sieMenari bedeutet Tanz auf indonesisch. Darum wählte Moira Buser das auch als ihren Künstlernamen. Ein Porträt über eine Perfektionistin, die ihren eigenen Weg geht.

Sie dehnt, wärmt sich auf und begrüsst jeden Workshop-Teilnehmer mit einem strahlenden Lächeln. Moira Menari sieht man ihre Begeisterung fürs Tanzen schon an. Und die Begeisterung ist ansteckend. Mit Aufwärmen und Übungen zu Balance und Pirouetten beginnt ihr Jazz-Workshop. Neben den vielen hilfreichen Tipps und Tricks bleibt dennoch genügend Zeit für eine dramatische Choreografie. Personen, die sie als Tänzerin gut kennen, erkennen ihre Choreos genau an dieser Dramatik. «Ich muss immer eine Extrawurst einbauen», schmunzelt sie.

Das Talent

Nach nur zwei Jahren Jazz-Unterricht meldete sich Moira für die Schweizermeisterschaften im Jazz- / Moderndance Solo an. Sie dachte sich nicht viel dabei, sondern wollte einfach mal als Solo-Tänzerin bei so einem Wettkampf mit dabei sein. Die Rangvorlesungen waren für sie die fünf emotionalsten Minuten ihres Lebens. Und das hat sich auch nach all den Jahren und zahlreichen Wettkämpfen nicht geändert. Sie zitterte und kriegte keine Luft. Und dann die Erlösung und der Jubel: Sie belegte den 1. Platz.

Der erste Schweizermeistertitel nach so einer kurzen Tanzerfahrung zeigt, dass Moira etwas Besonderes ist. Doch nicht nur ihr Talent und Ehrgeiz sind besonders – sondern auch der Weg, den sie für ihre Tanz-Karriere gewählt hat. Unkonventionell. Mit diesem Begriff beschreibt sie ihren Erfolg, ihre Karriere und ihre Tanzschule, bei der sie ihre Begeisterung für das Tanzen gefunden hat. Die meisten Tänzer stehen bereits im Kindesalter an der Ballettstange und absolvieren in ihrer Jugend eine klassische Ballettausbildung. «Aber es gibt nicht nur einen Weg.» In der Schweiz ist schwer, ohne professionelle Tanzausbildung und ausgebautes Netzwerk Fuss zu fassen. Dennoch hat es Moira geschafft. Die Wettkämpfe sind eine Plattform für sie. Sie liebt es von ganzem Herzen an diesen Wettkämpfen teilzunehmen. Trotzdem braucht sie die Auszeichnungen, um zu beweisen, dass sie auch ohne Tanzausbildung Erfolge feiert, mittlerweile sogar in der Profi-Kategorie – und das auf Bitte der Veranstalter der Schweizermeisterschaften.

Angefangen hat alles in den Ferien im Alter von zwölf Jahren. Moira besuchte dank des Ferienpasses eine Breakdance-Stunde und war ab dem ersten Moment Feuer und Flamme. Danach begann sie ihre ersten Tanzstunden in der Enjoy-Dance-School in Würenlingen, im Aargau, zu nehmen. Ihre Lehrerin ist heutzutage wie eine zweite Mami für Moira. Sie bemerkte bald, dass in Moira ein ganz besonderes Talent schlummert. Nebst Breakdance besuchte sie bald auch Hip Hop- und Jazzstunden. Zudem hat Moiras Tanzlehrerin ebenfalls einen unkonventionellen Weg hinter sich: Sie hat keine klassische Tanzausbildung. Deshalb lässt sie ihre Schüler vieles selbst ausprobieren. Schliesslich hat sie es selber nicht anders gelernt. Diese Freiheit ist sicherlich ein Grund für Moiras Erfolge.

«Wenn ich mein Bein nicht neben meinem Kopf habe, fühle ich mich vor der Kamera nicht wohl.» – Moira Menari

Die Perfektionistin

Trotz ihrem vierfachen Schweizermeistertitel im Jazz- / Moderndance hat Moira immer wieder Selbstzweifel. «Manchmal frage ich mich, ob ich mich ohne klassische Ballettausbildung überhaupt eine Tänzerin nennen darf». Schliesslich hat sie nie gelernt, wie man es technisch richtig macht. Wie man zum Beispiel eine Pirouette korrekt vollführt. Doch auch ohne diese technische Grundlage legt Moira locker eine fünffache Drehung hin und fliegt im Sprung mit gestreckten Beinen über die Bühne. Ihre Beweglichkeit hilft ihren Choreografien das gewisse Etwas zu verleihen. Aber es gibt da jemanden, der trotz allem nicht zufrieden ist mit ihrer Leistung: Die Perfektionistin in Moira. Auch wenn sie den Pokal bereits in den Händen hält, kann es sein, dass sie mit ihrer Vorführung nicht zufrieden ist. Beispielsweise ärgert sie sich über ihren Spagatsprung: Sie weiss, dass sie die Beine eigentlich noch viel höher bringen würde. Aber auf der Bühne mit der ganzen Aufregung und Nervosität klappt es dann eben doch nicht immer so, wie man es in der Tanzschule geprobt hat. Sie fühlt sich vor jedem Auftritt wie in Watte gepackt, als würden ihre Gliedmassen ihr nicht gehorchen. Dennoch kann sie mit ihrem Biss und ihren dramatischen Choreografien immer wieder überzeugen. Nebst ihren Zweifeln ist Moira aber doch stolz auf ihre Erfolge und das zurecht. «Ich ziehe das schliesslich bereits seit zwölf Jahren durch und liebe es noch mehr als früher!», sagte sie begeistert.

Die Spitzensportlerin

Doch nicht nur vor sich selbst, sondern auch sonst muss sich Moira als Tänzerin immer wieder beweisen. Seit dem September 2019 studiert sie Sportwissenschaften in Basel. In ihrem Jahrgang ist sie die einzige Spitzensportlerin – und das als Tänzerin ohne professionelle Ausbildung. Als Spitzensportlerin hat sie im Studium gewisse Vorteile. Sie darf zum Beispiel selber wählen, wann sie die Sportstunden besucht. Darauf reagieren ihre Mitstudierenden oft mit Unverständnis. «Ich bin es leid, mich immer rechtfertigen zu müssen», sagte sie dazu. Schliesslich pendelt sie jeden Tag zwischen Basel und Würenlingen, gibt und nimmt Tanzstunden in der Enjoy-Dance-School und hat alleine schon mit dem Studium über sieben Stunden Sport pro Woche. Auch am Wochenende trainiert Moira nochmals rund sieben Stunden. Sie hofft, nach dem Abschluss ihre Leidenschaft und ihr Studium kombinieren zu können, um ihre optimale Balance zu finden. Momentan sucht sie diese Balance noch. «Manchmal habe ich das Gefühl, ich komme nie richtig an.»

 

Bildurheber: delevenphotography.com

Dieser Text enstand im Rahmen der Praxis 5 Werkstatt im Studiengang Bachelor Kommunikation an der ZHAW.

Milena Kälin

Milena Kälin

Redaktions- & Online-Managerin, Autorin

Ich schreibe fürs Brainstorm, da ich hier die Themen, die mich beschäftigen, mit anderen teilen kann. Ich hoffe, mit meinen Texten Leute zum Nachdenken anzuregen.