Unflexible Stundenpläne, unfaire Studiengebühren und zwölf anstatt sechs Semester: Warum mich das Teilzeit-Kommunikationsstudium am IAM der ZHAW nervt.

Laut Hochschulstatistik des Bundes aus dem Jahr 2018 entscheiden sich immer mehr Leute in der Schweiz für ein Studium. Zum Beispiel an der ZHAW. Mit ihren acht Departementen bietet sie viele Möglichkeiten. Von Architektur über Physiotherapie zu Wirtschaft kann man hier alles studieren. Hat man sich für einen Studiengang entschieden und erfüllt die Aufnahmekriterien, steht man schon vor der nächsten Entscheidung: Teilzeit oder Vollzeit? Für diejenigen, die neben dem Studium arbeiten wollen oder müssen, um sich ihr Leben zu finanzieren, ist Teilzeit ideal. Wenn man das Studium so schnell wie möglich hinter sich bringen will, kann man sich für die Vollzeitvariante entscheiden. Doch nicht überall an der ZHAW bedeutet Teilzeit dasselbe. Wenn man beispielsweise Wirtschaftsrecht an der School of Management and Law (SML) studiert, dauert das drei Jahre im Vollzeit- und vier im Teilzeitstudium. Das gleiche gilt für ein Studium an der School of Engineering. Für ein Studium in angewandter Psychologie hat man drei, respektive viereinhalb Jahre. Man sieht also, Teilzeit ist nicht gleich Teilzeit an der ZHAW. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn man kann nicht erwarten, dass man den Stoff in jedem Studiengang gleich schnell behandeln kann.

Zwölf Semester Teilzeitstudentin

Wie an jedem anderen Departement der ZHAW, wurde auch am Institut für angewandte Medienwissenschaften (IAM) mit der Wahlmöglichkeit zwischen Vollzeit oder Teilzeit geworben. Da ich meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen wollte, habe ich mich für mein Studium in Journalismus und Organisationskommunikation fürs Teilzeitmodell entschieden. Doch schon am Informationsanlass zweifelte ich meine Entscheidung ein erstes Mal an. Nicht nur, dass das Teilzeitstudium doppelt so lange dauert – zwölf anstatt sechs Semester – auch die Verantwortlichen rieten davon ab. Da ich eine unverbesserliche Optimistin bin, hielt ich trotzdem an meiner Entscheidung fest. Von 130 Neustudierenden ging es nur rund 15 weiteren wie mir. Alle anderen hatten sich für Vollzeit entschieden. Da es am IAM keine separaten Teilzeitklassen gibt, bedeutete das für mich, dass ich nach zwei Semestern im Jahrgang der nächsten Klasse landen würde. Gut, nehmen wir so zur Kenntnis. Wer braucht schon Freunde im Studium?

Lieber durchwursteln anstatt Teilzeit studieren

Die nächste vermeintlich grosse Entscheidung musste ich bei der Zusammenstellung des Stundenplans treffen. Gut, so gross war die Entscheidung nicht, denn es gab schlicht nicht so viele Wahlmöglichkeiten, wie das IAM auf seiner Homepage verspricht: «Der Studiengang ist modular aufgebaut und bietet individuelle Studienpläne für flexible Zeitplanung je nach Belastungsgrenze.» Ich entschied mich also für eine der – man lese und staune – unglaublichen zwei Wahlmöglichkeiten. Man besucht die Module also mit allen anderen Studierenden des Jahrgangs. Die Befürchtung, ich würde keine Freunde finden, bewahrheitete sich also doch nicht. Nach Beginn des Studiums sprach ich mit vielen Studierenden, die sich von der Länge des Teilzeitstudiums haben abschrecken lassen und sich stattdessen dafür entschieden, Vollzeit zu studieren und nebenher noch zu arbeiten und somit ab und zu eine Veranstaltung auszulassen. Ob das so förderlich ist, um das Studium erfolgreich zu bestehen, sei dahingestellt. Ich bezweifle es jedoch stark. Das war genau das Durchgewurstel, das ich vermeiden wollte. Aber mittlerweile bin auch ich an dem Punkt, an dem mein Ziel ist, mich neben der Arbeit und meinem sonstigen Leben noch irgendwie durch das Studium zu bringen.

Wirft man einen Blick auf andere Departemente, wird schnell klar, dass es überall besser geregelt ist als am IAM. An der School of Management and Law (wo ich auch schon eigene Erfahrungen gesammelt habe) gibt es Teilzeit- und Vollzeitklassen. Entweder man studiert sechs Semester im Vollzeit- oder acht im Teilzeitmodus. Man besucht sämtliche Module mit der gleichen Klasse. Hallo Gemeinschaftsgefühl, das ich so vermisse im Teilzeitstudium am IAM.

Unfaire Studiengebühren

Ein weiterer Punkt, der unter Teilzeitlern für rote Köpfe sorgt, sind die Studiengebühren. Egal ob Teilzeit oder Vollzeit, man bezahlt gleich viele Studiengebühren und das, obwohl man als Teilzeitstudent*in nicht an gleich vielen Tagen in der Schule ist. Das mag nicht so sehr ins Gewicht fallen, wenn das Teilzeitstudium nur ein Jahr länger dauert als das Vollzeitstudium. Wenn es aber doppelt so lange dauert, dann zahlt man auch doppelt so viele Studiengebühren für den gleichen Schulstoff.

Dass man als Teilzeitstudent*in im ersten Jahr in den Praxismodulen den Stoff behandelt, den man dann im zweiten Jahr noch in den theoretischen Modulen wiederholt, ist ebenfalls nicht ideal. Dies lässt eine Lösung wie am SML vermissen, wo das Studium in separaten Vollzeit- und Teilzeit-Studiengängen geregelt ist. Doch wenn man die Zahlen der Neustudierenden eines Wirtschaftsstudiums mit jenen von Linguistik-Studierenden vergleicht, wird schnell klar, dass das IAM wohl zu wenige Studierende hat, um separate Teilzeitklassen zu machen.

Nicht alles ist schlecht

Doch genug gejammert. Es gibt auch Vorteile am IAM. Anders als bei anderen Departementen an der ZHAW kann man zwischen dem Vollzeit- und dem Teilzeitmodell wechseln. So kann man zum Beispiel das erste Studienjahr im Teilzeitmodus in zwei Jahren absolvieren und für die nächsten zwei Jahre ins Vollzeitstudium wechseln. Das ist der Vorteil, wenn man nicht in fixe Klassen eingeteilt ist, wie das zum Beispiel an der School of Management and Law der Fall ist. Zum Schluss bleibt mir nur noch eines übrig: Angehenden Studierenden zu raten, sich die Wahl zwischen Vollzeit und Teilzeit gut zu überlegen. Für mich ist klar, dass ich den Rest meines Studiums im Vollzeitmodus absolvieren werde. Doch diese Entscheidung kann und muss jede*r für sich selber treffen.