Titelbild: ZHAW; Grafik: Landbote/ak

Bis 2025 wollte der Kanton Zürich die Infrastruktur der ZHAW in Winterthur für 800 Millionen Franken vergrössern. Ein Grossteil des Projekts wurde aber im Dezember 2017 plötzlich gestoppt. Was bedeutet das für die Studierenden?

Seit Jahren herrscht an vielen Departementen der ZHAW akuter Platzmangel. Nicht selten sind Lern- und Arbeitsplätze an verschiedenen Winterthurer Standorten Mangelware und die Vorlesungssäle komplett ausgelastet. Grund dafür ist die seit Jahren steigende Zahl an Studierenden, da immer mehr Leute an einer Universität oder Fachhochschule studieren. Um der Platznot Herr zu werden, plante der Kanton Zürich deshalb bis ins Jahr 2025 einen 800 Millionen Franken teuren Ausbau der Winterthurer Campus inklusive Umzug einiger Departemente (siehe unten).

Anfang Dezember 2017 haben die Verantwortlichen dann Teile des Projekts plötzlich Knall auf Fall gestoppt. «Die Sistierung des Bauvorhabens auf dem Sulzer-Areal erfolgte im Rahmen eines politischen Prozesses, bei dem die kantonalen Finanzen im Fokus standen», teilt ZHAW-Verwaltungsdirektor Reto Schnellmann schriftlich mit. Im Klartext: Der Kanton Zürich muss sparen und hat derzeit nicht genügend Geld in der Kasse, um sich wie ursprünglich beabsichtigt in dem vom Baukonzern Implenia geplanten Gebäude auf dem Sulzer-Areal einzumieten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trotz vieler Standorte herrscht an vielen Winterthurer ZHAW-Departementen akute Platznot
Diese Grafik ist am 14. Dezember 2017 im «Landboten» erschienen. www.landbote.ch

 

Doch was heisst das nun für die Studierenden in Winterthur? Schnellmann weist in seiner Antwort auf die Anfrage des «Brainstorm Magazin» darauf hin, dass «der Kanton sicher die für unsere Bedürfnisse geeigneten Gebäude bereitstellt». Weiter schreibt der Verwaltungsdirektor: «Das Wichtigste für die ZHAW ist, dass ihr jene räumlichen Ressourcen zur Verfügung stehen, die sie für zeitgemässe Lehre, Forschung und Weiterbildung benötigt.»

 

Der Plan bleibt gleich

Nach der Sistierung des Projekts im Sulzer-Areal hat der Ausbau des Technikums deshalb oberste Priorität. Denn es müssen Teile der School of Engineering in andere Räume umziehen, da einige Gebäude auf dem Technikum-Campus komplett abgerissen und neu gebaut werden. Eine rasche Realisierung ist also wichtig, damit diese Flächen danach wieder frei werden und sich die Situation etwas entspannt.

Wie will die ZHAW das Platzproblem nach dem Rückzieher des Kantons allerdings langfristig lösen? Gemäss Schnellmann gilt trotz des Entscheids weiterhin das vor einigen Jahren vorgestellte Konzept mit den künftigen Standorten St. Georgen, Technikum und Sulzer-Areal. Wie die ZHAW allerdings zu den zusätzlich benötigten Flächen kommen will, um die Platzprobleme zu lösen, konnte auch Schnellmann noch nicht abschliessend beantworten. Zu vieles scheint derzeit noch unklar zu sein.

Eines ist jedoch klar: Der Kanton ist mit seinem überraschenden Rückzieher nicht nur den Verantwortlichen der ZHAW in den Rücken gefallen, die nun für die nächsten Jahre weiter – so gut es die Situation erlaubt – improvisieren müssen. Auch die künftigen Studierenden werden weiterhin unter erschwerten Umständen lernen und arbeiten müssen.

 

Die ZHAW hat nicht erst seit gestern Platzprobleme. Über die Jahre ist die Hochschule immer weiter gewachsen und heute im Stadtzentrum mit über 25 Standorten bunt verstreut. Einige Gebäude des Technikums beispielsweise befinden sich in der Winterthurer Altstadt und der ZHAW-Rektor Jean-Marc Piveteau arbeitet in einem unscheinbaren grauen Bürogebäude hinter dem Hauptbahnhof. 2012 versprach der Kanton Zürich, dass die Platznot dank Investitionen von 800 Millionen Franken bald der Vergangenheit angehören soll: In einem ersten Schritt wollte er das Technikum-Areal durch grössere Ersatzbauten auf dem hinteren Teil des Campus vergrössern. Auch die Linguistik- und Gesundheitsstudierenden sollten bis spätestens 2020 in Neubauten im Sulzer-Areal umziehen und von einer zeitgemässen Infrastruktur profitieren. Die dabei frei werdenden Gebäude hätten dann gemäss dem vorgelegten Masterplan die School of Management and Law sowie die School of Engineering genutzt.

Das ehrgeizige Ziel ist seither aber immer mehr in weite Ferne gerückt. Aufgrund knapper Kantonsfinanzen wurde die Planung für den Erweiterungsbau am Technikum während zweier Jahre ausgesetzt. Der Architekturwettbewerb startete darum erst verspätet Ende 2017 – der Baustart könnte frühestens in vier Jahren erfolgen. Schlimmer wiegt hingegen ein Entscheid des Kantons Zürich Ende letztes Jahr: Das angekündigte Umzugsprojekt ins Sulzer-Areal wurde ebenfalls aus finanziellen Gründen gestoppt, weil die ZHAW sich dort auf grossen Flächen nur eingemietet hätte und die Kosten scheinbar zu hoch gewesen wären.

 

Lies zum selben Thema auch den Kommentar des Autors: «Verzockt und veräppelt»