In der Komödie «Wolkenbruch» von Michael Steiner wird der junge orthodoxe Jude Motti plötzlich aus seiner Welt gerissen: Er verliebt sich in eine Nicht-Jüdin. Und das bringt sein bis jetzt so geordnetes Leben völlig durcheinander.  

In der Romanverfilmung des Beststellers «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» zeigen Autor Thomas Meyer und Regisseur Michael Steiner eine Parallelgesellschaft, die vielen fremd ist: Die der orthodoxen Juden in Zürich. Mordechai genannt «Motti» Wolkenbruch ist einer von ihnen, und er soll bald heiraten. Seine Mame (jiddisch für Mutter) besteht darauf. All seine Geschwister hat sie schon erfolgreich unter die Haube gebracht, nur mit Motti hat sie nicht so viel Glück. Für einen jungen Juden sollte sich in Zürich doch schnell eine passende Frau in der Gemeinde finden. Aber Motti interessiert sich nicht für die braven jüdischen Mädchen mit langen Röcken und selbst gebackenen Sandsturm-Keksen, an den arrangierten «schidech»-Heiratsvermittlungstreffen. 

Der Po einer Schickse 

Er träumt lieber von etwas Verbotenem. Der Nicht-Jüdin Laura aus der Uni, einer Schickse. Die beiden kennen sich aus der Vorlesung und bevor Motti realisiert, wie es ihm geschieht, zeigt sie ihm eine Welt jenseits von Synagoge, Sabbat und den strikten Vorstellungen seiner überaus fürsorglichen Mame. Lauras Leben ist gar nicht koscher. Sie fragt ihn beispielsweise geradeaus, ob er ihr beim Velofahren auf den Po geschaut habe. Er sagt ja. Sie fragt, ob er das überhaupt darf. Natürlich darf er nicht. Nichts von all dem, was er mit ihr erlebt, darf er. Und vielleicht gerade deswegen verliebt er sich Hals über Kopf in diese andere, wunderliche Welt und die schöne, abenteuerlustige Schickse.  

Familie und Tradition oder die ganze Welt 

Wie eine orthodoxe jüdische Familie tatsächlich reagieren würde, wenn ihr Sohn sich plötzlich für Alltagskleidung, Alkohol, Homepartys und nicht-jüdische Mädchen interessieren würde, ist unklar. Autor Thomas Meyer hat zwar eine jüdische Mutter, erzählt die Geschichte von Motti aber trotzdem als Aussenstehender einer stark religiösen Gemeinde. Und das mit viel Satire, was den Kinosaal bei der Vorführung regelmässig herzlich zum Lachen brachte. Die Klischees über die von der Aussenwelt abgeschiedene jüdische Gemeinschaft wurden jedoch schon als überspitzt kritisiert. Als Motti nämlich, wutentbrannt über die nie endenden Kuppelungsversuche, seiner Familie mitteilt, dass er keine Jüdin heiraten wolle, bricht die Hölle los. Er muss sich entscheiden zwischen Familie und Liebe. Zwischen seiner Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben und seinen gewohnten Traditionen. Der eine Entscheid zwängt ihn in ein religiöses Korsett, sichert ihm dafür eine behütete Zukunft. Der andere Weg eröffnet ihm die ganze Welt, stellt ihn damit aber vor ein unbekanntes Nichts.  

Schöns Züri 

Wer Zürich, die Liebe und Lachen liebt, wird diesen Film nicht hassen. «Wolkenbruch» wurde mittendrin, an allen den Städtern bekannten Orten gedreht. Das belebt die Geschichte mit einem grossen Stück Stadtliebe. Wer selbst schon mal verträumt übers Viadukt geschlendert, fluchend mit dem Auto in Wiedikon über den Manesseplatz gebraust ist oder die Nase in der Flussbadi in die Sonne gestreckt hat, wird Motti im Guten und im Schlechten nachfühlen können. Auch dann, wenn er mit Liebeskummer die Stadt in Gedanken verflucht.

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