Die „Türmli-Bar“ bewirtet seit bald 25 Jahren Winterthurs Studenten. Durch den Bruch mit dem VSZHAW vor drei Jahren ist einiges schwieriger geworden, vieles läuft aber auch besser. Nun hat der Vorstand seine ehrgeizigen Pläne für die Zukunft der Studenteninstitution enthüllt.

So recht will die Power-Point-Präsentation zuerst nicht in Gang kommen. Erst, als „Türmli-Bar“-Vorstandsmitglied und Facility-Management-Student Philipp Hannen seinen Kompagnon über den Barlärm hinweg anweist, ein Kabel richtig einzustecken, lassen sich die Folien kommandieren. Es wirkt alles ein bisschen handgestrickt bei dieser Informationsveranstaltung zu den Zukunfts- und insbesondere Umbauplänen des Studentenetablissements. Alles andere hätte aber auch nicht gepasst, denn die „Türmli-Bar“ ist – als „Winterthurs einzige Studentenbar“ – auf rein freiwilliger Basis geführt. Die Mitarbeiter und der Vorstand studieren grösstenteils noch an der ZHAW, viele davon wohnen gleich selbst im „Türmlihuus“, dem Studentenwohnheim, in dessen Untergeschoss sich die Barräumlichkeiten befinden. Einen Lohn für ihren Einsatz bekommen sie nicht – vom gelegentlichen Freibier mal abgesehen, scherzt Hannen. Das war allerdings nicht immer so.

 

Die Trennung als Chance

Noch vor wenigen Jahren konnte die „Türmli-Bar“ auf die volle Unterstützung des Studentenverbandes VSZHAW zählen. Unter dem damaligen Namen „Brainstorm-Bar“ erhielten die Helfer 20 Franken pro Stunde, Anlässe konnten über den offiziellen Mailverteiler beworben werden. Seit 2015 sind diese Zeiten vorbei. Für den damaligen Entscheid des VSZHAW, die Verbindung zur Studentenbar zu kappen, zeigt Hannen Verständnis. Vieles sei damals in einem rechtlichen Graubereich abgelaufen. Heute soll das anders sein: Der Vorstand fahre eine „Null-Risiko-Schiene“, wenn es um gesetzliche Bestimmungen geht. Keine Ausschanklizenz für einen Anlass – was in der „Brainstorm-Bar“ noch gang und gäbe gewesen sein soll, ist in der „Türmli-Bar“ ein No-Go. Auch finanziell bläst ein neuer Wind: Durch die Gratisarbeit der Helfer und sonstige Sparmassnahmen habe man in den letzten drei Jahren 10’000 Franken Schulden abbauen können, sodass die „Türmli-Bar“ nun erstmals liquide sei. Langfristig ist es deshalb das Ziel des jetzigen Vorstands, für die Mitarbeiter den einstigen Lohn wieder zu etablieren. Und die neue Seriosität kommt auch anderweitig mit ambitionierten Zukunftsplänen.

 

Die Türmli-Bar gilt nach wie vor als entspannter Treffpunkt

 

Spenden sammeln für ein neues Ambiente

Mindestens 30’000, lieber aber bis 80’000 Franken will das fünfköpfige Vorstandsteam bis diesen Sommer in einer Spendenaktion gesammelt haben, um die „Türmli-Bar“ einer innenarchitektonischen Generalüberholung zu unterziehen. Besonders das Streichen sei dringend nötig, erklärt Hannen mit einem Wink zu dem abblätternden Weiss an der Wand des Kellergewölbes. Auch die Schallisolierung brauche dringend eine Auffrischung. Darüber hinaus haben die Betreiber auch noch weitere Ideen, wie das rustikale Ambiente in den Kellergeschossen des „Türmlihuus“ aufgepeppt werden soll. Vom neuen Bartresen mit professionellem Kühlsystem über eine Gartenbeiz hin zu einer besseren Discoanlage legen sie ihre Vision einer frischeren, zeitgemässen Erholungsstätte für vorlesungsgebeutelte Studenten dar. Damit soll das Weiterbestehen der bald 25-jährigen Bartradition gesichert werden.

