Reisen 0

Benvenuto in Ticino!


Wieso in die Ferne reisen, wenn warme Temperaturen und «Dolce Vita» nur wenige Stunden entfernt sind? Brainstorm-Autor Dominic Bleisch gibt Tipps für erholsame Tage in der Schweizer Sonnenstube.

Noch nie lag der sonnige Süden näher bei uns. Mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels ist Lugano von Zürich aus in etwas mehr als zwei Stunden erreichbar. Und sobald Ende 2018 auch das letzte Teilstück fertiggestellt ist, geht es per Direktzug nochmals schneller. Damit wird die Reise ins Tessin mit dem ÖV auch für eingefleischte Autofahrer zur Alternative. Für einen treuen Nutzer der Bundesbahnen gab es für mich natürlich nie eine Alternative! Statt vor dem Nordportal im Stau zu stehen, wähle ich lieber den entspannten Weg: Im Direktzug schlafen, lesen und natürlich lernen. Wird im Hinblick auf die Semesterprüfungen sicher nicht schaden.

Leckere Pizzen beim Bahnhof

In Lugano angekommen, wartet für das Mittagessen gleich ein erstes Highlights: Das Restaurant «AnaCapri» gegenüber vom Hauptbahnhof bietet nicht nur gute Pizzen, sondern auch eine tolle Aussicht. Wie sonst lassen sich Ferien besser beginnen als bei leckerem Essen und einem tollen See- und Bergpanorama? Gestärkt geht es anschliessend zu Fuss in die Altstadt von Lugano. Für diese Strecke existiert eine Standseilbahn. Doch mit dieser würde man nur die tollen Cafés und kleinen Läden im oberen Teil der Altstadt verpassen.

Wie sonst lassen sich Ferien besser beginnen als bei leckerem Essen und einem tollen See- und Bergpanorama?

Zu den Geheimtipps unter den Einwohnern zählt das Café «Gabbani» im Zentrum. Auf der kleinen Terrasse unter den Bogengängen lässt es sich entspannt einen Latte Macchiato trinken und dazu ein Panini geniessen. Durst oder Hunger muss in Lugano sicher niemand haben: An fast jeder Strassenecke stehen Bars, in denen auch viele Einheimische anzutreffen sind. Bei Apéro und Drinks lassen die ersten den Arbeitstag getreu dem Tessiner Klischee nach 15 Uhr gemütlich ausklingen.

Flanieren und Baden mit Aussicht

Wem diese Zeit noch zu früh ist, dem empfiehlt sich ein Spaziergang durch den «Parco Ciani». Gleich östlich der Altstadt beginnen die weitläufigen Grünflächen. Hier finden an lauen Sommerabenden auch Konzerte und Festivals statt. Einer der Wege führt direkt dem Seeufer entlang und bietet eine schöne Aussicht auf den «Monte San Salvatore», einer der beiden Hausberge Luganos. Für einen Sprung ins kühle Nass empfiehlt sich der Sandstrand am Ende des Parks. Wer hingegen lieber entspannen möchte, kann sich einfach in den Schatten der unzähligen Bäume legen.

Taucht die Sonne langsam am Horizont unter, wird auch die Seepromenade belebter. Die Glace-Verkäufer und Bootsvermieter haben dann alle Hände voll zu tun. Mit dem Pedalo können Touristen dem Sonnenuntergang entgegenradeln. Eine Szene wie aus einem kitschigen Liebesfilm und dazu ein angenehmes Lüftchen – was will man mehr?

Taucht die Sonne langsam am Horizont unter, wird auch die Seepromenade belebter. Die Glace-Verkäufer und Bootsvermieter haben dann alle Hände voll zu tun.

Wer schon während dem Tag entspannt auf den See möchte, der nimmt am besten eines der Kursschiffe. Diese verkehren im Sommer regelmässig auch auf die andere Seeseite ins italienische «Campione». Lange war das Dorf, das völlig von Schweizer Staatsgebiet umgeben ist, eine berüchtigte Steueroase für reiche Italiener und ihre Luxusautos. Seit dem harten Durchgreifen der Steuerbehörde sind davon allerdings nur noch das Casino und die Restaurants übrig.

