Die Neuverfilmung von Agatha Christies «Mord im Orientexpress» läuft momentan in den Kinos. Der Streifen zeigt eine Neuinterpretation der Geschichte um den schnauzbärtigen Detektiv Hercule Poirot. Der Film unterhält, die Darstellung der Hauptperson lässt jedoch zu wünschen übrig.

Nachdem der Ex-Polizist und weltberühmte Privatdetektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) in Jerusalem spektakulär einen Fall um ein gestohlenes Heiligtum gelöst hat, macht er sich auf die Reise zurück nach Europa.

Dies geschieht im bekannten Orientexpress von 1934. Während Poirot eigentlich eine Auszeit von den anstrengenden Ermittlungen geniessen will, wird er in eine Reihe von ungewöhnlichen Ereignissen verwickelt, die schliesslich mit dem Fund der Leiche des mysteriösen Geschäftsmanns Samuel Ratchett (Johnny Depp) enden. Da der Zug im eingeschneiten Balkan stecken geblieben ist, versucht Poirot den Mörder zu ermitteln. Infrage kommen nur die 13 Reisenden, die im gleichen Wagen wie Poirot mitgefahren sind.

Poirot vernimmt die Mitreisenden auf Bitten seines Freundes Monsieur Bouc (Tom Bateman), dem ebenfalls anwesenden Direktor des Orients-Expresses. Doch irgendwie wollen die Aussagen der 13 nicht so recht zusammenpassen.

Fans der Fälle um den, gemäss der Buchvorlage, kleinen dicken Belgier Hercule Poirot stören sich womöglich am gut aussehenden Detektiv in der Neuverfilmung. Zudem verhält sich Poirot im Film einiges emotionaler und impulsiver als von den Büchern gewohnt. Durch die Erinnerung an eine alte Liebe bekommt er jedoch auch eine menschlichere Seite, die dem sonst so unnahbaren Detektiven gut steht. Poirots Erscheinungsbild mag Geschmackssache sein, jedoch hätte man sich beim berühmten Schnauzer des Belgiers etwas mehr Mühe geben können: Er sieht doch etwas zu künstlich aus und passt somit nicht wirklich in die Zeit der 1930er-Jahre.

Weniger wäre mehr gewesen: Der Schnauzbart des Hercule Poirot. Quelle: 20th Century Fox

Weiter hat der Film ein unglaubliches Aufgebot von Stars: Johnny Depp, Penélope Cruz, Judi Dench, Derek Jacobi, Willem Dafoe und Michelle Pfeiffer, um nur einige zu nennen. Die meisten Darsteller überzeugen, auch wenn sie nur eine kleine Rolle spielen – wie Johnny Depp als dubioser Geschäftsmann oder Derek Jacobi als Butler. Penélope Cruz nimmt man jedoch die Rolle als fromme Missionarin nicht wirklich ab.

Kenneth Branagh ist im Klassiker von Agatha Christie Regisseur und Schauspieler zugleich. Der Brite hat es sich damit nicht einfach gemacht. Doch hält der Film, abgesehen von geschmacklichen Abweichungen, was er verspricht: Man fiebert der Aufklärung des Falles entgegen und versucht selber herauszufinden, welcher Zeuge nicht die ganze Wahrheit erzählt. Der Film hat definitiv einen hohen Unterhaltungsfaktor und Regisseur Branagh hat auch schon Fortsetzungen angedeutet.

Der offizielle Trailer zu: «Mord im Orientexpress»

Quelle Titelbild: 20th Century Fox