Der Corona-Ausnahmezustand widerspiegelt sich nicht nur im Alltag, sondern auch in den Foren des Internets. Denn neben Corona geht ein weiteres Virus um: Verschwörungstheorien.

Seit Wochen bestimmt das Coronavirus unseren Alltag. Wir müssen zu Hause bleiben, dürfen uns nicht in grösseren Gruppen treffen und warten jeweils gespannt auf die Pressekonferenz des Bundesrats. Was viele Menschen vereint, ist vor allem die Ungewissheit. Im Internet kursieren so viele Informationen, dass es teilweise schwierig ist, wahrheitsgetreue Informationen von Fake News zu unterscheiden. Man hört von den verschiedenen Risikogruppen, von denen angeblich alle sofort tot umfallen, wenn sie sich mit dem Virus infizieren. Und man hört von der «Übertreibung» der Medien, die den Virus, der ja sowieso nur eine normale Grippe sei, für ihre Klickzahlen missbrauchen würden.

Von der Homöopathie bis zum Evergreen

Dass es aber noch viel absurder und gefährlicher geht, zeigt ein Blick auf Twitter. Selbsternannte Expert*innen berichten vom Wunderheilmittel der homöopathischen Globuli und preisen es als Allheilmittel an. Dabei gibt es keine wissenschaftliche Studie, die beweist, dass homöopathische Globuli vor einer Corona-Erkrankung schützen. Ein Komplott der Elite, die die Weltbevölkerung verkleinern möchte, findet man im Internet genauso wie das Anzweifeln der Existenz des Virus im Generellen. Und nicht zu vergessen, gesponserte Instagram-Posts mit «virusschützenden» Vitamin-Tabletten, die natürlich nur zufällig mit 50 Prozent Rabatt zum Verkauf stehen. Dies sind nur ein paar wenige «Highlights», die man beim Durchstöbern der Verschwörungstheorien findet. Natürlich darf auch jene Theorie mit dem Labor nicht fehlen, sie taucht bei jeder neuen Epidemie und Krankheit auf. Diesmal soll es also ein Labor in Wuhan sein, welches das Coronavirus aus purer Absicht in die Welt gesetzt hat. Bei der Schweinegrippe seien die Erreger gezielt in Eiern herangezüchtet worden, beim Ebolavirus hätte sogar ein «geheimes» Labor in den USA für die Verbreitung gesorgt.

Spiel mir das Lied der Angst

Natürlich schenken viele Menschen diesen skurrilen Tweets und Foreneinträgen keine Beachtung. In Zeiten der Angst ist man leichter zu beeinflussen und so gibt es trotzdem immer wieder neugewonnene Anhänger*innen dieser Verschwörungstheorien. Es muss einem zu denken geben, wenn das Corona-Bier seit Ausbruch des Virus drastisch an Umsatz einbüsst oder Menschen zu Hamsterkäufer*innen werden. Wobei mir diese Tiere viel zu sympathisch sind, um sie mit solch bildungsfernen Personen zu vergleichen. Plötzlich hat ein Land wie die Schweiz nicht 228, sondern 8.5 Millionen Virolog*innen. Da ist einem der Rat von Jürgen Rissland, einem Virologen aus Deutschland, schon deutlich sympathischer. Im öffentlich-rechtlichen Sender «SWR» empfahl er möglichst viel zu trinken, wenn möglich auch alkoholhaltige Getränke, denn die Viren würden dies nicht mögen. Ob dies vernünftig ist, ist natürlich jedem selbst überlassen.

Guter Rat ist langweilig

Online verbreiten sich Gerüchte sehr schnell und anonymisiert. Das Phänomen der Verschwörungstheoretiker*innen wird auch bei der nächsten Epidemie wieder in aller Munde sein. Journalist*innen werden sich in Zukunft weiterhin mit Psycholog*innen zusammensetzen, um über dieses wiederkehrende Phänomen zu diskutieren und um die Bevölkerung aufzuklären. Die Politik wird sich gezwungen fühlen, jedes noch so absurde Gerücht zu dementieren und an die Vernunft aller Mitbürger*innen zu appellieren. Faktenbasierte Argumentationen werden weiter in den Hintergrund rücken und viel zu wenig Beachtung erhalten. Manchmal ist die Wahrheit vielleicht einfach zu langweilig.

 

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Bildurheber Screenshots von Twitter: Luca Finadri

Luca Finadri

Luca Finadri

Autor

Das Leben ist eine Bühne und die Menschen ihre Schauspieler. Das Brainstorm ermöglicht es mir, diesen Schauspielern eine Plattform zu geben. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vorstellung eine Komödie oder ein Drama ist. Dank dieser Vielfalt kann ich meine Leidenschaft, das Schreiben, ausleben und gleichzeitig Emotionen auslösen.