeiten in der Kulturszenen?
Ich hoffe, die Massnahmen halten nicht allzu lange an. Wenn es so weit kommt, dass die Clubs in Engpässe kommen, dann wird es hoffentlich staatliche Unterstützung geben, die nicht zurückgezahlt werden muss. Viele Clubs haben sowieso nicht viel Geld und stehen immer im Überlebenskampf.

Falls nicht, wird das wahrscheinlich sehr vielen Clubs die Existenz kosten. Die Stadt Winti hat jetzt die Aktion «kein Kauf» ins Leben gerufen. Auf der Website kauft man eben nichts von diversen Geschäften und Clubs, aber unterstützt so die Kultur mit dieser lustigen Spende-Form.

Die Kulturszene in Winterthur steht still. (Bildurheber: Salzhaus online)

Was kann man während dem Lockdown für die Kulturszene tun?
Spenden und Streaming nutzen, das Geld für eure Konzerttickets nicht zurückverlangen und die Clubs damit unterstützen, denn die sind jetzt am Kämpfen. Im Radio könnte mehr Schweizer Musik gespielt werden. Viele Sender machen das schon, aber es könnte noch ausgebaut werden. Radio 3FACH spielt jetzt gerade exklusiv Schweizer Musik. Und vor allem können wir zu Hause bleiben, damit so bald wie möglich alles wieder geöffnet werden kann.

Was kann man während dem Lockdown für die Kulturszene tun?
Spenden und Streaming nutzen, das Geld für eure Konzerttickets nicht zurückverlangen und die Clubs damit unterstützen, denn die sind jetzt am Kämpfen. Im Radio könnte mehr Schweizer Musik gespielt werden. Viele Sender machen das schon, aber es könnte noch ausgebaut werden.

Was hilft dir über den Verlust der «offenen» Kultur hinweg?
Hoffen, dass es schnell vorbei ist. Es setzt schon an, auch psychisch. Dies ist zwar kein Ersatz, aber trotzdem gesellig: Es gibt eine App, die «Houseparty», die ist wahnsinnig lustig. Da machst du einen Chat und dann können Leute einfach dazu kommen. So sind auch schon spontane Abende entstanden. Es ist sehr wichtig, dass man den Kontakt zu seinen Leuten aufrechterhält, trotz der Distanz.

Jetzt merkt man, wie wichtig Kultur eigentlich ist. Kulturschaffende haben mir erzählt, dass ihr Beruf in dieser Krise gar nicht so wichtig wäre. Ich bin der gegenteiligen Meinung. Kultur ist das, was wir jetzt am meisten vermissen. Dass man in Bars und an Konzerte gehen kann. Man merkt plötzlich, wie viel Wert diese Aktivitäten sind. Auch wenn sie nicht so wichtig für die Wirtschaft sind, für das psychische Allgemeinwohl sind sie sehr wichtig.

Was kann man für die Kultur tun, wenn der Lockdown vorbei ist?
Konzerte besuchen, ins Theater gehen, so weiter machen wie vorher, einfach dass wir vielleicht alles mehr schätzen.

Möchtest du noch etwas sagen?
Haltet durch, nutzt die Zeit, pflegt soziale Kontakte trotz Social Distancing, helft einander, wenn ihr könnt. Schaut auf eure psychische Gesundheit und dass euch das nicht zu sehr zusetzt.

 

Bildurheberin Titelbild: Kathrin Brunner

Kathrin Brunner

Kathrin Brunner

Autorin

Schöne Texte sind wie Schokolade. Man kriegt nie genug davon! Beim Brainstorm versuche ich mich selbst als Schreiberin…