Dass der Leistungsdruck durch Instagram, Snapchat und mehr nicht steigt, halte ich für ein Gerücht. Etwa so wie damals in den 80er-Jahren, als jeder dachte, dass Neon eine vorteilhafte Farbe wäre. Die Leute wollen es glauben, weil ihnen die Vorstellung davon gefällt.

 

Die aktuelle Ausgabe des «Brainstorm Magazins» steht ganz im Zeichen des Konsums. Und dieser lauert an jeder Ecke. Wir reden uns ein, die gekauften Dinge dringendst zu benötigen. Dies wird uns über alle Kanäle vorgegaukelt. Der neuste Trend setzt sich seit einigen Jahren via Social Media durch. Facebook, Snapchat und Co. sind omnipräsente Medien, welche eine ganze Generation beeinflussen.


Social Media als Segen

Schlechtmachen möchte ich die Online-Communitys nicht. Sie haben durchaus positive Eigenschaften. Zum Beispiel, dass Menschen aus jedem Teil der Welt miteinander kommunizieren können. Für die Werbebranche ist sie ein Segen – schon aus kostentechnischen Gründen. Als Kommunikationsstudentin fühlt es sich schon ein wenig kontrovers an, diese Zeilen zu schreiben, da wir natürlich vom Internetboom profitieren.


Die Kehrseite des Ruhms

Der momentane Ist-Zustand der Werbung kennzeichnet sich durch gezielte Manipulation. Die meisten können die virtuelle Welt kaum mehr von der realen trennen. Als Studentin stellt sich mir die Frage, wie man diesem hohen Anforderungsprofil noch gerecht werden kann. In einer Welt voller globetrottender Blogger und der stündlichen Aktualisierung derer Social-Media-Kanäle oder dem neu aufkommenden Marken-Kult. Denn hier scheint das oberste Ziel zu sein, dass jene Beiträge im Netz eine möglichst hohe Resonanz erhalten. Ständig sollte man in die Ferien reisen oder die teuersten Brands, wenn nötig secondhand, ersteigern.

Dieser Drang zum makellosen Foto für virtuelle Welten, die in der Realität gar nicht existieren, ist im Grunde ein einziger Stress. Das Smartphone ist stets für den perfekten Schnappschuss griffbereit. Alles muss dokumentiert, und noch viel wichtiger, anschliessend auch geteilt werden. Früher imponierte man anderen mit guten Leistungen im Sport. Heute hingegen ist es eben die Anzahl Follower auf den Social-Media-Plattformen, bei denen ich mit meinen 22 Jahren, sprich dem besten Social-Media-Alter, schon lange nicht mehr up-to-date bin.


«Low Budget»-Guide

Der Fluch und Segen der Hochschüler ist allgemein bekannt: Studenten haben zwar Zeit, aber sind meist total pleite. Ein Leben, wie es im Netz vorgelebt wird, hätte man natürlich neben dem Lernen trotzdem gerne – nur wie? Als erstes: Lasst eure Mobiltelefone in der Hosentasche oder gleich zu Hause, denn es gibt unzählige ultracoole Low-Budget-Aktivitäten, die man zum Beispiel in Zürich unternehmen kann. Und das auch, ohne sie gleich dokumentieren zu müssen. Wer zum Beispiel schon vor 23 Uhr in der Langstrasse unterwegs ist, kommt sicher gut gelaunt und günstig durch den Abend. Für romantischere Begegnungen schlage ich ein Picknick an der Limmat vor. Und für alle Fashion-Victims unter euch: Schaut am Samstagmorgen am Kanzlei-Flohmarkt im angesagten Kreis 4 vorbei. Hier habt ihr die beste Chance, ein echtes Schmuckstück für wenig Geld zu finden. Für unsere kulinarischen Freunde gibt es im Sommer unzählige Food-Festivals – wie zum Beispiel auf dem Güterbahnhof im Kreis 5.

Ihr seht also: Auch als Student hat man viele Möglichkeiten, sein ganz eigener Social-Media-Blogger zu sein. Wenn man sich also von den unzähligen virtuellen Accounts ausloggt – bei denen man sich mal hysterisch aus Angst, etwas zu verpassen, angemeldet hat – und den Laptop zuklappt. Dann kommt etwas zum Vorschein. Etwas Wunderbares. Nämlich die reale Welt, die nur darauf wartet, von uns erkundet zu werden. Ob mit Geld oder ohne – das Leben urteilt nicht über uns und lädt dazu ein, unsere eigenen Abenteuer zu erleben.

 

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