Stehen die Semesterprüfungen an, geht es bei vielen Studierenden jeweils ans Eingemachte. Manche gehen mit dieser Druckphase um, als wäre sie Alltag. Bei anderen wiederum beginnt jeweils das grosse Nervenflattern. Vier Gruppen sind dem Autor dabei in seiner zweijährigen Studiumszeit besonders aufgefallen.

Die Nervenbündel

Sie sind meist fleissig und bereiten sich dementsprechend auch seriös auf die Prüfungen vor. Während gewisse von ihnen den Stoff bis auf die letzte Pflichtlektüre kennen, fragen sich andere noch Minuten vor der Prüfung bange, ob der Inhalt jener Grafik doch noch abgefragt werden könnte. Das Problem bei dieser Gruppe ist einzig die Nervosität. Sie ist schier grenzenlos und trägt auch noch dazu bei, dass Betroffene im entscheidenden Moment nicht ihr volles Potenzial abrufen können. Dies führt teilweise dazu, dass Nervenbündel unfreiwillig zu Last-Minute-Lernern (siehe nächste Gruppe) werden, weil sie die panische Angst verfolgt, sie könnten etwas nicht genug detailliert auswendig gelernt haben.

Die Last-Minute-Lerner

Eigentlich beginnt die Prüfung erst um 15 Uhr – doch die Last-Minute-Lerner werden bereits allerspätestens drei Stunden vorher in den ZHAW-Gebäuden gesichtet. Ob mit oder ohne Musik, in Gruppen oder still für sich: Sie alle füttern ihr Kurzzeitgedächtnis mit Vokabeln, Grafiken und Definitionen. Einige von ihnen können es nicht anders (Motivationsprobleme, öde Theorien zu büffeln), andere brauchen schlicht und einfach diesen Zeitdruck, um produktiv zu lernen.

Meistens sind sie damit sogar recht erfolgreich und erreichen mindestens die gleiche Note wie ihre fleissigeren Mitstudenten (sehr zu deren Ärger). Zwar ist vom Gelernten einige Wochen später nicht mehr viel vorhanden, weil die eilends hineingepressten Informationen auf dem Weg vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis irgendwo einen falschen Abzweiger erwischt haben. Doch kümmert das am Ende praktisch niemanden, solange die Prüfung bestanden wurde.

Die Perfektionisten

Auch diese Gruppe beschäftigt sich in den Stunden vor der entscheidenden Schlacht intensiv mit Vorlesungsfolien und Zusammenfassungen. Ist ein Detail des Prüfungsstoffs unklar, wird sofort ein anderer Studi in der Nähe gefragt. Ob vor ihnen ein absolutes Nervenbündel (das bereits genug mit sich selbst beschäftigt ist) steht oder ein relaxter Kaffeetrinker (siehe nächste Gruppe), ist dabei zweitrangig. Ruhig um die Perfektionisten wird es erst, wenn der Dozent das Zeichen gibt, dass die getackerten Blätter nun umgedreht werden dürfen. Für jene, die zu den Nervenbündeln zählen, gilt also: Macht einen grossen Bogen um die Perfektionisten und begebt euch erst 15 Minuten vor Beginn von eurem Rückzugsort in den Prüfungsraum!

Die Relaxten

Auch Relaxte haben sich gut auf den Höhepunkt des Semesters vorbereitet (oder glauben das zumindest). Doch während sich andere bereits irgendwo für die letzten alles entscheidenden Lernstunden eingeschlossen haben, fläzen Relaxte bei warmem Sommerwetter zu entspannender Musik noch gemütlich zu Hause in der Hängematte. Erst kurz vor Beginn trifft er oder sie an der ZHAW ein und holt sich noch seelenruhig einen Kaffee in der Mensa. Auch in den Gängen und im Prüfungsraum lassen es sich die Relaxten nicht nehmen, vor den Augen der angespannten Kommilitonen noch einen Schwatz über Gott und die Welt zu halten.