Die Szenen entstehen mithilfe des Publikums und verschwinden danach genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind: Am 23. März hat die Theatergruppe des vszhaw in der Kantonsschule Büelrain Dutzende Zuschauer mit ihrem Improvisationstheater begeistert.

Moderatorin Jennifer Niedermann erklärt zu Beginn die Regeln: Der Abend ist ein Battle zwischen Team Rot und Gelb. Nach jeder Improvisationsszene entscheidet das Publikum per Applaus, welches Team den Punkt erhält. Sieger ist am Ende das Team mit den meisten Punkten.

Um die verschiedenen Szenen improvisieren zu können, brauchen die Schauspieler Ideen aus dem Publikum. Ob eine Tätigkeit, ein nicht-geografischer Ort oder eine abstrakte Beziehung zwischen den Spielern – was Jennifer kommentiert mit: «Das ist nicht euer Tinder-Date, das nicht geklappt hat» –  immer wieder ist die Kreativität der Zuschauer gefragt. Diese verstehen das Konzept schnell und wählen zum Beispiel später «Hammer und Nagel» oder «verheiratete Cousins» als abstrakte Beziehungen.

Der innovative Bartflechter
Bei einem der ersten Spiele darf das Publikum etwas erfinden, das einer der Schauspieler anschliessend anpreisen muss. Seine Erklärungen werden nebenan von einem anderen Schauspieler in Gebärden visualisiert. Das Schauspielerteam wählt aus den Ideen den «Bartflechter» aus. Mit viel Körpereinsatz und unter grossem Gelächter veranschaulicht der Dolmetscher die Erklärungen des Erfinders «Herr Rundbürste», verheddert sich in seinem imaginären bodenlangen Bart und flicht ihn mal zum französischen, mal zum Fischgrätzopf.

«Ich hab die Haare schön»
Nach acht Spielen gibt es eine Pause. Währenddessen sollen die Zuschauer Sätze auf Zettel schreiben und anschliessend in Jennifers Zylinder werfen. Als sie nach der Pause die Zettel aus dem Hut schüttelt, sagt sie: «Bei den Proben sah das jetzt eleganter aus, aber da waren es ja auch nicht so viele Zettel.»

Beim anschliessenden Spiel müssen die Schauspieler Sätze von den Zetteln in ihre Szenen einbauen. Auch den Ort der Handlung bestimmen die Zuschauer: eine Sauna. Von «Ich hab die Haare schön, ich dörf da sii!» über «Ich habe Trump nicht gewählt» bis «Freddy, chumm mer gönd. Ich glaub, ich bin deine neue Mama» streiten sich eine Saunabesucherin, ein Vater mit seinem nach Eiscrème süchtigen Sohn und die Saunaaufsicht über die einzuhaltenden Regeln. Das Publikum amüsiert sich köstlich.

In & Out im Bahnhof (Luzern)
Beim nächsten Spiel «In & Out» geht es darum, für jeden der vier Spieler ein Wort zu finden, das ihn entweder auf die Bühne holt oder ihn wieder runterschickt. Jeder Spieler wählt dafür aus den Kategorien Zahl, Adjektiv, Gefühl und Farbe eines aus. Die Wahl fällt auf: 8 ¾ als Zahl, fett als Adjektiv, verarscht als Gefühl und Lindengrün als Farbe. Als Setting wird der momentan lahmgelegte Bahnhof Luzern vorgeschlagen, die Spieler bauen sogar die Aufräumarbeiten aufgrund der kürzlichen Entgleisung gekonnt in die Szene ein.

Das komischste Bewerbungsgespräch ever
Als zweitletztes Spiel muss sich ein Spieler für einen Job vorstellen, den das Publikum ausgewählt hat, als er vor der Tür war. Erst während des Vorstellungsgespräches findet er heraus, dass er sich gerade gerade als Bauchtänzer bewirbt – und legt konsequenterweise noch eine amüsante Tanzeinlage ein.

Sieger sind alle
Im letzten Spiel lässt man den Abend Revue passieren, indem einige Szenen aus vorangegangenen Spielen weitergesponnen werden. Beim finalen Punktezählen wird dann klar: Beide Gruppen haben exakt gleich viele Punkte geholt und es steht Unentschieden. Dies passt zur Stimmung des Abends: Dank der Leistung der acht Schauspieler sind sowieso alle Gewinner.
Wer neugierig geworden ist: Am Samstag, 25. März, 20 Uhr, legt die Theatergruppe in der Kantonsschule Büelrain ein weiteres Improvisationsspektakel auf die Bühne. Es gibt eine Abendkasse, ein Ticket kostet normal 15 Franken und ermässigt 10 Franken.

Mehr Informationen zur Theatertruppe des VSZHAW finden Interessierte unter: https://www.vszhaw.ch/theatergruppe/