Du bist voll YOLO. Deshalb bist du in eine WG gezogen. Hotel Mama war zu öde. Zwar gratis, aber nervig. Also nimmst du das Risiko auf dich, ständig pleite zu sein, deine Wäsche zu klein zu waschen und an einer Lebensmittelvergiftung zu sterben, nachdem du dich wochenlang nur von Pasta und Cornflakes ernährt hast. Doch was erwartet dich eigentlich in einer WG?

 

Erst mal durchatmen: kein Mami! Du kannst also völlig eskalieren. Es motzt niemand, wenn der Deckel des Tupperwares fehlt, dein Koffer auch drei Wochen nach den Ferien noch nicht ausgepackt wurde und du lieber den ganzen Tag im Bett verbringst, anstatt in der Vorlesung. «Hammo», denkst du, wenn du aus dem Thurgau bist. Doch dann verfliegt die anfängliche Euphorie. Dein Kühlschrank ist ständig leer. Dein Portemonnaie auch. Und deine Mitbewohner sind auch nicht so das Wahre …

Du meinst, du hast schon alles gesehen. Doch dann ziehst du in eine WG. Mit Fremden. Du dachtest, Geschwister seien schlimm? Komische Mitbewohner sind noch viel schlimmer. Plus: Die kann man nicht verprügeln. Sollte man zumindest nicht.«Magst du es, beim Duschen Geschlechtskrankheiten zu bekommen? Nein? Ich auch nicht Kevin. Also putz das beknackte Bad endlich!» Etwa so tönt es in meiner WG, Tag für Tag. Viele, die auch in einer Wohngemeinschaft aka Ferienlager für betrunkene Erwachsene wohnen, kennen das bestimmt. Denn solche Kevins gibt es überall, in allen Variationen.

Da gibt es zum Beispiel die blonde Tusse, die lauter stöhnt als ein Tennisspieler auf Koks. Ganz lustig zuerst. Aber nach dem dritten «Steck mir den Finger in den Po, Philipp!» hast du doch genug. Morgens um zwei möchtest du eigentlich schon lieber schlafen, statt live dabei zu sein bei einem mittelmässigen Amateur-Porno.

 

Nervig ist auch der Messie, der überzeugt ist, dass sich Abfall von alleine auflöst. Tut er nicht. Auch nach einem Monat nicht. Die menschliche Hygiene ist dem Messie genauso fremd. Zuhause wurde er nämlich intensiv von seiner Mama bekocht, beputzt und wohl auch geduscht. Die menschlichen Umgangsformen sind ihm zwar nicht völlig unbekannt, jedoch ist er noch nicht imstande, sie alleine und selbstständig auszuführen. Er ist auch erst 24.

 

Unterhaltsam wird es dann mit der Partykanone. Ständig schmeisst sie spontan Feten und lädt dazu jeden ein. Ja, jeden. Dann hast du so eine doofe Vanessa in der Hütte, die dann morgens um vier in dein WC kotzt. Am Tag vor der Prüfung. Glaub mir, um diese Uhrzeit hast du echt keinen Bock, Vanessas schiefes, verkotztes Lächeln zu sehen.

 

 

In einer WG wirst du alles erleben. Wirklich alles. Du wirst vor allem aber eines: viel Spass haben. Wenn du dann mal 40 bist und uncool, kannst du deine wilden Storys den Kindern erzählen. Von Kevin, Vanessa und dem Messie. Das mit der blonden Tusse erzählst du besser nicht, weil du es vermutlich selbst warst. Und Papa nicht Philipp heisst. Mit 40 wirst du erwachsen sein und alles total im Griff haben. Also geniesse dein chaotisches Leben. Du wirst nie mehr so frei sein.

 

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