Nach knapp drei Monaten ist für unseren Autoren das Auslandssemester zu Ende. Im letzten Teil dieser Serie schickt er nochmals eine Ladung an Alltagserlebnissen in die Schweiz.

Kaum hat es angefangen, ist das Auslandssemester in London schon wieder vorbei. In den letzten drei Monaten habe ich die Engländer und ihre im Vergleich zur Schweiz deutlich offenere und hilfsbereite Art schätzen gelernt. Während beispielsweise in der U-Bahn viele Londoner beim Koffertransport die Treppe hoch von sich aus mitanpacken, müsste man in der Schweiz wohl zuerst mehrere Passanten darum bitten… Dennoch gibt es in diesem Land einige Eigenheiten, die bei mir und den anderen ZHAW-Outgoings nach wie vor für Stirnrunzeln sorgen.

Gefahren in der U-Bahn

Die Londoner U-Bahn ist nicht nur gut visuell beschildert, sondern unterstützt die Kunden auch mit einer Vielzahl an Durchsagen auf ihrer Reise. Auf gewissen Strecken informiert die längst vertraute Damenstimme die Pendler praktisch im 15-Sekunden-Takt über Umsteigegelegenheiten und warnt vor Langfingern an den Ausgängen. Mit Abstand am meisten Sorgen machen sich die Transportbetriebe aber scheinbar über die Gesundheit der Passagiere: Da die Bahnsteige nicht überall die richtige Höhe haben, klafft an gewissen Stellen zwischen den Wagons und der Plattform eine Lücke. Egal ob darin nur ein Finger oder deutlich mehr als ein Schullineal Platz hat – ein mahnendes «Mind the gap!» erklingt dabei in einigen Stationen gefühlte zehn Mal in- und ausserhalb des Zuges. Böse Zungen behaupten, dass die Warnungen erst eingeführt werden mussten, seit die Menschen nur noch auf ihr Mobiltelefon starren und dabei nicht mehr wirklich auf den Weg achten…

Tropenland im Londoner Untergrund

Das Wetter in London ist bereits im Oktober auch tagsüber recht kühl – Zeit also für dicke Pullover und Jacken. Auch in unserer Wohnung war es mitunter etwas frostig, weil unser Vermieter die Heizung nur während bestimmter Stunden anstellte, um die Stromkosten tief zu halten. Das Gegenteil war in der Londoner U-Bahn bis zum ersten heftigen Wintereinbruch von Anfang Dezember der Fall: In den Zügen wartete jeweils eine schläfrig machende Hitze. Besonders während der Rushhour verwandelten sich die Wagen trotz kurzärmeliger Bekleidung mitunter in rollende finnische Saunen. Für die hohen Temperaturen waren gerüchteweise nicht nur die vielen Pendler verantwortlich, sondern auch einige Angestellte, die ein tropisches Klima bei der Arbeit vorziehen und entsprechend das Thermostat gehörig nach oben gestellt haben… Wer sich also beim nächsten London-Trip den Spa-Eintritt sparen will und sich nicht an schwitzenden Mitmenschen in der eigenen Komfortzone stört, kauft sich im Frühling oder Herbst in London lieber eine Tageskarte für die U-Bahn!

Kleingeld ist nicht gleich Kleingeld

Das Ende des Auslandssemesters bedeutete auch, das in einem Einmachglas angesammelte Kleingeld loszuwerden. Das entpuppte sich allerdings als gar nicht so einfach: Wer beim Wechselgeld nicht immer genau hingeschaut hatte, stand plötzlich mit einem Haufen alter Münzen da. Diese beim Kauf des nächsten Kaffees loswerden? Denkste! «Sorry, we don’t accept them anymore», hiess es jeweils mit einem entschuldigenden Lächeln. Auch der Versuch, den prall gefüllten Plastiksack voller «wertloser» Pfundstücke bei einer Bank loszuwerden, scheiterte kläglich, weil natürlich keiner der ZHAW-Studis über ein Konto bei der entsprechenden Bank verfügte. Und weil der Weg zur Nationalbank dann doch zu weit war, durften sich Kellner und Londoner Tourguides an den ungeliebten Münzen erfreuen. Und was nach drei Monaten London noch übrig war, landete schliesslich am Flughafen in einem Spendentopf.

Bis bald an der ZHAW!