Stephan Lendi ist Sprecher und Moderator. Im Gespräch mit dem Brainstorm-Magazin erzählt er, wie er zu diesem ungewöhnlichen Beruf gekommen ist, welche Rolle das Zaubern dabei spielte und weshalb er eine Ausbildung in Alpakahaltung hat.

Sie sind nun seit über 18 Jahren als Sprecher und Moderator tätig. Das ist kein alltäglicher Beruf. Wie sind Sie dazu gekommen?
Im Gymnasium drehte ich kleinere Filme mit Freunden, wobei jeder seine Fähigkeiten einbrachte. Durch das Texten von Skripten und Dialogen entdeckte ich auch die Liebe für das Geschriebene. Eines Tages gab es eine Lesung am Gymnasium. Da kam eine Mitarbeiterin eines Tonstudios auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht einmal für eine Aufnahme ins Tonstudio kommen wollte. Natürlich sagte ich ja und so nahm dann alles seinen Lauf.

Sie erwähnen die Liebe für das Geschriebene. Wie kam es dazu?
Als 10-jähriger Junge bin ich als Kinderzauberer auf der Bühne gestanden und konnte somit erste Bühnenerfahrungen sammeln. Durch das Zaubern wurde auch meine Faszination fürs Geschichten erzählen gefördert. Beim Zaubern geht man auf Menschen ein, weckt und übermittelt Emotionen. Eigentlich ist die Magie Storytelling vom feinsten.

Sie sprechen heute für viele verschiedene Medien. Wofür erhalten Sie am meisten Anfragen?
Das ist unterschiedlich. Ich arbeite aber regelmässig für Radio- und Fernsehsender, bei denen ich sogenannte «Station Voice» bin. Das ist die Stimme des Senders, die einem ansagt, welche Zeit es ist, was die Lieder sind, die als nächstes abgespielt werden oder im Fernsehen die Sendungen und Filme des Abends anteasert.

Wie bereiten Sie sich normalerweise auf einen Auftrag vor?
Oft bekomme ich die Texte fertig angeliefert. Dann achte ich darauf, dass ich mich einspreche. Zudem trinke ich vor Aufnahmen keinen Kaffee, da ich davon einen trockenen Mund bekomme und so selbst kleine Schmatzgeräusche hörbar sind.

Haben Sie noch weitere Tipps?
Besonders hilfreich für mich ist, dass ich mich im Moment des Auftritts nur auf diesen einen Kunden fokussiere. Alles andere schreibe ich mir im Vorfeld auf, damit ich während den Aufnahmen einen freien Kopf habe. Äussere und innere Ablenkungen sind also zu vermeiden.

«Auf der Bühne geht es primär darum alle anderen gut da stehen zu lassen, nicht dich selbst.»

Wie schaffen Sie das?
Ich führe beispielsweise eine Agenda, um den Überblick zu behalten. Denn bei mir gibt es keine typische Woche. Manchmal, wenn ich am Montag aufstehe, weiss ich nicht, was an den kommenden Tagen passieren wird. Von einer Sekunde auf die andere kann sich plötzlich alles ändern, weil vieles gar nicht wirklich planbar ist. Das muss man mögen und gern machen.

Was ist für Sie ein Ausgleich zum hektischen Alltag?
Mit Freunden und Familie – vor allem auch mit meinen Patenkinder Zeit zu verbringen. Das möchte ich nicht missen.

Was reizt Sie besonders an diesem Beruf?
Ganz klar: die verschiedenen Aufträge. Ich hatte zum Beispiel im Herbst eine Fernsehmoderation und konnte mit einem Sternekoch im Entlebuch Arvenholz sammeln. Aus diesem haben wir dann Glacé hergestellt und Käse geräuchert. Für mich als Moderator ist es auch spannend, in andere Welten eintauchen zu können. Dass dich ein Mensch so nahe an sich heranlässt und dir zeigt, wie er denkt und funktioniert, ist sehr faszinierend. So setze ich mich immer wieder mit neuen Themen auseinander.

Welcher Auftrag ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?
Mit Anfang Zwanzig bekam ich eine Anfrage, ob ich Interesse habe, einen IMAX-Film einzusprechen. Bereits als Kind berührten mich die IMAX- und Omnimax-Filme. Damals war ich in einem solchen Kino im Wissenschaftsmuseum in Boston. Die Landschaften und Tierwelten faszinierten mich. Umso grösser war deshalb die Freude, als ich diese Anfrage bekam. Noch schöner habe ich es dann gefunden, dass es um den Dokumentarfilm über die Rocky Mountain Railroad durch die kanadischen Rocky Mountains ging. Ich liebe diesen Teil Kanadas.

Tief durchatmen, fokussieren und die Show geht los.

Was sind Ihrer Meinung nach wichtige Eigenschaften, die es für diesen Beruf braucht?
Man muss Menschen und Geschichten mögen, flexibel sein und Selbstdisziplin haben. Es ist wichtig, Situationen schnell erfassen und mit Feedbacks umgehen zu können, weil man als Sprecher und Moderator eine Dienstleistung anbietet und vor Ort stets verschiedensten Erwartungen entsprechen musst. Manchmal sind Rückmeldungen gerade in den Studios sehr direkt; auch dort gilt es, diese nicht persönlich zu nehmen. Ebenso wichtig ist es jedoch auch, eine gewisse Selbstironie zu haben. Vielleicht möchten auch einige Leser und Leserinnen einmal den Beruf Sprecher oder Moderator ausüben.

Haben Sie für sie auch einige Tipps?
Viele haben das Gefühl, dass man als Moderator nur kommunikativ sein muss oder gar eine «Rampensau». Das stimmt so nicht, weil viel mehr dahintersteckt. Als Moderator muss man zum Beispiel viel mit Abläufen, Strukturen und Storytelling arbeiten. Dabei darf man die Emotionen nicht vergessen, denn diese verbinden eine Geschichte mit den Zuhörer*innen. Besonders empfehlen würde ich ein Coaching oder Workshop, in dem das Moderieren erlernt werden kann. Thematisch eine etwas andere Frage: Sie haben auch eine Ausbildung in Alpakahaltung abgeschlossen.

Wie kam es dazu?
Manchmal habe ich den Drang, aus dem Moment heraus etwas zu tun. Das tut mir gut und trägt auch zu meinem Wohlbefinden bei. Freunde, die im Kanton Wallis wohnen haben eine Lama- und Alpaka-Farm und schenkten mir zum Geburtstag diese Ausbildung.

Wie kann man sich einen solchen Kurs vorstellen?
In diesem Kurs ging es ums Nägel schneiden von Lamas und Alpakas, wie man sie korrekt schärt wie man sich um verletzte Tiere kümmert und richtig auf sie zugeht, damit sie nicht spucken. Durch den erlernten Umgang mit den Tieren konnte ich wiederum etwas Sinnvolles für die menschliche Kommunikation mitnehmen.

Mirco Droz

Mirco Droz

Autor

Ich bin Kommunikationsstudent und interessiert an Geschichten. Geschichten die Menschen zusammen bringen und etwas grossartiges entstehen lassen. Darüber zu schreiben bringt mich weiter, im Beruf sowie im Privaten. Deshalb möchte ich den Lesern auch meine Sicht näher bringen damit auch sie davon profitieren können.