In Zeiten der Globalisierung setzt das Wirtschaftsdepartement der ZHAW auf internationale Zusammenarbeit. Austauschsemester sind beliebt – die «School of Management and Law» hat weltweit mehr als 150 Partnerschulen. Im Studiengang «International Management» ist Studieren in der Ferne sogar fixer Bestandteil: Das gesamte zweite Jahr verbringt man im Ausland. Wie es sich anfühlt, «zwangsweise» für ein Jahr an einem anderen Ort zu studieren und zu leben, erzählen Richie, Pekka und Martina.


Namaste in Kuala Lumpur

Richie, 24, Fotograf und Undercover-Skateboard-Profi

Die Universität in Malaysia unterscheidet sich in praktisch allen Punkten von der ZHAW. Kaffee gibt es hier in Plastiktüten, die Noten setzen sich aus Arbeiten, Anwesenheiten sowie Prüfungen zusammen und wilde Schulpartys gibt es keine. Gegenüber Alkohol gilt eine Nulltoleranz. In der ersten Schulwoche gab es sogar für alle Studenten Drogentests. Ein Pluspunkt ist aber, dass alles sehr günstig ist. Das Mittagessen in der Kantine kostet nur 1.50 Franken.

Das ist die Aussicht von meiner Wohnung in Kuala Lumpur. Nicht schlecht, oder?

Da alles sehr günstig ist in Malaysia, wohne ich mit zwei anderen Austausch-studentinnen in einer tollen Wohnung mitten in der Stadt. Reisen ist auch ganz preiswert. Erst kürzlich war ich in Myanmar, das war eine tolle Erfahrung. Die Menschen dort leben in einer besonderen Kultur. Das gefällt mir so am Austausch – ich lerne viele neue Kulturen kennen. In Malaysia selbst ist die Vielfalt sehr gross, denn die Bevölkerung setzt sich zusammen aus muslimischen Malaysiern, christlichen malaysischen Chinesen und malaysischen Indern. Das macht jeden Tag zu einem Abenteuer, alles dauert etwas länger und ist etwas komplizierter. Das Gute daran: Inzwischen bin ich richtig geduldig geworden. Durch das Kennenlernen von anderen Kulturen eignet man sich auch an, wie man am besten mit unterschiedlichen Menschen umgeht und zusammenarbeitet. Das wird bestimmt auch in Zukunft hilfreich sein. Ich kann mir gut vorstellen, später einmal im Ausland zu arbeiten.

Es ist ständig so viel los hier in Kuala Lumpur, an Zuhause denke ich selten. Ich fühle mich echt wohl hier. Vermissen tue ich lediglich meine Freunde in der Schweiz und die Weihnachtsstimmung mit echtem Schnee. Es ist schon nicht das Gleiche hier in den Einkaufsmalls mit Temperaturen von 33 Grad und so ganz ohne Glühwein.

Die Lebensfreude der Menschen in Myanmar war unglaublich


Viva Mexico!

Pekka, 23, Social Media Manager und Taco-Liebhaber

Das Leben in Mexiko ist viel unbeschwerter. Einerseits liegt das an diesem fantastischen Land, den wunderschönen Orten und den Menschen selbst. Obwohl sie es manchmal echt schwer im Leben haben, sehen sie alles viel positiver. Als vor einigen Wochen ein schlimmes Erdbeben Mexiko City erschütterte, haben alle bei den Aufräumarbeiten angepackt und sich gegenseitig geholfen. Die Reaktionen der Bevölkerung waren sehr bewegend.

Mexiko ist inzwischen wie ein zweites Zuhause für mich. In den vergangenen Monaten habe ich hier einen super Freundeskreis aufgebaut und bin sogar einer Mexikanerin in die Falle getappt. Der einzig negative Punkt ist, dass die Zeit so schnell vergeht. Am liebsten würde ich mein Studium hier abschliessen. Auch wenn mir Raclette ziemlich fehlt.

