In der Schweizer Bildung soll weiter gespart werden. Dazu wollen verschiedene Politiker und Hochschulen die Studiengebühren zum Teil massiv erhöhen. Im Rahmen einer schweizweiten Aktionswoche sensibilisiert nun auch der Verein Studierende ZHAW die Direktbetroffenen für das Thema.

Jeder Studierende kennt das Gefühl: Spätestens in der ersten Semesterwoche flattert die Rechnung für die Studiengebühren ins Haus. Auf 720 Franken pro Semester belaufen sich diese aktuell. Dazu kommen noch weitere Abgaben sowie Mitgliederbeiträge für das ASVZ und den VSZHAW. Und nach den Sommerferien und dem Jahreswechsel ist der Kontostand bei der Bank bekanntlich meistens nicht gerade so hoch, als dass der zu bezahlende Betrag ein Pappenstiel wäre.

 

In Zukunft könnte diese Rechnung aber noch happiger werden: Im Moment sind auf nationaler und kantonaler Ebene verschiedene Diskussionen im Gange, die Studiengebühren deutlich zu erhöhen. Zwei Zürcher Kantonsräte forderten mittels einer Motion im Jahr 2016 «eine bescheidene Anpassung der Studiengebühren» von 500 Franken pro Semester für Zürcher Hochschulen. Die Motion ist noch nicht abschliessend behandelt, doch der Zürcher Regierungsrat hat den Vorschlag als kritisch beurteilt. Neben der Politik wollen zudem auch Schweizer Universitäten die Studierendenbeiträge erhöhen. Je nach Hochschule sind es auf einen Schlag bis zu 200 Franken.

Gegen diese Entwicklungen wehren sich diese Woche verschiedene Akteure, mitunter auch die Studierendenvereine von Schweizer Universitäten und Fachhochschulen, mit einer Aktionswoche. Vom 19. Bis 24. März will das Bündnis Aktion_Bildung deshalb mit einem «Bildungsaufstand» auf die drohenden Gefahren aufmerksam machen. Denn derzeit steht auf politischer Ebene nicht nur die Erhöhung der Studiengebühren zur Debatte – es soll auch weiter im Bildungssektor gespart werden. Als Abschluss des «Bildungsaufstands» rufen die Initianten zu einer Abschlussdemonstration am 24. März in Bern auf, die vor dem Bundeshaus enden soll.


Die Studierenden sensibilisieren

Der VSZHAW, der die Interessen aller ZHAW-Studierenden vertritt, spricht sich ebenfalls klar gegen die Erhöhung der Studiengebühren und Sparmassnahmen im Bildungssektor aus, wie er in einer Mitteilung schreibt. Im Rahmen der Aktionswoche sollen die Studierenden deshalb für die problematischen Entwicklungen sensibilisiert werden. Der Studierendenverein stellt dafür eigens pro Wochentag während der Mittagszeit an einem Departement einen Infostand auf und verteilt kostenlos Suppen. «Den Studierenden soll bewusst werden, was der aktuelle politische Trend ist», sagt VSZHAW-Präsident Leandro Huber.

Der VSZHAW setzt sich ein – mit einem Stand vor dem Technikum

Am Montag war der Stand in Winterthur vor dem Technikum, heute Dienstag bei den Linguistik-Studenten. Morgen Mittwoch folgt das Wirtschaftsdepartement, ehe es am Donnerstag zu den Gesundheits- und am Freitag zu den Architekturstudierenden geht. In Wädenswil fand derweil am Montag ein gemeinsames Mittagessen statt, bei dem die Studierenden Essen mitbrachten und über das Thema diskutierten.

 

 

Die Studiengebühren in den europäischen Nachbarländern variieren zum Teil stark. In Deutschland beispielsweise sind viele Studiengänge an öffentlichen Universitäten kostenlos. Gleich verhält es sich unter anderem auch in den skandinavischen Ländern und Frankreich. Befürworter sagen, dass damit alle unabhängig von der Herkunft die gleiche Chance auf ein Studium hätten. In einigen Staaten kostet dieses derweil ein Vielfaches von dem, was Schweizer Studierende bezahlen müssen: In England bezahlte der Autor dieses Artikels für ein Austauschsemester umgerechnet rund 4300 Franken.

Auch in den USA ist es nicht unüblich, dass nach dem Studienabschluss angehäufte Schulden von mehreren 10 000 Franken warten, die über Jahre abgestottert werden müssen. Einen Lichtblick aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es immerhin dank dem Bundesstaat New York: Dort hat die Politik im April 2017 beschlossen, dass Studierende aus Familien mit einem Jahreseinkommen unter 100‘000 Dollar künftig keine Gebühren für ihre Ausbildung mehr bezahlen müssen.

Bilder: Micha Neumair / Fabian Gämperle

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