Studium, Familie, Freunde: Die Zeit eines Studenten oder einer Studentin ist oft knapp. Kaum vorstellbar, dass daneben auch noch Platz für einen zeitintensiven Sport bleibt. Diese vier Studentinnen beweisen, das es geht.

Dass es funktionieren kann, neben dem Studium noch intensiv eine Sportart auszuüben, wissen sie ganz genau: Alessandra, Cora, Sarah und Fabiola sind Studentinnen – und begeisterte Sportlerinnen.

Zu ihnen gehört Alessandra. Sie ist 20 Jahre alt und wohnt in Winterthur. Aktuell studiert sie Bauingenieurin im dritten Semester an der ETH in Zürich. Die 24-jährige Cora aus Elgg macht gerade ihr Master-Studium an der ZHAW Angewandte Linguistik mit der Vertiefung Konferenzdolmetschen. Sarah aus Winterthur ist 24 Jahre alt und hat im Sommer 2019 ihren Bachelor in Angewandten Medienwissenschaften mit Vertiefung Organisationskommunikation abgeschlossen. Heute arbeitet sie bei goodnews productions, dem grössten Konzertveranstalter der Schweiz.

Ihr Sport ist eine unbekannte Welt

Alle drei sind oder waren Studentinnen und spielen nebenbei noch Rugby beim Rugbyclub Winterthur. Studium hin oder her, ihr Hobby ist ihnen wichtig. Dabei halten sie fest, dass ein Sport neben der Ausbildung einen sehr guten Ausgleich darstellt.

In Europa ist die Sportart Rugby wenig verbreitet und die Szene eher unbekannt. Aus diesem Grund kämpft diese Sportart oft mit Vorurteilen, beispielsweise, dass es sich um eine Männerdomäne handelt. Rugby ist ein sehr taktischer Sport. Dies merkt man vor allem daran, dass erfahrene Spielerinnen das Spiel besser verstehen und deshalb auch besser spielen.

«Der Rugby Club Winterthur ist wie eine Familie für mich», sagt Sarah. Die 2016 gegründete Frauenmannschaft, welche in der Nationalliga B spielt, versteht sich auf und neben dem Platz sehr gut. So mache das Training auch nach einem langen Tag mit vielen Vorlesungen trotzdem noch Spass, erklärt sie.

Organisation ist alles

Neben dem intensiven Studiumsalltag wöchentlich vier Stunden gemeinsames sowie individuelles Training, wie beispielsweise schwimmen oder joggen, scheint viel.

Sarah neben dem Spielfeld. (ZvG)

Zudem kommen während der Saison am Wochenende noch Matches dazu. Diese dauern zwar jeweils nur anderthalb Stunden. Mit An- und Abreise sowie allen anderen organisatorischen Notwendigkeiten können diese jedoch schnell einen ganzen Samstag einnehmen. «Doch mit dem Willen, dem nötigen Durchhaltevermögen und dem entsprechenden Organisationstalent ist dies gut möglich», sagt XY.

Cora hält fest, dass sie die investierte Zeit in den Sport wieder zurückerhält, da sie sich in den Stunden nach dem Training viel besser konzentrieren kann. Trotzdem falle es ihr manchmal schwer, lernen zu gehen, während die Mitstudierenden ein Bier trinken gehen. Denn oft muss man den Stoff, welchen man durch den Sport verpasst vor- oder nachholen. Wobei Sarah festhält: «Ab und zu ein Tag Pause vom Lernen und Sport tut auch gut. Man sollte mit reinem Gewissen auch mal mit Freunden Zeit verbringen und den Abend geniessen.»

Cora Stämpfli im Dress ihres Vereins. (Bildurheberin: Laura Gutknecht)

Für Alessandra ist es wichtig, einen Ausgleich neben dem Sitzen im Studium zu haben. Sie schätze den Sport sehr, auch wenn es viel Auswand für sie bedeute. Ihre Teamkollegin Cora sieht das ähnlich. Auch als Tipp für andere möchte sie mitgeben, dass es egal ist, welche Sportart man verfolgt. Die Bewegung tut allen gut.

Sarah musste feststellen, dass es als Studentin trotzdem einfacher war, dem Sport nachzugehen als heute in der Arbeitswelt. Denn die Vorlesung hat auch ohne sie stattgefunden, aber wenn der Vorgesetzte noch Arbeit hat, welche erledigt werden muss, kann man nicht einfach so gehen. Glücklicherweise hat sie durch ein Gespräch mit ihrem Vorgesetzten einen Weg gefunden, wie weiterhin beides möglich ist.

Noch vor wenigen Jahren gab es im Leben von Cora, Alessandra und Sarah keinen Rugbyball. Sarah kam durch Kollegen zu diesem aussergewöhnlichen Hobby. Von ihnen wurde sie dann auch überzeugt, sich ein eigenes Bild vom Rugby zu machen. «Ab diesem Moment war für mich klar, dass dieser Sport wie für mich gemacht ist. Seither ist er ein fester Bestandteil in meinem Leben», sagt sie.

Sie alle spielen nicht länger als seit drei Jahren Rugby. Dennoch sei diese eher unbekannte Sportart nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken. Die Frage, ob eine von ihnen den Sport für das Studium oder umgekehrt aufgeben würde, beantworten sie alle gleich: «Wenn man in der Schweiz eine Chance auf eine Profi-Karriere hätte, dann ja, aber im aktuellen Umfeld würde dies keinen Sinn ergeben.» Rugby sei zudem in keiner Liga der Schweiz eine Einnahmequelle. Wichtig ist der Sport ihnen trotzdem als aber trotzdem Ausgleich neben dem Studienalltag.

Die Frauenmannschaft vom Rugby Club Winterthur. (ZvG)

Handball in der Ostschweiz

Das Studium für den Sport aufzugeben, mit diesem Gedanken hat Fabiola schon gespielt. Sie ist Kreisläuferin beim LC Brühl Handball aus St. Gallen. Die 22-jährige Kommunikationsstudentin aus Winterthur nimmt den Weg nach St. Gallen, welcher hin und zurück je eine Stunde beträgt, vier Mal in der Woche auf sich. Für die grossgewachsene Bernerin ist der Sport ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. «Es ist ein guter Ausgleich und ich habe dadurch gelernt, meine Ziele zu verfolgen.»

Wer neben einem Vollzeitstudium vier Trainings mit je einer Stunde An- und Abreise absolviert und am Wochenende Matches spielt, weiss, was es heisst, sich auf seine Ziele zu fokussieren. Organisation und Zeitmanagement sind für Fabiola keine Fremdworte. Da sie in den Vorlesungen oft abwesend ist, muss sie vieles selbstständig erarbeiten. Aus diesem Grund hat sie ihren Kalender stets im Kopf. Trotzdem sei es ab und zu schwierig, alles zu erledigen, wenn die Motivation gerade etwas fehle.

Fabiola im Studium. (ZvG)

Eines hat sie aber durch ihre intensive Mehrfachbelastung gelernt: «Talent ist nebensächlich, viel wichtiger ist ein gutes Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen.» Dass Fabiola dies besitzt, zeigt die Tatsache, dass sie neben ihrer Verpflichtung beim Rekordmeister der Schweizer Liga auch schon für die Nationalmannschaft aufgeboten wurde.

Die Nummer 23 in Action. (ZvG)

Karin Jakob

Karin Jakob

Autorin

Ich schreibe fürs Brainstorm, damit ich die Leser über Themen informieren und begeistern kann, welche ihnen vorher noch unbekannt waren.