Der VSZHAW plant eine neue Plattform, um Studierende mit Flüchtlingen in Kontakt zu bringen. Wie das funktionieren soll, und weshalb er sich dafür einsetzt, erzählt der abtretende VS-Präsident Leandro Huber im Interview.

Wie ist es dazu gekommen, dass der VSZHAW sich für Flüchtlinge engagiert?

Die Idee für ein Projekt ist bereits vor drei Jahren aufgekommen, auf dem Peak der Flüchtlingswelle. Man wusste aber nie, was genau man machen wollte. Erst war ein Mentoring-Projekt angedacht, bei dem Studierende Geflüchtete mit an die ZHAW nehmen. Das Problem ist aber, dass die Geflüchteten Fachhochschulen sehr häufig gar nicht kennen, da diese im Ausland eher unbekannt sind. An der Uni und der ETH hat man auch die Erfahrung gemacht, dass es zwar viele Interessierte gibt, die für ein Semester reinschnuppern, dann aber trotzdem nicht studieren können, weil sie die Zulassungsbedingungen nicht erfüllen. Also haben wir gedacht, wir kehren den Ansatz um. Anstatt studentische Geflüchtete an die Hochschule zu bringen, möchten wir unsere Studis zu den Geflüchteten bringen.


Wie soll das geschehen?

Das Ziel ist, eine für Studis zugeschnittene Plattform aufzubauen, auf welcher möglichst viele externe Organisationen ihre Angebote präsentieren – von ganz Einfachem, zum Beispiel einen Mittagstisch, bis zu langfristigen Sachen, wie einem Mentoring oder regelmässigen Austauschtreffen. So soll ein möglichst breites Angebot entstehen. Die Studierenden sollen sich dort engagieren können, wo es ihnen gefällt und tun, was sie auch gerne machen.


Gibt es schon konkrete Partner?

Die Suche hat gerade erst begonnen, es war ja bis vor Kurzem noch relativ schwammig, was wir überhaupt machen wollen. Es gibt aber verschiedene Organisationen, die schon Interesse bekundet haben. Ich bin sicher, dass wir viele Partnerorganisationen finden werden. Es besteht bereits jetzt eine Zusammenarbeit mit dem Projekt «Perspektiven Studium» des Verbands der Schweizer Studierendenschaften.


Wie kommen die interessierten Studierenden mit den Organisationen in Kontakt?

Im Zentrum steht die erwähnte Plattform. Das Ziel ist, dass die Studierenden ihre Erfahrungen und Erlebnisse von einem solchen Austausch erzählen – als Text, als Video, als Audio oder einfach als Bildstrecke – und auf die Plattform stellen. So sollen andere Studierende inspiriert werden, selber solche Erfahrungen zu machen. Es ist natürlich keine Voraussetzung, einen Bericht zu schreiben, wenn man sich bei einer Organisation engagieren möchte. Es wäre einfach schön, wenn die Interessierten wissen, was sie etwa erwartet. Ich denke es hilft ausserdem auch dabei, das Ganze ein bisschen zu verarbeiten, wenn man danach noch darüber schreibt.


Am 27. Februar 2019 findet ein «Hackathon» dazu statt (siehe unten). Was hat es damit auf sich?

Bei solchen Plattformen hat man häufig das Huhn-Ei-Problem: Solange nichts drauf ist, schaut es sich niemand an, und solange es sich niemand anschaut, kommt auch nichts Neues dazu. Das Ziel des «Hackathons» ist es, dass wir gleich zu Beginn Inhalte erstellen können, in denen Organisationen, Angebote und Personen vorgestellt werden. Dafür braucht es aber viele verschiedene Personen, die diese Inhalte schreiben. Wir haben uns deshalb überlegt, eine Challenge daraus zu machen und zu versuchen, innerhalb eines Abends so viel Content wie möglich durch so viele Schreibende wie möglich zu kreieren. Dafür brauchen wir einfach noch viele Studis, die mitmachen. Interesse ist auf jeden Fall da.


Und wie ist es beim Austausch mit den Flüchtlingen selber? Glaubst du, hier besteht auch Interesse bei den Studierenden?

