Die Schwarze Harfe», ein knapp 800 Seiten langer Science-Fiction-Roman, ist das Ergebnis von drei Jahren harter Arbeit. Die ehemalige ZHAW-Dozentin Berenice Bommeli (l.) und die Kommunikatorin Matea Zosak (r.) sind neben einem Unternehmens-berater, einem Account-Manager und einem Augenarzt Mitglieder des Kollektivs «Gravity Assist». Gerade diese besondere Konstellation habe es der Gruppe ermöglicht, eine «komplexe Geschichte» zu schreiben.

In eurem Buch hat das Träumen eine wichtige Bedeutung. Was bedeutet Träumen für euch?
BERENICE: Ich schlafe extrem gerne (Matea lacht). Und ich träume auch gerne. Im Traum bemerkt man Spannungen oder Themen, mit denen man unterwegs ist. Wenn ich mich auf etwas freue, habe ich im Traum Bilder davon, wenn ich nervös bin, habe ich Stressträume. Wenn man sich ein wenig beobachtet, lernt man, seine Träume zu deuten – von solchen Konzepten haben wir uns im Buch leiten lassen. Das Träumen ist für mich ein anderer Zugang zu mir selbst, der sehr wertvoll ist.

MATEA: Ich räume meinen Träumen eine nicht so starke Bedeutung ein. Wenn ich träume, dann ziemlich lebhaft und real.


Was reizt euch an Science-Fiction?

BERENICE: Es ist weit weg. Es ist nicht unsere Welt, in der wir gewisse Parameter schon kennen und Erwartungen haben. Man kann ein ganz neues Universum aufbauen, neue Spezies entwickeln, neue Verhandlungstypen und deren Wesenszüge ausklügeln. Wenn man eine Geschichte in unserer Welt spielen lässt, ist man an historische Ereignisse gebunden. Bei Science-Fiction existiert zu Beginn nur die grüne Wiese, die man gestalten kann. Und wer würde schon nicht gerne mal mit einem UFO durch den Raum fliegen? Ich fände es super, in ein Raumschiff einzusteigen und zur Andromeda-Galaxie zu fliegen.


Euer Buch kommt bei vielen Lesern unglaublich gut an. Was macht «Die Schwarze Harfe» aus eurer Sicht so einzigartig?

MATEA: Durch den Aufbau und die genauen Beschreibungen der Welten kann man beim Lesen in eine komplett andere Welt abtauchen. Mir gefällt besonders gut, dass ich mich so gut in die Handlung, die Figuren und die Situationen hineinversetzen kann.

BERENICE: Wir haben nicht das klassische Gut und Böse aufgespannt. Man kann sich als Leserin nicht gegen eine Figur wenden, da keine nur böse ist. Gut und Böse ist etwas Urmenschliches, aber meistens sind die Fronten im Buch nicht so ganz klar: Charaktere wechseln ihre Absichten und es ergeben sich neue Konfliktlinien.


Apropos Konflikt: Was macht ihr, wenn ihr euch nicht einigen könnt?

MATEA: Diskutieren.

BERENICE: Argumente bringen, die Logik aufzeigen, erklären, warum man etwas so einbauen will. Jedes neue Element muss die Geschichte vorwärtstreiben. Man kann nicht einfach aus Spass einen neuen Schauplatz einführen. Ich wollte unbedingt eine Liebesgeschichte im Buch, die anderen vier zunächst nicht. Ich habe aber klar dargestellt, wieso das für mich so wichtig ist und habe schlussendlich meine Liebesgeschichte bekommen (lacht).


Was sind die Nachteile, wenn ein Buch im Team entsteht?
BERENICE: Ein Nachteil könnte sein, dass man oft erklären muss, wieso man zu fünft einen Roman schreibt – weil es ungewöhnlich ist. Die Aussenwelt versteht nicht, wie ein Buch in einer Gruppe entstehen kann. Doch einen Science-Fiction-Roman zu verfassen, bedeutet sehr viel mehr, als bloss die Geschichte aufzuschreiben.


Wie funktioniert das Verfassen eines Buches im Autorenkollektiv genau?

BERENICE: Es war nicht so, dass wir fünf alle gleichzeitig geschrieben haben und man die Teile dann zusammengefügt hat. Das würde, denke ich, auch nicht funktionieren. Wichtig ist, dass wir die Geschichte gemeinsam erschaffen haben, und Stefan war der Schreiber. Er hat uns dann die einzelnen Passagen immer wieder zum Lesen gegeben und wir haben in der Gruppe diskutiert, ob die Dramaturgie stimmte, die Übergänge funktionierten und eine Figur authentisch wirkte.

MATEA: In den Besprechungen haben wir auch die Geschichte weiterentwickelt. Einerseits haben sich uns unzählige Fragen gestellt, wie ein Ort aussieht, was einzelne Figuren motiviert oder wie technische Abläufe und politische Systeme funktionieren. Wir mussten wirklich alles erfinden. Andererseits hatte jeder von uns bestimmte Wünsche, die er in die Geschichte einbringen wollte. Das gab schon mal lautstarke Diskussionen.


Wieso habt ihr ein Buch im Team geschrieben?

BERENICE: Der Initiant des Vorhabens war Stefan, mein Mann. Er hatte schon seit mehreren Jahren die Idee, einen Roman zu schreiben. Sein Ziel war, eine inhaltlich komplexe Geschichte zu erschaffen. Daher wollte er das Projekt mit einem Team angehen, in dem man sich austauscht und die Geschichte zusammen entwickelt. Das war ungewohnt, denn normalerweise schreiben Autoren ihre Bücher alleine. Ich fand die Idee aber gut und gemeinsam haben wir das Autorenkollektiv «Gravity Assist» erschaffen.

MATEA: Ich war von Anfang an begeistert, bei so einem Projekt mitwirken zu können. Neue Figuren erschaffen, sich eine zusammenhängende Geschichte ausdenken: Ich konnte mir zunächst gar nicht recht vorstellen, wie wir das realisieren können.


Zurück zum Träumen:
Wie soll eure Schriftsteller-Karriere weitergehen?
BERENICE: Ich bin zwar auf dem Weg, mich selbstständig zu machen, doch wir schreiben auch bereits an unserem zweiten Buch. Auch ein Science-Fiction-Roman, jedoch eine ganz neue Geschichte.

MATEA: Wir haben uns gut überlegt, ob wir weiterhin als Gruppe «Gravity Assist» zusammenarbeiten möchten. Und für uns ist klar, dass wir – neben dem, was wir sonst so tun – im Kernteam weitermachen. Es ist schön, wie wir durch dieses Projekt als Team und als Freunde immer mehr zusammenwachsen.

 

Bildurheber: Tamara Frey