Es gibt unzählige Leute, die sich für Musik begeistern und selber ein Instrument spielen. Trotzdem gibt es nur wenige, die sich für das Band-Angebot des Vereins für Studierende ZHAW (VSZHAW) anmelden. Wie ist dieser Widerspruch möglich?
Sacha, der Gitarrist von Aunoöppis

In Winterthur Töss, zwischen blitzblankem Porsche-Zentrum und piekfeinem Mövenpick Weinkeller, steht ein grosser, dunkler Klotz: das Claudia – House of Sounds. Als ich dort zehn Minuten zu spät eintreffe, spreche ich den Typen an, der vor mir ins Haus läuft und einen Instrumentenkoffer bei sich trägt: „Bist Du von der ZHAW-Studi-Band Aunoöpis?“. Er schüttelt den Kopf: „ZHAW Band? Nie davon gehört. Dieses Gebäude ist voller Musikanten, musst Du wissen… Tschau.“ Ich rufe Sacha an, den Gitarristen von Aunoöppis. Er lotst mich zum richtigen Raum und stellt mich den anderen Bandmitgliedern vor. Jasmin spielt Keyboard, Stan Schlagzeug, Noah Bassgitarre, Enrique Saxophon und Elvira singt. Alle studieren am Department angewandte Linguistik an der ZHAW in Winterthur. Aktuell proben sie im Bandraum im House of Sounds für ihren ersten gemeinsamen Auftritt an der Frackwoche. 

Schritt für Schritt zum ersten Gig 
Elvira, die singt und Jasmin die eigentlich Keyboard spielt.

Die Gruppe spielt drei Lieder in Folge: Just The Two of UsHit Me Baby One More Time und Radioactive. Die Coverstücke klingen super, die Bandmitglieder haben ihre Instrumente gut im Griff. In einer Pause habe ich Gelegenheit, sie besser kennenzulernen. «Unser bevorstehender Auftritt zwingt uns dazu, uns regelmässig zu treffen und zu proben. Und das ist eigentlich ganz okay so», meint Sacha und lacht. Jasmin ergänzt: «Weil wir teils unterschiedliche Musikgeschmäcker haben, spielen wir auch verschiedene Genres. Jede und jeder ist willkommen.» Ausser Jasmin und Stan, der sein Drumset verständlicherweise lieber zuhause in Lausanne gelassen hat, nutzen alle ihre eigenen Instrumente. Der Verein Studierende der ZHAW stellt weitere Instrumente sowie Lautsprecher, Mikrofone und den Bandraum zur Verfügung. Auf die Frage, weshalb nicht mehr Leute in der Band mitspielen, antwortet Elvira: «Leider ist es nicht einfach, als Gruppe neben Studium, Familie und eigenen Interessen noch genug Kraft und Ausdauer für das Bekanntmachen der Band zu finden.»

„Niemand scheint Zeit für das Bekanntmachen des Angebots zu finden.» 

Alex
Viel Wille, wenig Zeit 
Stan am Schlagzeug, Noah an der Bassgitarre und Enrique spielt Saxophon.

Als ich später mit Alex, der zwischen Band und VSZHAW koordiniert, am Telefon spreche, erklärt auch er: «Wir sind alle ziemlich stark ausgelastet, niemand scheint Zeit für das Bekanntmachen des Angebots zu finden.» Das sieht auch Micha Neumair, Präsident des VSZHAW, so. Das Konzept des Bandangebotes der ZHAW beruhe auf Eigeninitiative, der Verein stelle dafür die Infrastruktur zur Verfügung. «Wir sind jederzeit bereit, die Musikanten, die unser Angebot nutzen, zu unterstützen. Dazu ist aber etwas Handfestes nötig, das wir uns gemeinsam am runden Tisch ansehen können.» Offensichtlich fehlt die eine oder andere helfende Hand, die sich nicht primär für das Machen, sondern eher das Managen von Musik interessiert. Lässt sich hoffen, dass das Musikangebot des VSZHAW wegen mangelnder Nachfrage nicht irgendwann ganz verstummt. 

Bildurheber: Robin Donati