Ein angesehener Weisser erschiesst einen angesehenen Weissen. Ein Skandal in der braven Gemeinde Clanton. Was ist passiert? Der Mörder schweigt, will sich niemandem erklären. John Grisham stellt mit «Das Bekenntnis» sein schriftstellerisches Können erneut unter Beweis.

Die Bannings sind eine traditionsreiche Familie. Seit mehr als 100 Jahren besitzen sie 260 Hektar Land in Clanton, Mississippi, auf dem sie Baumwolle anpflanzen und regelmässig gute Ernten einfahren. Pete Banning ist ein fairer Farmer und Grossgrundbesitzer, ein guter Vater und Bruder und ein angesehenes Mitglied der Kirche und der Stadt.

Der Mord

Eines schönen Morgens im Jahr 1946 erschiesst Pete den allerseits beliebten Dexter Bell, den Reverend der Methodistengemeinde Clanton. Pete wird festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Der Mord spricht sich in Windeseile herum, nicht nur, weil in Clanton noch nie jemand ermordet wurde, sondern vor allem, weil noch nie ein Weisser einen anderen Weissen erschossen hat. Fragt jemand Pete nach seinem Motiv – und das tun die Leute andauernd –, so sagt er nur: «Ich habe nichts zu sagen.»

Das Entsetzen in der Stadt ist gross. Es bilden sich zwei Lager, eines für den Pastor, das andere für Pete. Niemand kann sich vorstellen, dass der heldenhafte Kriegsveteran diesen Mord begangen haben soll. Noch weniger, weil er partout nicht über seine Beweggründe sprechen will. Irgendwann war auch ich als Leserin soweit, dass ich Pete anschreien wollte: Rede endlich! Gib uns eine Erklärung für dein Verhalten!

Auch seine Familie ist zutiefst verstört, und als seine Kinder Joel und Stella von ihren Universitäten nach Clanton zurückkehren, fragen auch sie sich: Was ist geschehen? Und sind Pete die Konsequenzen für seine Familie egal?

Dramatische Folgen

Selbst mir fiel es irgendwann schwer, mich nicht gegen ihn zu wenden, da wirklich alles gegen ihn sprach. Ein aufsehenerregender Prozess folgt und das Urteil steht bald darauf fest: Die Geschworenen befinden Pete für schuldig und fordern die Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl. Selbst beim letzten Abendessen mit der Familie vor seiner Hinrichtung will Pete immer noch nichts sagen. Und dann passiert, was niemand je für möglich gehalten hat: Pete stirbt durch den elektrischen Stuhl.

Lia, Petes Ehefrau, ist in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, nachdem sie nach Petes Heimkehr aus dem Krieg einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Joel und Stella besuchen sie nach Petes Hinrichtung und wollen sie nach Hause holen. Doch eine Klage bedroht ihr Land: Die Frau des ermordeten Pfarrers und ihr neuer Freund wollen als Schadenersatz vom Geld über das Haus bis hin zum Grundstück alles, was den Bannings gehört.

Spannung bis zum Schluss

Obwohl sich mein Mitleid zu Beginn in Grenzen gehalten hat, wurde es immer grösser, je mehr ich las, was die Kinder und ihre Tante Florry nun alles ausbaden müssen. Ich betete, dass man Pete nicht hinrichtet, dass man das seiner Familie das nicht antut. Es ist doch wirklich offensichtlich, dass es für sein Verhalten eine Erklärung gibt! Aber nichts da, mein Beten half nicht das Geringste. Das Bekenntnis, die tragende Kraft dieses ganzen Dramas, erfahren die Kinder und Leser*innen erst auf den allerletzten Seiten – es grenzt fast an Folter, alle so lange warten zu lassen, um ihnen dann die unglaubliche Wahrheit so richtig um die Ohren fliegen zu lassen.

 

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