Ein Auslandssemester bedeutet immer auch, eine neue Kultur kennenzulernen. Das gilt natürlich ebenso für die britische Hauptstadt London. Im ersten Teil einer Serie berichtet unser Autor über seine ersten Eindrücke nach der Ankunft.

Das Leben in London ist nicht nur bunt, sondern auch voller Aha-Erlebnisse. Nicht selten entstehen mit den kuriosesten Figuren in der U-Bahn spontane Gespräche oder es steht plötzlich ein halbnackter «Promi» auf der befahrenen Strasse. Hier die lustigsten Geschichten aus den ersten Wochen.

Ein «Satan Bomber» auf der Frontseite

In England herrscht nicht nur im Fussball, sondern auch in der Medienlandschaft eine härtere Gangart. Wer sich schon über die Schlagzeilen der Schweizer Boulevardzeitungen fürchterlich aufgeregt hat, sollte sich deshalb unbedingt auch einmal die Stilblüten der englischen Revolverblätter zu Gemüte führen. Während der «Blick» gerne mit Wortkreationen wie «Trottel-Bankräubern» aufwartet, trumpfte der «Daily Mirror» nach dem jüngsten Attentat in der Londoner U-Bahn Mitte September mit einer noch viel knackigeren Schlagzeile auf: «Satan Tube Bomber» stand in grossen Lettern auf der Frontseite der Samstagsausgabe neben einem Bild der detonierten Bombe.

Abfallgate

Neben den knalligen Schlagzeilen ist für die ZHAW-Studenten auch die tiefe Anzahl an Abfallkörben in London gewöhnungsbedürftig. Bei den Entsorgungsstationen scheint die Stadt auch mitten im touristisch stark frequentierten Westminster an der Themse kräftig zu sparen – sogar vor Take Aways bei Metrostationen fehlen sie. Ganz im Gegensatz zur Schweiz, wo jeder McDonalds mindestens ein halbes Dutzend Kübel aufstellt. In gewissen Strassen dauerte die Suche beinahe eine Viertelstunde. Mittlerweile ist auch der ruhigste Student der ZHAW-Fraktion über die fehlenden Entsorgungsmöglichkeiten derart genervt, dass bereits das Wort #Abfallgate die Runde macht.

Lärmend ab in die Elite-Schule

Deutlich weniger sparsam sind die Londoner bei Privatschulen. Davon gibt es in unmittelbarer Umgebung zu unserer Wohnung gleich zwei. Die Londoner Elite von morgen, immer schick mit grünem Blazer und Krawatte gekleidet (die vom Mami auch nicht immer ganz so perfekt gebunden wurde), nimmt auf ihrem Schulweg sehr zum Leidwesen der Langschläfer scheinbar keine Rücksicht auf Anwohner. Jeweils zwischen 8:30 und 9:00 Uhr ziehen sie lauthals die Treppe vor unserem Haus hinauf zu ihrem Elite-College.

Danach verriegeln die Mitarbeiter jeweils ganze drei Metalltore, damit auch ja niemand die Engelchen (oder lauten Bengelchen?) vom Lernen ablenken könnte. Das mussten auch zwei ZHAW-Studis feststellen: Als sie aus Neugier das schwarz umzäunte Gelände umrundeten und durch das Haupttor hineintraten, um die seltsame Einrichtung genauer unter die Lupe zu nehmen, war sofort ein Wachmann zur Stelle. Wieso Schulkinder im Vergleich zur Schweiz so stark von den Normalsterblichen abgeschirmt (oder wohl eher weggesperrt) werden, konnten wir nicht klären – der Wachmann schickte uns kommentarlos mit einem bestimmten britischen Lächeln weg.

Ein Balletttanz für die Fotografen

Wichtig scheinen sich neben den College-Schülern auch einige Stars an der London Fashion Week zu fühlen. Dass diese in der ersten Woche nach unserer Ankunft in London stattfindet, wusste nicht mal der weibliche Part unserer WG. Der Zufall wollte es, dass die beiden Männer just zu diesem Zeitpunkt im Zentrum unterwegs waren, als die aus den Klatschheften bekannten Models und sonstige VIPs aus Luxuskarrossen stiegen.

Ein Schauspiel, das spätestens dann bei beiden irritierte Blicke auslöste, als eine spindeldürre Dame mit etwas zu stark durchlässigem Stoff auf die Strasse stolzierte, wie im Ballett mehrmals eine Pirouette drehte und ein heftiges temporäres Blitzlichtgewitter auslöste. Wer der aufreizende Star genau war, wusste niemand von den Schaulustigen so genau – die Hauptsache war aber natürlich, dass auch jeder Gaffer ein digitales Andenken geschossen hatte.

Bis bald mit weiteren Eindrücken aus London!