Am 12. April machte die Kurzfilmnacht-Tour halt in Winterthur. Eröffnet wurde die Nacht mit dem Film «Rå» von Sophia Bösch, gefolgt von Kurzfilmen aufgeteilt in vier Kategorien. Die gebürtige Schweizerin Sophia Bösch mit Wurzeln in Schweden studierte Filmwissenschaften in Stockholm und Berlin. Gedreht wurde ihr Film in einem Wald im Norden von Schweden.

Im Saal angekommen ist die Stimmung ausgelassen. Noch nicht alle haben sich zu ihren Plätzen begeben. Manche tauschen sich noch aus, an die Wand angelehnt. Langsam begeben sie sich zu ihren Plätzen. Die Moderatorin des Abends, Alexandra Götz, kündigt den ersten Film an. Der Kurzfilm «Rå» von Sophia Bösch. Jubel ist aus den hinteren Reihen zu hören, dies wird wohl die Filmemacherin und ein Teil ihrer Crew sein. Der Film nimmt seine Zuschauer mit auf die erste Jagd der 16-jährigen Linn in die Wälder Schwedens. Begleitet wird sie dabei von ihrem Vater und dessen Jagdfreunden. Nahaufnahmen der jungen Schwedin, ihres Hundes und des Waldes nehmen den Zuschauer mit auf dieses eindrückliche Erlebnis. Gleichzeitig thematisiert der Streifen auch wie sich eine junge Frau in einer von Männern dominierten Szene positioniert und auf eigene Faust durchkämpft. Im Anschluss an den Film wird die Regisseurin mit vor dem Publikum interviewt. Dann geht es mit weiteren Kurzfilmen weiter und es bleibt so spannend wie der Auftakt des Abends.

 

Im Kino Kiwi in Winterthur flimmern die Kurzfilme der Kurzfilmtage Winterthur über den Bildschirm.

 

Sozialkritische Schweizer Meisterwerke

Der erste Kurzfilm der Kategorie «Swiss Shorts» zeigt die wundersame Begegnung eines mysteriösen Mannes mit drei Jugendlichen. Regeln werden nach kurzem Zögern gebrochen, die drei Jugendlichen stiften sich gegenseitig an mitzumachen, keiner will Angst zeigen. Eine Spannung wird erzeugt, die den Zuschauer damit rechnen lässt, es könnte jederzeit etwas Schreckliches passieren. Weiter geht es mit «Selfies» und «All Inclusive». Sie zeigen die Absurdität unserer heutigen Gesellschaft auf. Selfies sind nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken, egal wo, egal wann. Und auch der «All Inclusive» Urlaub mit hunderten von Fremden, eingezwercht auf einem Kreuzfahrtschiff, ist nichts Unbekanntes. Der Film «Uno strano processo», realisiert von Marcel Barelli, zeigt das Dilemma eines Vegetariers, aufgewachsen in einer Jägerfamilie. An einen anderen Abgrund der Gesellschaft nimmt der Film «Bonobo» die Zuschauenden mit. Drei Persönlichkeiten im selben Sozialwohnblock lebend, ihre Leben geprägt von Vorurteilen, verbunden durch einen Lift im Hochhaus der nicht so funktioniert wie er es sollte. Eine berührende Geschichte, die aufzeigt, wie alles anders kommen kann als geplant.

 

Zurückgeblieben im Wirrwarr der Gefühle

Genauso facettenreich wie die erste Kategorie geht es in den nächsten Kategorien weiter. «Going Mad» sorgt für Gelächter und Kopfschütteln. Man weiss nicht, ob man es absurd oder lustig finden soll. Im Gegensatz zu den Filmen der vorherigen Kategorie zeigt «The Kids are alright» nicht die Herausforderungen Erwachsener auf, sondern nur die von Jugendlichen und könnte das Thema unterschiedlicher wohl nicht aufgreifen. Der Plot springt zwischen Gegnern und Freunden, Freud und Leid hin und her. Doch besonders die letzte Szene sorgt für Unbehagen und rote Köpfe, unsicher ob hingeschaut werden soll oder nicht wird der Kopf abgewandt, um ihn kurz daraufhin wieder zuzuwenden, nur um es dann doch wieder zu bereuen. Das Licht geht an und die nächste Pause beginnt. Im Laufe der Nacht lösten Filme die unterschiedlichsten Emotionen aus und zurück bleibt ein Wirrwarr der Gefühle. In jeder Pause wurden die Ränge leerer, mehr Leute verliessen den Saal und besonders jetzt bleibt ein merkliches Gefühl der Leere zurück. Nur noch Wenige sind noch hier, um sich die letzten beiden Filme des Abends anzusehen.

 

Bildurheber: Melanie Schmidt