Glace zum Dahinschmelzen

Der Lärm von röhrenden Motoren hat sich weiter südwestlich verlagert. Die Italiener fahren ihre getunten Schlitten nun lieber rund um den «Porto Ceresio» aus, der an einer Lagune liegt. Die Stadt hatte nach der Finanzkrise lange Mühe, sich aufzurappeln. Doch mittlerweile hat sich rund um den Hafen wieder ein breites kulinarisches Angebot an italienischen Restaurants entwickelt.

Dazu befindet sich in Porto Ceresio die beste Gelateria weit und breit – die «Gelateria Il Golosone» . Der Besitzer stellt das Eis heute noch nach geheimen Rezepten her – über mangelnden Umsatz kann er sich den vielen Kunden nach kaum beklagen. Auch ich komme seither gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus und schwöre hoch und heilig, bis zum nächsten Besuch kein anderes Glace mehr zu essen.

Tessiner Charme in Morcote

Den typischen Tessiner Charme versprüht auch das Dorf Morcote gegenüber auf Schweizer Seite. Die altehrwürdigen Gemäuer der Altstadt und die am Ufer vertäuten Ruderboote laden zum Flanieren ein. Früher sollen hier – glaubt man den Alteingesessenen – sogar weltbekannte Filmstars übernachtet haben. Durch die vielen Autos hat die Kulisse in den letzten Jahren aber etwas an Romantik verloren. Der Gemeinderat hat darum ein grosses Parkhaus in den Berg hinein bauen lassen, um Morcote möglichst autofrei und für Fussgänger wieder attraktiv zu machen.

Schöne Plätze hat das Dorf einige zu bieten: Die Holzstege mit Ausblick auf die umliegenden Hügel eignen sich prima für ein kurzes Nickerchen. Ein weiterer Höhepunkt ist die Kirche «Santa Maria del Sasso» hoch über der Altstadt. Wer die steile Treppe mit über 400 Stufen hochsteigt, erwartet ein atemberaubendes Panorama. Der Blick wandert über den blau schimmernden Luganersee und die umliegende Landschaft – bei gutem Wetter bis nach Norditalien.

Freier Fall über 220 Meter

Um die Tessiner Ferien abzurunden, sind einige Tage am Lago Maggiore ein absolutes Muss. In Locarno bringen jeweils im Juli internationale Musikstars das Publikum auf der Piazza Grande zum Kochen. Und im August flimmern am «Festival del Film» ausgewählte Streifen aus der ganzen Welt über die Leinwand. Auch Ascona steht seinem Nachbarort Locarno in nichts nach. Nur wenige Meter vom See entfernt steht die älteste Minigolfanlage der Welt. Zwischen Palmen warten 18 nicht ganz einfache Bahnen mit Tunneln, Hindernissen und Schanzen darauf, mit möglichst wenigen Schlägen geknackt zu werden.

Wem das zu langweilig ist, der sollte die kurvenreiche Strecke ins Verzascatal hochfahren. Auf der Staumauer wartet der ultimative Nervenkitzel: Mit dem Bungee-Seil springt man 220 Meter in eine trichterförmige Schlucht. Nach dem «Go» gibt es kein Zurück mehr – zurück bleibt einzig der ausgestossene Schrei…

Mit dem Bungee-Seil springt man 220 Meter in eine trichterförmige Schlucht.

Wer dann doch lieber einen Sprung mit weniger Herzrasen vorzieht, sollte weiter talaufwärts nach Lavertezzo fahren: Dort thront die «Ponte die Salti» über dem smaragdgrünen Fluss. Vom steinigen Brückengeländer sind es 15 Meter bis ins Wasser. Jugendliche präsentieren hier regelmässig ihre neusten Saltos und Schrauben. Doch Badegäste sollten besser nicht zu den Warmduschern gehören – auch im Hochsommer liegt die Temperatur nicht weit über dem einstelligen Bereich. Erfahrungsgemäss zieht es einem bereits nach rund einer Minute wieder auf das steinige Ufer an die angenehm warme Sonne.

Nach einer Woche im Tessin geht die Reise wieder zurück nach Zürich. Doch eines ist klar: Lange wird es nicht dauern, bis die nächste Reise wieder in den Süden geht. Ci vediamo in Ticino, bis bald!

Keine Kommentare

Einen Kommentar hinterlassen