Im Zeitalter von Facebook, Twitter und Co. sharen wir grosszügig alles mit unseren Mitmenschen. Sei es unser fancy Mittagessen vom neuen vegan-vegetarischen superfood Hipsterladen um die Ecke, die letzten Ferienfotos aus dem «Feriengeheimtipp», der eigentlich gar nicht so geheim ist, oder unsere sehr wichtige Meinung zu Gott und der Welt, die weder Gott noch die Welt interessiert.

Angela Cantieni

Wie hungrige Stechmücken an einem lauen Sommerabend schwirren Daten überall herum. Und immer mehr Unternehmen nutzen diese vielen Daten. Je besser man einen Kunden kennt, desto besser kann man auf ihn eingehen. Klingt sinnvoll, aber auch unheimlich. Vor allem nach einem Skandal, wie dem von Facebook fragt man sich: Wollen wir wirklich, dass man uns besser kennt als wir uns selber?

Im echten Leben würde man doch auch nicht einer wildfremden Person mitteilen, in welchem Hotel man übernachtet, wie viel Geld man auf dem Bankkonto hat oder worauf man allergisch reagiert.

Kinder warnt man sogar davor, fremden Menschen zu vertrauen. «Duesch ni mit fremde Lüt rede, gell», «nei au ni wenn sie dir Süessigkeite ahbiete», «und uf kei Fall ins Auto ihstiege, hesch ghört». Aber man gibt ihnen ein Smartphone, Tablet oder einen Computer, mit dem sie ins Internet können, sich mit fremden Menschen unterhalten und denen wahrscheinlich viel mehr preisgeben als ihnen bewusst ist.

Auch Erwachsenen passiert das. Egal ob im Starbucks, Hotel oder in einer Mall, sobald es gratis Internet gibt heisst es «sicher gib ich drfür mini Telefonnummere, mini E-Mail-Adresse odr mini Organe. Immerhin gits gratis Internet.»

Geteiltes Leid ist halbes Leid sagt man so schön. Doch Teilen ist nicht immer etwas Positives. In vielen Fällen, wenn wir vom «Teilen» oder «Sharen» sprechen, profitieren nur wenige davon. Meistens nicht einmal diejenigen, mit denen etwas geteilt wurde. So macht es nur Sinn sein Essen zu teilen, wenn es der andere wirklich essen kann und es nicht nur durch ein leuchtendes Display betrachten muss.

Also vielleicht ist Sharing doch nicht immer Caring.

 

Dieser Beitrag ist als Erstpublikation bei FH News erschienen.
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