Ich hoffe es sehr. Ich denke, wir sind an einem Punkt, an dem es wichtig ist, von der Soforthilfe einen Schritt weiter zu machen zu einer wirklichen Integration. Ich glaube, da ist wahnsinnig viel Potenzial vorhanden. Der Staat versucht, Geflüchtete möglichst schnell in die Arbeitswelt zu integrieren. Für viele ist das auch ein sehr guter Weg der Eingliederung. Aber ich denke, es ist wichtig, dass der Bildungsweg, der Weg an eine Hochschule oder auch in eine Berufslehre, ebenfalls offen ist. Es wäre schade, wenn sonst so viel Potenzial einfach verloren ginge. Entsprechend fände ich es sehr schön, wenn die Studierenden sich auch dafür begeistern lassen und bereit sind, so etwas zu machen. Das bringt einem auch persönlich extrem viel weiter.


Wieso findest du es wichtig, dass der VSZHAW sich in diesem Bereich engagiert?

Ich denke, als Studierende haben wir gewisse Ideale und auch eine gewisse Verantwortung. Wo möchten wir, dass sich unsere Hochschule hin entwickelt? Es heisst ja «Der Kunde ist König», und wir als Studierende sind die Kunden der ZHAW. Es gibt gewisse Dinge, welche die Hochschule nicht verändern kann, da sie zum Kanton gehört. Es wäre auch falsch, wenn Gelder aus dem Bildungssektor ins Soziale fliessen würden oder umgekehrt. Aber ich finde, eine Verbindung der beiden Bereiche tut dem Ganzen gut, und wir als Studis sind viel freier, so etwas zu machen. Ich finde es darum wichtig, dass wir Studis zeigen, dass wir gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen möchten.


Was bedeutet das Projekt dir persönlich?

Mir ist es wichtig, dass jetzt endlich etwas passiert. Als ich die Vereinsführung übernommen habe, habe ich quasi ein Sperrkonto mitübernommen, auf dem sich Geld für solch ein Projekt befindet. Dieses Geld liegt einfach da. Es wurde damals für diesen Zweck zur Seite gelegt und darf nicht anderweitig verwendet werden. Das ist auch richtig, aber es störte mich, dass einfach Geld herumliegt, dass dazu da wäre, Menschen zu unterstützen. Darum ist es mir wichtig, dass Ganze noch anzustossen, bevor ich das Präsidium übergebe.


Wie erlebst du die Unterstützung durch die ZHAW?

Sehr, sehr positiv. Es ist wie gesagt schwierig für eine Bildungsinstitution, einen Weg zu finden, sich in diesem Bereich zu engagieren. Alle Personen an der ZHAW, mit denen ich wegen des Projekts gesprochen habe, waren aber klar dafür und sind begeistert davon, dass die Studierenden sich sozial engagieren. Es sind alle sehr kooperativ und setzen sich ein. Wir stehen im Kontakt mit dem Departement L und dem Language Competence Center, welches Deutschprüfungen für Geflüchtete anbietet, und erleben da viel Zuspruch. Auch der Rektor steht voll hinter dem Projekt.


Du hast vorhin angetönt, dass du das Präsidium übergibst. Wird das Projekt auch ohne dich weiterlaufen?

Unbedingt! Ich betrachte es als meine Aufgabe, das so aufzuziehen, dass es dann auch weitergeht. Ich kann nicht einfach einen Scherbenhaufen hinterlassen und dann erwarten, dass sich jemand anders darum kümmert. Ich muss etwas hinterlassen, was bereits funktioniert. Es wird nicht ohne Ecken und Kanten sein, aber wenn es in den Grundzügen solide ist, dann muss das auch personenunabhängig funktionieren können. Dabei sind wir aber natürlich immer angewiesen auf Leute, die sich freiwillig beteiligen – nicht nur am Austausch selbst, sondern auch an der Organisation des Projekts.


Möchtest du mithelfen, die Plattform zu füllen? Sei dabei beim Hackathon!

Wann: Mittwoch 27. Februar 2019 ab 16:30 Uhr
Wo: ZHAW Winterthur
Kontakt: vszhaw@zhaw.ch


 

Bildurheber: Manuel Bauer