 

Die Agua Azul in Chiapas war einer meiner
Lieblingsausflüge

Ich studiere zurzeit an der Universidad Iberoamericana in Mexico City. Obwohl diese Uni eine der renommiertesten im Land ist, kann sie kaum an das Niveau der ZHAW anknüpfen. Zumindest vom Unterricht her. Das liegt vermutlich am hohen Ausbildungsstandard in der Schweiz. Das Wichtigste, das ich bisher in Mexiko gelernt habe: Tequila trinken und scharfe Salsa essen, ohne das Gesicht zu verziehen! Im Vergleich zur ZHAW gefällt mir hier das ausserschulische Programm besser. Wöchentlich gibt es spannende Events, es kommen tolle Redner, wie zum Beispiel der Internet- Star Juanpa Zurita, vorbei.

Einzig wünschen würde ich bei meinem Studium, dass man noch ein weiteres Mal ins Ausland kann. Genial wäre auch, wenn man das Austauschjahr an zwei Universitäten machen könnte. Finanzieren kann ich mir den ganzen Spass übrigens, weil Mami und Papi zahlen. Nein, wäre zwar nice, aber dem ist nicht so. Ich arbeite nebenbei für zwei Start-ups und habe ein Stipendium erhalten.

Über alles gesehen gefällt mir mein Studium «International Management» super. Es ist deswegen so spannend, weil es international ausgerichtet ist. Der Hauptgrund für die Wahl dieses Studiengangs war sicherlich das Auslandjahr. Auch die Möglichkeit, weltweit Kontakte zu knüpfen, hat mich interessiert. Besonders in Zukunft erhoffe ich mir, von diesen Kontakten profitieren zu können. Mein Ziel ist es, später als Freelancer im Ausland zu arbeiten.

 

Mit Catarina feierte ich den Dia de los Muertos. Dieser ist seit fast 3000 Jahren Tradition in Mexiko. Die Azteken feierten ihn schon

 

Living the dream im Down Under
Martina, 24, Bloggerin und Sunset-Hunterin

Das Studium hier in Australien ist wirklich so, wie man es sich vorstellt: Nach dem Unterricht geht man surfen, an den Wochenenden besucht man tolle Festivals und die Leute sind echt cool. Besonders die Professoren. Sie sind so hilfsbereit! Im Unterricht fahren sie erst fort, wenn alle das Thema verstanden haben. Dass das Niveau vom Ausbildungsstand aber insgesamt tiefer ist, merkt man vor allem bei den Prüfungen. Im Vergleich zur ZHAW sind sie hier um einiges einfacher. Lustig ist auch, wie die Professoren dazu immer wieder Hinweise und Tipps geben, was inhaltlich relevant ist.

Nebst dem Studium habe ich hier auch die Möglichkeit, Arbeitserfahrung zu sammeln. In den ersten Monaten habe ich ein Praktikum in der Fashionbranche gemacht. Das wird mir bestimmt auch in Zukunft weiterhelfen. Mein Ziel ist es, später im Marketingbereich zu arbeiten. Am liebsten in einer grossen, international tätigen Firma.

Da ich in der Schweiz, der Dominikanischen Republik und in Amerika aufgewachsen bin, war für mich schon früh klar, dass ich später einmal global tätig sein möchte. Die Verknüpfung von Kommunikation, Innovation und Management interessiert mich sehr. Deshalb ist der Studiengang «International Management» für mich optimal. Durch das Austauschjahr erhalte ich zusätzlich noch die Möglichkeit, weltweit Kontakte zu knüpfen, Arbeitserfahrungen zu sammeln und gleichzeitig zu reisen. Im November beispielsweise war in ich Neuseeland unterwegs. Die Natur war echt beeindruckend!

 

Nach dem Unterricht geht es mit
Freunden surfen – an die Sunshine Coast in Queensland

 

Bildurheber: Richard Hug / Jan (Pekka) Heinvirta / Martina Christina