Am 7. März fand in Zürich das Radar-Festival statt. Das Festival lockte zum dritten Mal Musikfans mit interessanten Newcomer Bands in verschiedene Locations an der Langstrasse. Einige ahnten es da schon, andere wollten es nicht wahrhaben: Das Corona-Virus feierte wahrscheinlich schon mit.

Zum dritten Mal fand dieses Jahr am 7. März das Radar-Festival statt. Das Festival bietet aufstrebenden Newcomer-Bands aus den Musikrichtungen von elektronischer Musik über Indie-Pop bis Hip Hop eine Plattform. Eine Woche vor dem Termin hatte Bundesrat Alain Berset das Veranstaltungsverbot für Events mit über 1000 Personen verhängt. So war kurzzeitig nicht klar, ob das Festival stattfinden durfte. Doch wenige Tage nach der Mitteilung des Bundesrats gab das Festivalkomitee bekannt: «Es findet statt».

Die Erinnerung an den Abend mit grossartigen Bands bleibt, vor allem da vorerst keine Veranstaltungen mehr stattfinden. Und die Vorahnung, dass uns ein Sommer ohne Festivals bevorsteht, wird nun mitten in der Ausbreitungsphase der Pandemie immer realer.

Natürlich trafen die Organisatoren des Radar Vorkehrungen. So musste sich jede*r Besucher*in beim Abholen des Festivalbändchens im Kosmos mit Handynummer und Adresse registrieren, um im Falle eines Coronaausbruchs bei einem Besucher für alle anderen Quarantäne anzuordnen. Von Drostens Flaschenbierempfehlung wusste da noch keiner was. Und in den Locations, wo es kein Desinfektionsmittel gab, hingen zumindest roten Warnplakate des BAG.

Irgendwie paradox: Das Poster fordert im vollen Club Zukunft zu körperlicher Distanz auf.

So startete ich also am 7. März meinen Radar-Besuch im Kino Roland – ja, hier gibt’s nicht nur Pornos – und tauchten mit der Luzerner Ivorrie in R&B-Sphären ein. Zugegeben nicht ganz meine Musik, aber beeindruckt war ich trotzdem völlig von Ivorries unglaublicher Stimmgewalt, die ganz ohne Live-Instrumente im Background den hohen Kinosaal ausfüllte.

Ein völliger Stilwechsel folgte mit der Österreicher Band Friedberg in der Amboss Rampe. Wer Warpaint kennt, wird diese vier Frauen mögen: Lässig rockiger Gesang zu coolen Indieklängen.

Weiter ging es mit Sophie and the Giants im Kosmos. Die junge Band aus Sheffield füllte den Saal mit poppigen Melodien und vor allem mit Sophies charakterstarkem weiblichen Gesang, der an Florence and the Machine erinnert.

Danach entschied ich mich für die Zukunft, wo Soleima mit leichtfüssigen, dancigen skandinavischen Poppklängen das Publikum zum Beben brachte. Als Abschluss verzauberte die Norwegerin Emma Steinbakken mit ihrem jungen Emopop.

Die Wahl fiel unbewusst auf weibliche Bands und gerade das machte dieses Festival so spannend. Ich konnte zwar «nur» fünf von insgesamt 40 jungen Bands anhören und wurde an diesem Abend jedes Mal auf’s Neue mitgerissen. Bei einem Eintrittspreis von knapp 50 CHF konnten ich da nicht meckern. Bravo und hoffentlich bis zum nächsten Jahr!

 

Bildurheber: Steffi Zeller

Steffi Zeller

Steffi Zeller

Autorin

“Ich schreibe für Brainstorm, weil wo sonst kriegt man die Veröffentlichungs-Garantie für seine Texte gleich bei der ersten Redaktionssitzung?”