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„Wo sonst kann man eine Sendung über Masturbation machen?“


Das Studentenradio sirup.fm der beiden Zürcher Unis kreiert seit 1997 jeweils freitags von 21.00-22.00 Uhr eine Stunde selbstgemachtes Radioprogramm. Zeit, zwei von vier Moderatoren* zu treffen und über politische Sendungen, technische Pannen und revolutionäre Interviewformate zu reden.

Hallo Philipp, hallo Tobias, danke, dass ihr euch Zeit für ein Gespräch nehmt. Zum Anfang gleich etwas Lustiges: Als Philipp und ich vorhin Bilder vom Radiostudio machen wollten, wurden wir höflich hinausbugsiert. Wie kommt das?

Philipp: Anscheinend ist Montag Frauen-Tag bei Radio LoRa. Hättest du das gewusst?
Tobias: Ja, das hätte ich euch sagen können. Da werden keine Männer ins Studio gelassen, sonst kracht’s. (alle lachen)

Zumindest konnten wir einen Blick hineinwerfen. Es sieht so aus, wie ich mir ein alternatives Radio vorgestellt habe: Im Keller haufenweise politische Plakate („Free Marco Camenisch“, „Kampf dem Kapital“), oben im Studio engagierte Leute mit Ausrüstung aus dem letzten Jahrhundert.

Philipp: Die Ausrüstung ist alt, klar. Meistens funktioniert sie aber.
Tobias: Zum Glück wohnen wir beide in Gehdistanz zum Studio. Innerhalb von 2 oder 3 Songs könnten wir Ersatzmaterial beschaffen, falls etwas schlapp machen sollte.
Philipp: Und notfalls lernt man, alle zusammen ins Gästemikrophon zu sprechen.

Ist Politik in euren Sendungen auch Thema?

Tobias: Der Inhalt einer Sendung darf jeder Moderator selbst bestimmen.
Philipp: Das Radio LoRa bietet uns einfach die Infrastruktur für die Sendungen an. Ansonsten haben wir aber nichts mit LoRa zu tun.
Tobias: Grundsätzlich dürfen wir alles senden. Es gibt jedoch Hausregeln, die beispielsweise Rassismus, frauenverachtende Inhalte oder auch Werbung verbieten.

Die Themenvielfalt in euren Sendungen ist wirklich auffällig: „Studentisches Nachtleben“, „Techno im Iran“ oder „Der Mensch als Listen-Tier“. Wie geht ihr bei der Auswahl vor?

Philipp: Grundsätzlich ist man, wie gesagt, weitgehend frei. Wir versuchen aber, Themen zu wählen, die mit der Uni oder den Studenten in Verbindung stehen. Tobias: Leider gehören wir aufgrund unseres Alters wohl nicht mehr zum Kernpublikum der Uni. (beide lachen).

Der Inhalt einer Sendung darf jeder Moderator selbst bestimmen.

Wie wird das Ganze finanziert?

Tobias: Die Uni zahlt uns Millionen…
Philipp: …die wir dann für Weib, Wein und Gesang ausgeben. (alle lachen)
Tobias: Nein im Ernst: Die Uni unterstützt uns mit einem Maximalbeitrag von 2’000 CHF im Jahr. Davon zahlen wir die Jahresmitgliedschaft bei LoRa, die Pflege der Website, technische Geräte und Werbematerial.
Tobias: Die Moderatoren werden nicht entlöhnt, genauso wenig wie Studiogäste. 

Warum macht ihr es dann?

Philipp: Weil es Spass macht!
Tobias: Genau! Es ist eine Experimentierwiese. Einmal habe ich eine Sendung über Songs mit dem Thema Masturbation gemacht. Wo könnte man das sonst machen?
Philipp: Zudem lernt man das Radiohandwerk von der Pike auf. Pre-Interview, Anmoderation, Briefings etc.
Tobias: Sirup übernimmt für jeden, der mindestens drei Sendungen bei Sirup gemacht hat, die Kosten für den nötigen Ausbildungskurs bei der Radioschule klipp + klang.

Das tönt ja fantastisch! Sucht ihr noch Leute?

Philipp: Klar, wir sind immer auf der Suche nach neuen Talenten. Interessierte dürfen sich gerne via Mail info@sirup.fm bei uns melden oder uns eine Nachricht auf unserer Facebookseite schicken.

Was war eurer Meinung nach ein Sirup-Highlight?

Tobias: Das coolste war sicher das Interview mit Dieter Meier von Yello, welches eine Kollegin geführt hat. Sie hat ihn einfach angeschrieben und er hat spontan zugesagt.

Und auf was dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Tobias: Auf weitere tolle Sendungen mit spannenden Gästen. Hier ist alles möglich…
Philipp: …sogar neue, revolutionäre Interviewformate!

Was denn für neue, revolutionäre Interviewformate?

Philipp: Kann ich leider nicht sagen, aber wer es erfahren will, soll Kontakt mit uns aufnehmen. (grinst)


 

* Das Team von sirup.fm setzt sich zurzeit aus vier Personen zusammen: Marcel Naef, Nathalie Oesch, Tobias Bühlmann und Philipp Kübler. Das Gespräch wird mit Tobias Bühlmann und Philipp Kübler geführt, die beide in Zürich studiert haben und seit 2008 beziehungsweise 2011 bei sirup.fm dabei sind.

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