Studis sind jung, gehören in der Regel nicht zur Risikogruppe und sitzen wegen des Lockdowns und online Vorlesungen öfter zuhause, als ihnen lieb ist. Beste Voraussetzungen, um bei einem Hilfsprojekt wie «Studierende helfen» vom VSZHAW und FHV Turania mitzumachen. Ein Selbstversuch.

«Herr Müller* braucht heute Nachmittag Hilfe beim Einkaufen, hast du Zeit?» Hab ich. Eigentlich bin ich sogar froh, endlich einmal wieder aus dem Haus zu kommen. Eine gute halbe Stunde später bin ich bereits unterwegs. Unterwegs für die gemeinsame Hilfsaktion «Studierende helfen» des VSZHAW und der Studentenverbindung FHV Turania. Die Einkaufsliste habe ich direkt von dem Studenten erhalten, der mir den Auftrag telefonisch weitergeleitet hatte. Trotzdem telefoniere ich noch einmal mit Herrn Müller. Passt die Zeit noch? Benötigt er vielleicht noch etwas Zusätzliches? «Ich brauche gerade halt noch nicht so viel, ich wollte das einfach einmal ausprobieren», sagt Herr Müller fast schon entschuldigend über seine kurze Einkaufsliste. Nur Joghurt und Toilettenpapier stehen darauf.

Idee stammt aus Studentenverbindung

Das Projekt «Studierende helfen» wurde ins Leben gerufen, um während des Corona Lockdowns jenen zu helfen, die im Alltag Unterstützung benötigen. Die Freiwilligen gehen zum Beispiel für besonders gefährdete Personen Lebensmittel oder Medikamente einkaufen. Als besonders gefährdet gelten gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) Personen ab 65 Jahren und solche mit einer Vorerkrankung.

Die Idee für das Projekt stammt aus der Studentenverbindung FHV Turania. «Unser ganzes Semesterprogramm wurde wegen Corona abgesagt. Wir hatten dann die Idee, dass wir stattdessen ein kleines Hilfsprojekt auf die Beine stellen könnten», erzählt Serafin Curti, Mitglied der Studentenverbindung und Aviatik-Student an der ZHAW. «Das Generalsekretariat der ZHAW hat uns dann den Kontakt zum VSZHAW vermittelt. Der VSZHAW verfügt über ein riesiges Netzwerk und auch über die finanziellen und personellen Ressourcen für das Projekt.» Zusammen mit Micha Neumair, Präsident des VSZHAW, hat er das Projekt innert Tagen auf die Beine gestellt. «Es haben sich bereits 285 freiwillige Helfer gemeldet», sagt Micha. Er freut sich sichtlich über das Engagement der Studierenden. «Wir sind jetzt daran, das Projekt möglichst bekannt zu machen, um vielen Leuten helfen zu können. Das wollen wir beispielsweise mit Plakaten in der Migros erreichen.»

Interviews gibt’s zurzeit nur virtuell: Micha und Serafin haben das Projekt «Studierende helfen» zusammen lanciert.

Toilettenpapier und zwanzig Becher Joghurt

Das Plakat des VSZHAW sehe jetzt auch ich, als ich durch den Eingang der Migros Neuwiesen gehe. Herr Müller hatte mich gebeten in die Migros zu gehen, wenn es denn nicht zu umständlich sei. Denn da gibt es sein Lieblingsjoghurt. Kein Problem, auf meinem Weg liegen sogar mehrere Migros-Filialen. In der Hoffnung, dass es meine Chancen auf Toilettenpapier vergrössern würde, habe ich die grösste Migros angesteuert. Und siehe da: Toilettenpapier ist sogar in Aktion! Danach suche ich nach den Joghurt. Zwanzig Léger-Joghurt mit Schokoladengeschmack sollen es sein. Während ich die Becher in mein Körbchen staple, wirft mir eine andere Kundin einen verwirrten Blick zu. Spätestens bei der Kasse muss ich selbst über meinen Einkauf schmunzeln.

Winterthur bleibt vorerst im Fokus

Das Projekt «Studierende helfen» gibt es aktuell nur in Winterthur. Doch was ist mit Zürich und Wädenswil, den anderen beiden Standorten der ZHAW? «Wir würden das Hilfsprojekt gerne ausweiten, wissen aber noch nicht wie wir das technisch umsetzen sollen», sagt Micha vom VSZHAW. Für sie sei es zurzeit wichtiger das Projekt in Winterthur zu etablieren und bekannt zu machen. «Mit der Stadt haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit», ergänzt Serafin. «Wir stehen auf der offiziellen Ressourcen-Liste, sollte die Stadt zusätzliche Hilfskräfte anfragen müssen.» Diese Kontakte kämen ihnen besonders im Falle einer Verschärfung der Massnahmen des Bundes zugute: «Notfalls könnten wir unseren Helfern Spezialbewilligungen ausstellen, um für das Projekt unterwegs zu sein.»

Ein Schöggeli als Dank

Mit dem Velo bringe ich den Einkauf zu Herr Müller nach Hause. Den Preis hatte ich ihm direkt nach dem Einkauf mitgeteilt, damit er das Bargeld in den Briefkasten legen konnte. Im E-Banking sei er eben noch nicht so versiert. Er freut sich aber, dass es so schnell geklappt hat. «Und überhaupt ist das eine super Sache! Vielen, vielen Dank, dass ihr das macht. Ich melde mich auf jeden Fall wieder.» Herr Müllers Freude steckt mich an. Die Einkaufstüten stelle ich ihm vor die Haustür und drücke auf die Klingel. Ich frage mich, wer wohl auf der anderen Seite dieser Tür wohnt. Herausfinden werde ich es wohl nie, Social Distancing verbietet mir das. Das akribisch abgezählte Bargeld und das Schöggeli, dass er mir dazugelegt hat, geben mir aber einen kleinen Einblick in Herrn Müllers Welt. Und die zwanzig Léger Schoggi-Joghurts irgendwie auch.

Hast auch du Lagerkoller und etwas Zeit, dich für einen guten Zweck einzusetzen? Wohnst du in Winterthur und möchtest jemandem in deiner Nachbarschaft helfen? Melde dich jetzt für das Projekt «Studierende Helfen» an unter studierende-helfen@outlook.com.

* Name von der Redaktion geändert

Bildurheberin: Andrea Thurnherr

Andrea Thurnherr

Andrea Thurnherr

Autorin

Zu jeder Hochschule gehört ein Studenten-Magazin, bei dem sich ein paar Besserwisser als Möchtegern-Journalisten versuchen. Einer von denen bin dann wohl ich. Das Brainstorm bietet mir eine Plattform mich journalistisch auszutoben, vielleicht einmal auf die Schnauze zu fallen und neues zu probieren.