 

Ein Teil der Studentenkultur

Jeden Donnerstag von halb fünf nachmittags bis zwölf Uhr nachts ist die „Türmli-Bar“ geöffnet. Wie viele Gäste sie an so einem Abend bewirte, kann Hannen nicht genau sagen. Die Auslastung sei aber heute ziemlich normal, meint er und zeigt durch den gut gefüllten Barraum. Auch im Fumoir mit Billardtisch tummeln sich die Gäste. Einzig hier, im tiefsten Kellergewölbe, ist nach der Informationsveranstaltung niemand mehr anzutreffen. Die Bühne, die vorne an der Wand steht, ist provisorisch, der hohe Raum mit der darüber schwebenden Discobeleuchtung dient hauptsächlich als Tanzfläche. Doch wenn es nach den Vorstandsmitgliedern geht, soll die Bühne hier öfter genutzt werden. Zweimal im Jahr habe man neu einen Theatersport-Anlass, auch „Power-Point- Karaoke“ gebe es und man wolle in Zukunft wieder Konzerte anbieten können. Die „Türmli-Bar“ sei bereits jetzt ein Teil der Winterthurer Studentenkultur. „In Zukunft wollen wir das aber noch mehr sein“, erklärt Hannen.

 

Für geselliges Beisammensein eignet sich die Studentenbar gut

 

Volles Haus in der Türmli-Bar – dank vieler Empfehlungen

 

Um Winterthurs ZHAW-Studenten aber Kultur bieten zu müssen, müssen diese erst einmal von dem Angebot wissen. Auch Hannen bemängelt, dass sich die „Türmli-Bar“ momentan hauptsächlich auf Mund-zu-Mund-Empfehlungen verlassen muss. Trotz der guten Auslastung wünscht er sich mehr Gäste – und mehr Diversität bei den Departementen. Die Türmli-Bar sei halt momentan schon ein bisschen eine „T-Bar“. „Ist ja auch klar“, meint Hannen. „Die müssen halt nur zweimal umfallen, um herzukommen.“ Eine nicht repräsentative Umfrage des Brainstorm-Magazins zeigt zwar, dass die „Türmli-Bar“ unter den Winterthurer Studenten durchaus ein Begriff ist – unabhängig vom Departement. Regelmässig nutzen tun das Angebot aber nur die wenigsten. Die meisten Befragten geben an, ihre Donnerstagabende selten bis nie in der „Türmli-Bar“ zu verbringen. Ein Kommunikations-Student, der anonym bleiben möchte, erklärt sein Fernbleiben unverblümt mit: „Die ‚Türmli-Bar’ ist halt schon ein rechtes Loch.“ In den Umbau setzt er von daher eine gewisse Hoffnung. „Vielleicht wird es ja dann besser.“

 

Wiederannäherung an den VSZHAW?

„Wir sind klein, deshalb müssen wir laut sein“, meint Türmli-Bar-Vorstandsmitglied Cyrill Leu bei der abschliessenden Fragerunde. Der Barlärm übertönt ihn und so muss er den Satz prompt wiederholen. Es ist bezeichnend für die Herausforderung, der sich das Leitungsteam stellen muss. Man weiss, dass man auf sich aufmerksam machen muss. Doch wie genau das geschehen soll, scheinen auch die engagierten Studenten noch nicht genau zu wissen. Zwar hat man seit neuem eine eigene Website. Wer aber die „Türmli-Bar“ nicht schon kennt, wird kaum zufällig auf deren Internetauftritt stossen. Auch Philipp Hannen gesteht ein: Seit der Trennung vom VSZHAW habe man ein „Reichweiten-Problem“. Eine Lösung für dieses sei allerdings auch schon in Sichtweite, tönt er an. Der Vorstand der „Türmli-Bar“ stehe aktuell in Verhandlungen mit der Studentenvereinigung, um eine Partnerschaft auszuhandeln. Mit dieser, so hofft er, können bald schon wieder Anlässe kombiniert promoviert werden. Der Erfolg dieser Massnahmen dürfte für die Zukunft der „Türmli-Bar“ vital sein. Denn ohne die Möglichkeit, Winterthurs Studenten direkt zu erreichen, werden wohl auch frisch gestrichene Wände die Kellerbar nicht aus ihrem Schattendasein führen.

 

Bilder: Türmli-Bar

 

Du möchtest dich als freiwilliger Helfer für die Türmli-Bar engagieren?
Wende dich an turmlibar@hotmail.com!